Montag, 16.12.2019

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Darfs vielleicht eine Sattelzugmaschine von 1968 sein?

Außergewöhnlich große und schwere Oldtimer warten auf einen neuen Besitzer. - 17.11.2019 12:01 Uhr

Wuchtig schaut er aus, der Faun „F6083/42K“ von 1968. Die Restauration dauerte mehrere Jahre, heute steht der Wagen in Nürnberg. Das Foto entstand bei einem Oldtimertreffen 2013 in Wörnitz. © Archivfoto: Martin Regner


Die vier historischen Lkw gehören Rolf Janker aus Freystadt in der Oberpfalz. Zwei davon stehen im Moment bei einer Nutzfahrzeugwerkstatt in Thalmässing im Landkreis Roth, die beiden anderen in einer Halle in Nürnberg-Buch. Rolf Janker ist mit Leib und Seele Sammler. Neben rund 2000 Modellautos, die er wie seinen Augapfel hütet, hat er im Laufe seines Lebens eine beachtliche Sammlung historischer Nutzfahrzeuge aufgebaut.

Windschutzscheibe einzeln nachgefertigt

"Wissen Sie, ohne Dieselgeruch konnte ich einfach nicht leben", sagt Janker dazu. Seinen ersten Oldtimer-Lkw schaffte er ungefähr rund um das Jahr 1970 an. "Da habe ich die Dachdeckerei von meinem Vater in Nürnberg übernommen", erinnert er sich. An seine erste große Restauration wagte sich der Freystädter vor rund 25 Jahren bei einer heute weiß-rot lackierten Sattelzugmaschine. Die stammt von dem ehemals in Nürnberg ansässigen Hersteller Faun und aus dem Baujahr 1968: "Den Faun habe ich von einem Bekannten aus Bochum bekommen. Der stand da bei einem Kohlehändler ungenutzt in der Halle".

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"Die großen Sieben": Laster-Legenden aus Deutschland

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Die Sattelzugmaschine wurde mit Hilfe einer Thalmässinger Lkw-Werkstatt komplett in alle Einzelteile zerlegt und nach und nach wieder zusammengebaut. Ersatz für die gesprungene Windschutzscheibe war nicht mehr zu bekommen. "Die haben wir dann als Einzelstück nachfertigen lassen", erklärt der stolze Besitzer. Die Arbeiten zogen sich über die Jahre hin: "Das hat nicht pressiert. Immer, wenn ich ein bisschen was gespart hatte, habe ich wieder was ins Auto investiert." Nach der Fertigstellung wurde der wuchtige Sattelzug erstmals im Jahr 2013 beim Alt-Lkw-Treffen in Wörnitz der Fangemeinde für historische Nutzfahrzeuge präsentiert.

Drei Gründe für das Ende

Jetzt wird der Wagen zum Verkauf angeboten. Genau wie ein blauer Rundhauben-Lkw der Ulmer Marke Magirus-Deutz aus dem Baujahr 1961 und einer ebenfalls blauen Sattelzugmaschine von Büssing aus Braunschweig, gebaut anno 1970. Auch zu dem blauen Büssing gibt es eine Geschichte: "Den habe ich drei Jahre lang im Auge gehabt", erinnert sich Rolf Janker, "aber der Besitzer wollte sich nicht davon trennen."

Doch irgendwann war es dann soweit: Das betagte Fahrzeug wechselte den Besitzer. Und immer, wenn sich Rolf Janker über etwas ärgern musste oder gestresst war, drehte er zur Entspannung eine Runde im Büssing: "Das hat mir immer Spaß gemacht. Das ist für mich wie Urlaub." Doch warum kommt jetzt das per Brief angekündigte Ende der Sammlung? Dafür gibt es drei Gründe, erklärt Janker: "Ich bin jetzt 68 Jahre alt geworden. Da muss man dann auch mal ans Aufhören denken." Seine Dachdeckerei in Nürnberg-Buch hat er gerade aufgegeben. Jetzt muss die Lagerhalle dort geräumt werden. Und das heißt: Der Faun und der Magirus-Deutz verlieren ihr Dach über dem Fahrerhaus.

Der Büssing „Burglöwe 55 K“ von 1961, der in Thalmässing besichtigt werden kann, befindet sich noch im originalen Fundzustand. Zur Restauration kommt Rolf Janker wohl nicht mehr. © Foto: Reinhard Schmidt


Und hier kommt Grund Nummer zwei ins Spiel. Eine alternative Unterstellmöglichkeit bei sich daheim rund um Freystadt hat Janker intensiv gesucht, aber nicht gefunden: "Da war nix zu wollen." Und dann gibt es noch einen, ganz persönlichen Grund: "Vor zwei Jahren ist meine Lebensgefährtin krank geworden. Die liegt jetzt im Pflegeheim in Nürnberg und ich fahre jeden Tag hin. Da fehlt mir für das Hobby einfach die Zeit." Und: "Der Arzt hat auch mir den Rat gegeben, kürzer zu treten."

Die Auktion findet am Dienstag statt. Mit dabei ist auch ein rostiger Büssing-Haubenwagen im von den Jahrzehnten gezeichneten Originalzustand. Den wollte Rolf Janker eigentlich auch noch schön herrichten, aber dazu wird es nun wohl nicht mehr kommen. "Ich werde schon ein paar Tränen vergießen, wenn die Autos über den Hof gehen", meint er wehmütig.

Womöglich findet sich ja ein würdiger Nachfolger für die Sammlung. Und wer weiß? Vielleicht bleibt der in Franken gebaute Faun sogar hier in seiner Heimat für die Nachwelt erhalten.

Infos unter www.auktionshausweidler.de/de/termine/2019/termin-nlv-19.11.2019.php

MARTIN REGNER E-Mail

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