Dienstag, 22.10.2019

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Artenschutz: LBV ermittelt Potenzial unscheinbarer Grünflächen

Am Rand von Wegen oder am Ufer von Bächen soll sich Biodiversität entfalten - 17.09.2019 18:28 Uhr

Wer kennt sie nicht: Scheinbar nutzlose Flächen wie dieser Hang zwischen Stadtbleiche und der Zufahrt zu den Rothmühlpassagen können ein Refugium für Pflanzen und Tiere sein. Wenn man sie denn wachsen lässt. © Symbolfoto: Martin Regner


Wenn es nach Ralf Hotzy vom (Landesbund für Vogelschutz) LBV aus Hilpoltstein geht, haben die Kommunen eine Vorbildfunktion für Artenschutz und Biodiversität – und sollten dieser auch gerecht werden. Was das heißen kann, erklärte Hotzy im Umweltausschuss des Kreistages.

Die Kommunen verfügen über zahlreiche Grünflächen, so Hotzy, darunter auch ungenutzte Flächen wie Straßenbegleitgrün, Wegränder und sogenannte Gewässer dritter Ordnung wie kleinere Bäche inklusive den Uferbereichen. Hier will ein Projekt des LBV ansetzen, um in solchen Bereichen Refugien für Tiere und Pflanzen zu schaffen.

Das Problem fange oft schon damit an, dass viele kommunale Verwaltungen gar nicht genau wissen, welche und wie viele Flächen ihnen gehören. Als erstes könnten Städte und Gemeinden, die bei dem neuen LBV-Projekt mitmachen, sich einen Überblick verschaffen: Im Rahmen eines Flächenmanagements werden Lage, Größe und Zustand der Flächen erfasst.

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In einem zweiten Schritt sollen die Kommunen Empfehlungen für die Pflege und die Bewirtschaftung erhalten. "Mehr Biodiversiät kostet nicht unbedingt mehr Geld", erklärte Hotzy dazu: Es erweise sich oft als sinnvoller, etwa einen Randstreifen einer Straße weniger häufig zu mähen, damit sich dort eine größere Artenvielfalt entfalten kann.

Allersberg, HIP und Thalmässing an Bord

Mitunter käme es vor, dass ein bereits ökologisch wertvoller Magerrasen, auf dem sich zahlreiche Arten angesiedelt haben, umgepflügt und dann neu angesät werde. Solche Maßnahmen könne man sich sparen. Auch falsche Nutzungen von Ackerrandflächen, die etwa in der Feldflur landwirtschaftlich mitgenutzt werden, sollten besser unterbleiben.

Neben Allersberg, Hilpoltstein und Thalmässing, die bereits an Bord sind, könnten sich noch zwei weitere Städte oder Gemeinden beteiligen. Mit Heideck sei man in den Verhandlungen bereits sehr weit gekommen, die Stadt müsse nur noch zusagen.

Noch in der Sitzung erklärte der Röttenbacher Bürgermeister Thomas Schneider (FW), er habe ernsthaftes Interesse. Allerdings drängt die Zeit: Die Teilnahme-Unterlagen müssen noch im Laufe dieser Woche fertig werden, um die Projektmittel zu beantragen. Der dreijährige Projektzeitraum beginnt im Jahr 2020. Teilnehmende Kommunen müssen allerdings damit rechnen, einen Eigenanteil von 10 000 bis 15 000 Euro selbst aufbringen zu müssen.

Kommt das 365-Euro-Ticket?

Im weiteren Verlauf der Sitzung wurden innovative Konzepte für den öffentlichen Nahverkehr im VGN-Gebiet vorgestellt. Die größten Chancen auf Verwirklichung hat derzeit ein 365-Euro-Jahresticket für Schüler und Auszubildende. Dieses könnte im VGN-Gebiet – und damit auch im Landkreis Roth – bis September 2020 eingeführt werden. Was allerdings beim Verkehrsverbund zu Mindereinnnahmen in Höhe von rund 43 Millionen Euro führen würde.

Dieses Defizit müssten die Träger des VGN, zu denen auch der Landkreis Roth gehört, anteilig übernehmen. Falls der Landkreis Roth in der Trägerversammlung des VGN dagegen votiere, könne das 365-Euro-Ticket nicht eingeführt werden, hieß es. Landrat Herbert Eckstein (SPD) räumte zwar ein, dass auch dann, wenn der Landkreis zustimmt und seinen Teil der Kosten übernimmt, im Landkreis kein einziger Bus oder Zug mehr fahren werde und die Frage deswegen berechtigt sei, ob man das Geld nicht lieber in einen Ausbau des Angebots investieren sollte.

Aber, so der Landrat weiter: Das Ziel müsse sein, junge Leute vom öffentlichen Nahverkehr zu überzeugen, damit diese später nicht ins Auto steigen, sondern dem ÖPVN treu bleiben. Überdies sei der Begriff "365-Euro-Ticket" in der Öffentlichkeit positiv besetzt, was beim Thema Nahverkehr eher selten vorkomme.

Eine Entscheidung in dieser Frage fiel noch nicht.

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