Mit der Kamera auf Pirsch

Untermembacher erkundet filmisch die Region zwischen Aisch und Aurach

12.1.2022, 05:59 Uhr
Hobbyfilmer Josef Röhrle auf Pirsch zwischen Aisch und Aurach.

 

Hobbyfilmer Josef Röhrle auf Pirsch zwischen Aisch und Aurach.   © Josef Röhrle, NN

Schon immer kam Josef Röhrle viel auf dem Planeten herum. Mittlerweile hat er über 55 Länder der Welt gesehen und seine Reisen meist auch in Bild festgehalten. Zunächst fotografierte er, doch seit den 1990er Jahren drehte der Hobbyfilmer Reisedokumentationen. Bei seinen Arbeitstagen, die gerne mal bis zu 14 Stunden dauerten, blieb wenig Zeit für anderes.

Als sich der ehemalige Leiter des Siemens-Gerätewerkes mit 60 in den Ruhestand verabschiedete, ging es mit seinen filmischen Werken erst so richtig los. Jetzt hat der heute 72-jährige Untermembacher zwei neue Filme produziert. "Weiher, Wiesen, Wälder - Naturerlebnis Aischgrund" und "Die Aisch - von der Quelle bis zur Mündung" heißen sie und feiern bald Premiere.

Das Rebhuhn wird immer seltener

Was einst in der großen weiten Welt begann, ist jetzt in der Region angesiedelt. Statt Reisedokumentationen aus Südamerika dreht Röhrle jetzt zum Beispiel Filme über die Aisch. Doch was hat der Landkreis, die Aisch, was die große weite Welt, die Röhrle gesehen hat, nicht hat? "Es ist einfach die Heimat", sagt er. "Es zieht mich jetzt nicht mehr so in die Ferne." Und die eigene Heimat beobachtet er nun schon lange und macht dabei einige Entdeckungen.

Einige Tiere sehe man immer weniger. Zum Beispiel das Rebhuhn. Die Population des Tieres war in den vergangen Jahren erheblich zurückgegangen. "Es ist nicht zu leugnen, welchen Verlust wir in den letzten Jahren hinsichtlich Arten und Artenvielfalt hinnehmen mussten", sagt Röhrle. Dagegen engagiert er sich (Röhrle ist unter anderem im Bund Naturschutz aktiv), daraus zieht er auch seine Motivation. "Ich widme mich jetzt stark dem Umwelt- und Naturschutz", sagt Röhrle. Denn er richtet seinen Blick gen Zukunft. "Ich möchte, dass meine drei Enkel auch in Zukunft einen möglichst intakten Planeten vorfinden."

Filmischer Fortschritt

Freuen können sich die Zuschauerinnen und Zuschauer von seinen Filmen nun auch auf spektakuläre Aufnahmen aus der Luft. Denn seit 2019 hat Josef Röhrle auch eine Drohne im Einsatz. "Ein guter Film kommt heute nicht mehr ohne Drohen aus", sagt er. Zum Beispiel auch sein neues Werk "Weiher, Wiesen Wälder - Naturerlebnis Aischgrund". Dort hat er zum Beispiel die riesigen Wasserflächen der Teiche von oben aufgenommen. "So sehen es die Zugvögel", sagt Röhrle. Denn vor allem die haben es ihm angetan. "Vögel sind meine Leidenschaft", sagt er.

Viele verschiedene Arten von ihnen werden zu sehen sein. Auch das Moorhofgebiet mit seinen unzähligen Teichketten und Wasserflächen, das bei unserem Besuch ebenso über seinen Bildschirm flimmert. "Wenn man da unten läuft, dann sieht man die gar nicht", sagt Röhrle. Doch mit der Drohne werden ganz neue Perspektiven sichtbar. "Wer hat den Moorhof denn schon so gesehen?", fragt er begeistert.

Begeistert ist er auch von einigen andern spektakulären Aufnahmen, die ihm für diesen Film gelungen sind. Zum Beispiel hat Röhrle acht Jungfüchse vor die Linse bekommen. Doch das war Zufall. Eigentlich, so erzählt er, hatte er Dachse nachts mit Wildtierkameras aufnehmen wollen. Die Aufnahmen zeigten hinterher auch eine Füchsin mit zwei Jungen.

Auf Abstand gehen

Röhrle suchte und fand eine kleine Höhle in der Nähe. Dort baute er in etwa 20 Metern Entfernung sein Tarnzelt auf uns stieg hinein. Dann hieß es warten. Und tatsächlich: Die acht jungen Füchse zeigten sich. "Sowas live zu beobachten, da flippt man aus." Röhrle lacht. Doch er sagt auch: "Mir geht es nicht darum, das perfekte Bild zu haben." Denn Tiere sollten in ihrem natürlichen Verhalten nicht gestört werden. Daher heißt es: Auf Abstand gehen. Aus bis zu 200 Metern Entfernung kann er filmen. Geht das nicht, steigt er in sein Tarnzelt.

Das baut er meist schon ein paar Tage vorher auf, damit sich die Tiere an dessen Anblick gewöhnen können. Dann heißt es warten und von der guten Vorbereitung profitieren. Denn bevor er eine gute Tieraufnahme einfangen kann, muss er sich erst mit dem Verhalten der Tiere vertraut machen. "Es gehört natürlich auch viel Glück dazu", sagt Röhrle, um eine Szene zu treffen.

Tierfilme, sagt er, liefen ja zu Hunderten im Fernsehen. Aber nicht aus der Region. "Mir geht es darum, die Natur und Schönheit in unserer Heimat zu zeigen." Röhrle hat die Pandemie auch dafür genutzt. "Da habe ich meine Heimat noch besser kennengelernt."

Vor Begeisterung den Aufnahmeknopf nicht gedrückt

Dann reiste er für einen weiteren neuen Film an der Aisch entlang - und erkundete, was es sehenswertes links und rechts des Flusses gibt. "Die Aisch - von der Quelle bis zur Mündung" heißt das Werk und wird ebenso bald Premiere feiern. Manchmal ist Röhrle so begeistert von dem, was er durch die Kameralinse einfangen kann, dass er sogar vergisst, den Aufnahmeknopf zu drücken. "Wenn ich mich dann ärgere, sagt meine Frau 'Du hast doch im Kopf fotografiert'."

Seine Frau Gerlinde ist auch ab und an bei einem seiner Filmeinsätze vor Ort mit dabei. Aber doch eher selten. Sie ist eher nach den Filmaufnahmen beteiligt. Röhrle nennt sie eine "neutrale Beobachterin". Jemand, der noch mal einen kritischen Blick auf seine Sequenzen legt. Und bei der Musikauswahl ist sie beteiligt.

Bei der Nachbearbeitung seiner Aufnahmen fühle er immer wieder diese Begeisterung. Zig Terrabyte davon hat er mittlerweile gespeichert, auch, wenn er nach jedem Dreh das Material aussortiert. "Alle guten Aufnahmen, die ich mache, verarbeite ich irgendwie", sagt Röhrle. Meist entstehen dann aus den einzelnen Szenen kleine Clips, die er später für Filme verwenden kann. Oder er schneidet sie in ältere Filme hinein und "updatet" seine Werke. Und dann spürt er sie wohl wieder: Die Begeisterung für Heimat und Natur.

Die ursprünglich in Adelsdorf und Röttenbach geplanten Premieren finden pandemiebedingt doch nicht statt. Der Verein hofft, die Veranstaltungen zu einem späteren Zeitpunkt nachholen zu können.

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