So könnte Herzogenaurach nach einer Verkehrswende aussehen

27.4.2021, 05:42 Uhr

© Foto: Matthias Kronau

Sport und Bewegung sollten dabei eine große Rolle spielen. Da kam als Projektstadt fast nur Herzogenaurach in Frage. "Herzogenaurach 2030: SportCITY" lautete das Ziel der studentischen Projektarbeit, die von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Susanne Gerstberger ausgegeben worden war. (Ein Interview mit ihr lesen Sie hier).

Sport war in Herzogenaurach der Anknüpfungspunkt, doch letztlich ging es um die Mobilität an sich und die Abkehr von der Dominanz des individuellen Pkw-Verkehrs. Die Studierenden sollten die Verkehrswende radikal denken. Und: Sie haben es getan.

Die Straße "Zum Flughafen" heute: In der Mitte die Straße, rechts und links in diesem Abschnitt Fuß- und Radweg.

Die Straße "Zum Flughafen" heute: In der Mitte die Straße, rechts und links in diesem Abschnitt Fuß- und Radweg. © Foto: Matthias Kronau

Niels Striby und Hanna Sartorius wollen Herzogenaurach in ihrer Projektarbeit autofrei bekommen. Sie haben zunächst überlegt, wie die aktuellen Verkehrsströme laufen.

Die Studierenden der Landschaftsarchitektur haben, der Anschaulichkeit halber, drei typische Herzogenauracher benannt. Da ist Silvie Fischer, die zu ihrem Arbeitsort in Erlangen am liebsten mit dem Fahrrad fährt. Wegzeit: 40 Minuten. Dem gegenüber arbeitet Professor Norbert Runkel in Fürth, er will dem stressigen Pendlerverkehr entgehen und hat gegen 55 Minuten ÖPNV-Fahrzeit nichts einzuwenden. Und Amy Brown, Adidas-Mitarbeiterin, ist unterwegs in der Welt. Sie wird stets vom Nürnberger Flughafen abgeholt, 30 Minuten dauert das.


+++ DIE VOLLSTÄNDIGE PRÄSENTATION VON STRIBY/SARTORIUS FINDEN SIE HIER, DEN ERLÄUTERUNGSTEXT HIER +++


"Auffallend ist, dass Amy trotz des längsten Weges die kürzeste Fahrzeit hat", heißt es in der Projektarbeit. "Das zeigt, wie gut die Autoinfrastruktur ausgebaut ist." Da müsse eine Umstrukturierung her.

In der Vision von Striby/Sartorius ist da zunächst ein entscheidender Schritt: Der Autoverkehr beschränkt sich auf die überregionale Anbindung, etwa über die Autobahn. Eine zentrale Verbindungsstraße führt von dort an den nördlichen Stadtrand (World of Sports). Auch Autoverkehr aus anderen Himmelsrichtungen wird vor der Stadt an Knotenpunkten abgefangen.

© Graphik: Präsentation Striby/Sartorius

Und dann? Nun wird umgestiegen auf ein enges Geflecht an ÖPNV. Die StUB fährt, aber es gibt viele weitere Möglichkeiten, etwa kleinere Elektroshuttlebusse. Der Umstieg aufs Fahrrad ist möglich. Vermissen soll das Auto in der Innenstadt keiner mehr, dazu sind die alternativen Möglichkeiten viel zu angenehm. Durch eine "Umcodierung" der Straßen wird klar, wer wo fahren darf.

In dem Konzept von Striby/Sartorius wird davon ausgegangen, dass es häufiger als bisher zum Umsteigen kommt. Also: Fährt man heutzutageetwa von Bamberg zum Parkplatz An der Schütt direkt mit dem Auto, würde man künftig bis zum Knotenpunkt im Stadtnorden fahren und dann Umsteigen in den Elektrobus oder ein Leihfahrrad nutzen.

Die Knotenpunkte sind also entscheidend. Sie sollen Umsteigepunkte sein, aber auch "Anknüpfungspunkte der Stadt an die Umgebung". Dort nämlich gibt es gute Möglichkeiten, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Bus in die Natur zu kommen. Darüber hinaus: "Die Knotenpunkte funktionieren zusätzlich als Anziehungspunkte und bilden Treffpunkte für Besucher und Bewohner."

Neben einer Umcodierung des Straßensystems und der Bildung von Knotenpunkten gilt es auch, das bereits Vorhandene gut zu nutzen. "Schleifenwege" in und um die Stadt bieten attraktive Freizeitmöglichkeiten. Für Silvie Fischer etwa gibt es eine grüne Schleife mit viel Natur zwischen Aurachpromenade und Dohnwald, Professor Norbert Runkel wird sich an der blauen Schleife mit vielen kulturellen und architektonischen Besonderheiten erfreuen. Die rote Schleife dagegen ist eine Sportpromenade zwischen Innenstadt und Herzo Base, die gefällt insbesondere Amy Brown.

Eine Studierenden-Arbeit also, die den Gedanken freien Raum lässt. "Aber eine Spielerei ist das nicht", betont Niels Striby. "Man muss radikal denken, um später vielleicht einiges Schritt für Schritt umzusetzen." Für ihre Arbeit erhielten Niels Striby und Hanna Sartorius an der Uni die Note 1,3.

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