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Donnerstag, 22.10.2020

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Unterricht in Corona-Zeiten: Diese Schule will niemanden vernachlässigen

Neues Unterstützungsangebot an der Liebfrauenhaus-Schule in Herzogenaurach - 23.07.2020 06:57 Uhr

Co-Lehrerin Mandy Marschall-Müller beim Einzelcoaching.

© Foto: Liebfrauenhausschule


Der Corona-Lockdown stellte den Schulunterricht vor ungeahnte Herausforderungen. Auch für die rund 370 Schüler des Liebfrauenhauses musste der Unterricht plötzlich digital stattfinden. Diese neue Form des Unterrichts klappte laut Schulleiter Michael Richter nach anfänglichen Stolpersteinen erstaunlich gut.

"Doch im Laufe der Zeit hat sich herausgestellt, dass man einige Kinder quasi verliert, weil sie sich nicht in die Sitzungen einwählen und/oder keine Ergebnisse liefern", so Richter. Das jedoch wollte man nicht hinnehmen. "Unsere Prämisse ist, dass wir jedes Kind erreichen wollen und müssen."

Elf Lerncoaches

Und so wurden die Co-Lehrer und die Mitarbeiter des Ganztages, insgesamt elf Personen, zu Lerncoaches ernannt. Denn etwa vier bis fünf solcher Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf gebe es in jeder Klasse.

Jeder Klasse der Jahrgangsstufen eins bis acht wurde also ein pädagogischer Mitarbeiter zugeteilt, von den Lehrern oder auch den Eltern wiederum wurde auf die Kinder aufmerksam gemacht, die hinten runterzufallen drohten; der überwiegende Teil davon sind Mittelschüler.

Unterricht in Kleingruppen

Die Lerncoaches treffen sich zwei bis drei Mal pro Woche jeweils ein bis zwei Stunden zu festen Zeiten virtuell mit einer Kleingruppe an Schülern. Per Videokonferenz kann man sich austauschen, gemeinsam Themen des Wochenplans erarbeiten und Fragen stellen bzw. beantworten.

Anna Maria Specht, Leiterin Ganztag, hat immer Schulbücher und Wochenplan bereitliegen.

© Foto: Edgar Pfrogner


"Dabei geht es weniger um Wissensvermittlung, als vielmehr darum, den Alltag zu gestalten, Struktur reinzubringen und auch Empathie zu zeigen", erklärt Richter.

Anfangs funktionierten diese Kleingruppen gut – und tun das auch heute noch. "Wir haben jedoch schnell gemerkt, dass auch dabei wieder Kinder gefehlt haben." Deshalb sei man zunehmend ins Einzelcoaching eingestiegen. Anna Maria Specht, Leiterin Ganztag, beispielsweise hat einige Einzelcoachings.

Verbindliche Zeiten

"Manche Schüler schaffen es einfach nicht, morgens selbstständig aufzustehen und sich hinzusetzen, andere haben sich schlicht verweigert, weil sie mit der Situation überfordert waren oder sich alleingelassen gefühlt haben", berichtet Specht. Verbindliche Zeiten und Einzel-Betreuung seien für diese Kinder eine prima Lösung. "Die Schüler freuen sich, dass sich jemand für sie interessiert und arbeiten da ganz toll mit."

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Ein Grund dafür mag laut Richter auch der sein, dass der Lerncoach eben nicht der eigentliche Klassenlehrer ist, wohl aber eine Kraft, die die Kinder etwa aus der Mittagsbetreuung kennen. Und Co-Lehrerin Mandy Marschall-Müller ergänzt: "Ich erlebe die Kinder beim Coaching ganz anders als im normalen Unterricht." Auch vermeintlich faule Schüler würden richtig aufblühen. "Die wollen das schaffen und waren im Klassenverband vielleicht nur überfordert."

Schwierige Corona-Zeit

Die Lerncoaches stärken somit das Selbstvertrauen, das Angebot hat sich also bewährt. Lob kommt dafür auch von den Eltern. Eine Mutter schreibt: "Das Liebfrauenhaus hat einen innovativen und motivierenden Weg eingeschlagen, Kinder in dieser außergewöhnlichen und schwierigen Zeit zu unterstützen."

104,5 Wochenstunden leisten die Lerncoaches momentan. "Für einige Schüler wollen wir dieses Angebot auch ins neue Schuljahr mitnehmen, allerdings nicht mehr in diesem Umfang", sagt Richter. Dafür aber neben virtuell vielleicht auch im persönlichen Kontakt. "Das soll unsere Antwort sein auf die Kinder, die sonst hinten runterfallen würden."

 

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