15°

Samstag, 19.09.2020

|

Bunte Welt: Zell zeigt Flagge für Vielfalt

Regens-Wagner beteiligt sich am bundesweiten Diversity-Day am 28. Mai. - 22.05.2019 18:00 Uhr

Andy, Abebe und Mohamed zeigen auf der Weltkarte, wo sie geboren wurden. In der Zeller Wohngruppe wird Diversität täglich gelebt.

© Foto: Regens Wagner


Mit über 2000 Aktionen im letzten Jahr bekundeten zirka 600 Organisationen in allen 16 Bundesländern flächendeckend ihr Engagement. Regens Wagner Zell beteiligt sich am "Diversity-Day 2019" und der 28. Mai wird ganz im Zeichen der Vielfalt stehen. Mit Aktionen in der Regens Wagner Schule in Zell, der Haupteinrichtung und auf dem Platz vor der Residenz in Hilpoltstein möchte die Einrichtung ausdrücken, dass sie Vielfalt als Gewinn sieht und sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung einsetzt. Sie steht für Offenheit, Wertschätzung und Toleranz und respektiert die Einzigartigkeit jedes einzelnen Menschen.

Drei Hörgeschädigte erzählen

Gelebte Diversität? Kann dies überhaupt gelingen? In einer Gesellschaft, in der das Klima rauer wird? In einer Gesellschaft, in der dieses Thema ausgelöst durch die "Flüchtlingswelle" widersprüchlich und emotionsgeladen diskutiert wird? In einer Kerngesellschaft, in der Rassismus, Vorurteile, Aus- und Abgrenzung und Fremdenangst zu zunehmen scheint?

Im Haus Jomi, einer Wohngruppe von Regens Wagner in Hilpoltstein, wird ein interkulturelles Miteinander seit Jahren verwirklicht. Bei einem Besuch in der Gruppe erzählen Mohamed aus Syrien, Abebe aus Äthiopien und Andy aus Pirna, alle drei sind hörgeschädigt, von ihrer Lebensgeschichte und der jetzigen Gemeinschaft.

Mohamed, 17, der mit seiner Familie vor drei Jahren aus Aleppo über die Türkei flüchten musste. Abebe, 14, der in einem Kinderheim in Äthiopien lebte und 2016 von einer Adoptivfamilie in Deutschland aufgenommen wurde und Andy, ursprünglich aus Pirna bei Dresden. Die jungen Männer sind alle drei Schüler und besuchen die Berufsschule für Hörgeschädigte oder das Förderzentrum der Regens Wagner Einrichtung.

Missverständnisse bleiben nicht aus

Zu Beginn sei es sehr schwer gewesen, berichten Mohamed und Abebe, wir haben uns kaum verständigen können. Mohamed hatte zwar in Syrien die Gebärdensprache gelernt, diese unterscheidet sich jedoch von der deutschen Gebärdensprache. Dazu kam die deutsche Schriftsprache, die er jedoch inzwischen besser beherrscht, als Syrisch.

Für Abebe war es doppelt schwer: er musste die deutsche und die Gebärdensprache auf einmal lernen. Dies sei sehr mühsam gewesen und gelang nur mit täglichem Üben in der Schule und in der Wohngruppe mit den Erziehern, erinnert er sich. Im Haus Jomi ist es bunt! Neben Mohamed, Andy und Abebe leben noch junge Männer aus weiteren Nationen im Haus: aus Russland, aus den USA, aus dem Kosovo und aus der Türkei.

Angesichts der sprachlichen und kulturellen Vielfalt bleiben Missverständnisse nicht immer aus. "Da ist schon mal Kreativität gefragt", schmunzelt Franziska Baumann, die als Erzieherin in der Wohngruppe arbeitet: "Hin und wieder mussten wir Situationen mit verschiedenen Rollen vorspielen, um Konflikte aufzudecken und zu lösen". Andy, Abebe und Mohamed zeigen auf der Weltkarte, wo sie geboren wurden.

Fußball verbindet

Unterschiedlich ist aber nicht nur die Sprache, sondern auch das Essen. Abebe berichtet, das Essen in Äthiopien sei sehr scharf, und Mohamed kennt es von seinem früheren Zuhause, mit der rechten Hand die Speisen aufzunehmen und zu essen. Etwas Verbindendes stellt die Leidenschaft für Fußball dar – alle drei jungen Männer sind begeisterte Fußballfans und kicken aktiv mit in der Fußballgruppe von Regens Wagner Zell. Mohamed möchte nach der Berufsschule in Hilpoltstein nach München in das Berufsbildungswerk für Hörgeschädigte wechseln und dort eine Ausbildung im Bereich Metallbearbeitung absolvieren. Andy wird im Herbst in der Werkstatt in Zell im Berufsbildungsbereich anfangen.

Auf die Frage, was ihm denn an Deutschland am besten gefällt, wird Mohamed nachdenklich und gebärdet dann: "Alle Menschen hier in Hilpoltstein sind sehr nett und freundlich und für mich ist das Schönste hier in Deutschland die Ruhe und der Frieden nach dem Krieg in Syrien".

hiz E-Mail

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Hilpoltstein