Donnerstag, 17.10.2019

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Austrinken würde 82.135 Jahre dauern

Blick hinter die Kulissen der Kanalschleuse Hilpoltstein - 19.09.2019 06:11 Uhr

Hier kommt es auf Zentimeter an: Durch das zwölf Meter breite Schleusenbecken dürfen Schiffe bis maximal 11,45 Meter fahren. © Foto: Martin Regner


Das ist nur eine der vielen Zahlen, mit denen das imposante Bauwerk aus Stahl und Beton beeindruckt. Die Schleusenkammer ist 200 Meter lang und zwölf Meter breit. Schiffe dürfen maximal 11,45 auf 190 Meter messen, damit sie durchfahren dürfen. Damit bleiben im Extremfall rechts und links weniger als 30 Zentimeter zwischen dem Schiffsbug und der Betonwand übrig. Und das auf 190 Metern Länge.

Oben in der Steuerzentrale sitzen zwei Betriebsleiter an Monitoren. Sie überwachen den Betrieb nicht nur in Hilpoltstein, sondern gleichzeitig auch in Eckersmühlen, Bachhausen und Leerstetten.

Knapp 25 Meter Höhenunterschied

Seitlich neben der Schleuse, in der ein Schiff in besagten 25 Minuten einen Höhenunterschied von knapp 25 Metern zurücklegt, während sich das Becken mit seinen 60 000 Kubikmetern füllt oder leert, befinden sich drei weitere voluminöse Wasserbehälter – die sogenannten Sparbecken. Hierhinein strömen rund 60 Prozent des Wassers aus der großen Schleusenkammer, wenn sich darin gerade ein Schiff auf dem Weg nach unten befindet. Der Rest landet im Main-Donau-Kanal auf der tieferen Seite in Richtung Eckersmühlen.

In umgekehrter Richtung können 60 Prozent der Schleusenkammer aus den Sparbecken geflutet werden, wenn ein Schiff auf die Bachhausener Seite des Kanals gehoben wird. Der Rest wird aus dem Kanal geholt, der sich wiederum mit Pumpen aus der Donau speist. Weil sich so das wertvolle Kanalwasser sparen lässt, tragen die Sparbecken ihren Namen nicht zu Unrecht.

Dafür, dass das untere Schleusentor in Richtung Eckersmühlen 120 Tonnen wiegt, schaut die Technik für dessen Steuerung überschaubar aus: Rechts und links des Tors arbeiten zwei Seilzüge, die das Tor heben oder senken. Der Durchmesser der oberen Rolle, über die das Seil läuft, beträgt rund fünf Meter. Kraft werde für die Bewegung des Tors kaum benötigt, erklärt Sandra Wünsche, die den "Außenbezirk Hilpoltstein" mit den vier Schleusen zwischen Bachhausen und Leerstetten leitet. Denn zwei Gegengewichte sorgen dafür, dass vom Antrieb nur die Reibungswiderstände überwunden werden müssen.

Gewisse Unterschiede gibt es doch

In ihrer Grundkonstruktion sind die vier Schleusen, für die Wünsche zuständig ist, fast identisch. Das gilt auch für die schier unendlich langen Gänge durch den massiven Beton im Untergrund, die an der Schleusenkammer entlang führen. Hier kann man sich leicht verlaufen.

Gelegentlich verirrt sich hier sogar die Expertin, die normalerweise jede Ecke kennt: "Es kommt vor, da laufe ich durch die Schleuse Leerstetten und denke mir, da geht’s lang. Und dann stehe ich vor einer Betonwand und mir fällt ein: Ich bin ja in Hilpoltstein." Denn gewisse kleine Unterschiede in den Grundrissen gibt es dann doch.

MARTIN REGNER E-Mail

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