Montag, 30.03.2020

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Bauern fordern in Berlin: "Redet mit uns, nicht über uns"

Landwirte aus der Region waren bei der Demo in Berlin dabei. Zwei davon mit Traktor. - 04.12.2019 06:04 Uhr

Auch aus der Region waren etliche zur Großdemonstration der Landwirte nach Berlin gefahren. Zwei machten sich sogar mit dem Traktor auf in die Hauptstadt. © Foto: Thomas Schmidt/BBV


Da zumindest die Autobahnen in Thüringen für den Schlepperkonvoi unter polizeilicher Aufsicht freigegeben wurden, und über die sozialen Medien Unterkünfte und Versorgung organisiert werden konnten, war eine reibungslose Anreise bis etwa 70 Kilometer vor Berlin möglich. Für diesen letzten Abschnitt der Reise benötigten Richard Götz aus Günzersreuth (Kammerstein) und Georg Harrer aus Altenhofen (Hilpoltstein) weitere sieben Stunden. Nach über 20-stündiger Fahrt standen insgesamt 660 Kilometer auf dem Tacho.

Vor dem Brandenburger Tor

Für Götz hat sich die Fahrt trotzdem gelohnt: "Die Solidarität unter den Landwirten ist im Moment so groß wie nie. Nur gemeinsam kann so ein gewaltiges Zeichen gesetzt werden." Dieses Gefühl prägte die ganze Demonstration. Besonders dankte Harrer dabei den Leuten, die sich in Sachsen-Anhalt um Unterkunft und Verpflegung gekümmert haben. Neben anderen Bulldogfahrern waren Thomas Bauer aus Eckmannshofen (Thalmässing) und Josef Walter aus Schutzendorf (Greding) mit dem Lkw eines Landhändlers nach Berlin aufgebrochen, um zu zeigen, dass auch die vor- und nachgelagerten Bereiche am Wohl der Landwirtschaft interessiert sind. Aufgrund der Masse an Traktoren kamen die Bulldogs um Richard Götz jedoch schon drei Kilometer vor dem Brandenburger Tor, in der Nähe der Siegessäule, zum Stehen.

Aus dem Landkreis Roth wurde zudem ein Bus für die Teilnahme organisiert, der voll besetzt war. Mit eigens gebastelten Schildern brachten die Bäuerinnen und Bauern aus der Region ihre Forderungen vor. Dabei kritisierten sie vor allem die immer mehr ausufernde Bürokratie. Gerade die kleineren bäuerlichen Betriebe würden unter vermehrten Vorschriften besonders leiden. Wie schon bei der Großdemo einige Wochen zuvor in München, waren auch in Berlin viele junge Bäuerinnen und Bauern bei der Demonstration. Wie Regina Pfister aus Birkhof (Greding), Magdalena Rühl aus Leer-stetten oder Johannes Christoph aus Kaising (Greding), die alle in den vergangenen Jahren die landwirtschaftliche Ausbildung absolvierten, kritisierten sie vor allem die vielen pauschalen und oft falschen Vorwürfe gegenüber der Landwirtschaft.

Hier forderten sie mehr Verständnis für die Arbeit und mehr Information und Gespräche mit den Landwirten, vor allem durch die Politik. Die Bundesumweltministerin Svenja Schulze sei bei der Demonstration besonders negativ aufgefallen, wie Markus Hoffmann aus Abenberg berichtete. "Die Ministerin war sich nicht zu schade, die 58 Euro, die pro Bürger und Jahr aus Steuern in die Landwirtschaft fließen, in ihrer Rede vor den Bauern gleich doppelt so hoch anzusetzen", ärgerte er sich. Zudem sei sie nach einer kritischen Frage beleidigt vom Podium gegangen.

Die Bulldogfahrer berichteten auf der anderen Seite, dass sie auf dem langen Weg nach Berlin ausnahmslos positive Rückmeldungen bekommen hätten. Auf vielen Brücken über die Autobahn hätten viele Leute, oft mit Unterstützungsplakaten, dem Konvoi zugejubelt.

Positive Rückmeldung

Diese positiven Rückmeldungen bekamen auch die Busteilnehmer der Demonstration direkt mit. Die Berliner in der U-Bahn lobten die Demo für die Ordnung, die Polizei war nur zur Verkehrsregelung nötig und der Platz vor dem Brandenburger Tor war nach der Demo sauberer als zuvor. Auf dem Rückweg in der U-Bahn zum Bus machten andere Fahrgäste sogar extra Sitzplätze frei: "Ihr seid heute schon lange genug gestanden".

Wichtig war allen Teilnehmern, dass sie vor allem für Gespräche mit den Landwirten und nicht nur über die Landwirtschaft auf die Straße gegangen waren. Wir wollen Umwelt, Kulturlandschaft und die Höfe erhalten, so Margarethe Heinloth aus Häusern (Hilpoltstein). "Redet mit uns, nicht über uns", lautete ihre Forderung.

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