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Das Geheimnis um die neue Pfalzgräfin ist gelüftet

Diesmal kommt sie aus Jahrsdorf - Bislang schnitt sie Gurken für das Volk - 13.07.2019 00:01 Uhr

Die neue Pfalzgräfin kommt dieses Jahr nicht wie gewohnt aus Hilpoltstein, sondern aus dem benachbarten Jahrsdorf. Evelyn Pfeiffer freut sich schon darauf, den Vereinen und der örtlichen Blaskapelle je einen Besuch abzustatten. © Foto: Marina Hochholzner


Als sich die Tür des Hauses in Jahrsdorf öffnet, erscheint ein Mann im Flur. Es ist Michael Pfeiffer (50), der die Hand zur Begrüßung reicht. Ein neugieriger Nachbar sieht, wie er die Pressevertreter mit ihren Fotokameras und den Notizblöcken nach drinnen bittet. Sie wollen einen Beitrag über ihn machen, erzählt er ihm, weil er dieses Jahr zum zwanzigsten Mal den Pfarrer auf dem Burgfest mimt. Der Nachbar schluckt die Ausrede, Pfeiffer schließt die Tür und atmet erleichtert auf. Das war mal wieder knapp.

Pfeiffer ist Teil eines ausgeklügelten Plans, wenn man so will, einer notwendigen Maskerade. Eigentlich geht es heute nämlich gar nicht um ihn, sondern um seine Frau Evelyn. Denn die Hausfrau hütet seit Mai das wohl größte Geheimnis Hilpoltsteins: Sie ist es, die zur diesjährigen Pfalzgräfin auserwählt wurde. Eine Ehre, wie sie weiß, und zwar eine, mit der sie niemals gerechnet hätte.

Alles begann mit einem Telefonanruf. Selbst als sich die Vorsitzende des Festausschusses, Barbara Billmaier, am anderen Ende der Leitung meldete, schöpfte Pfeiffer noch keinen Verdacht. Sie engagiert sich bereits seit Jahren leidenschaftlich für das Burgfest, vermutete deshalb, Billmaier wollte mit ihr die üblichen Vorbereitungen besprechen. Doch weit gefehlt.

Immer historisch korrekt

Evelyn machte nicht nur seit Jahren die Fotos vom Fest, sondern half auch immer aus, wo sie eben gebraucht wurde. Besonders eine Aufgabe erfüllte sie dabei stets mit Hingabe: Das Schneiden der Gurken für die über 1000 Semmeln, die am Kreuzwirtskeller an die Festspieler ausgegeben werden. Jahr für Jahr, dafür kam sie extra früh zum Fest.

"Die Entscheidung war für mich letztlich klar", so Billmaier. "Evelyn hat jedes Mal ihr Herz und ihre Seele dem Fest gewidmet, außerdem kann sie sich mit der historischen Dorothea identifizieren. Und besonders erfreulich ist es, dass so auch Jahrsdorf eine Gräfin hervorgebracht hat." Die 60-Jährige ist Pflegemutter zweier Kinder, die sie und ihren Mann gerne auf das Fest begleiten. Auch Herr Pfeiffer weiß, warum seine Frau die perfekte Wahl ist: "Endlich haben wir mal eine Gräfin, die keine Angst vor Pferden hat!", sagt er lachend.

Außer dem Ehegatten und Billmaier gibt es nur noch eine weitere Eingeweihte in das gräfliche Geheimnis: Christine Kronast, die neue Leiterin der Kleiderkammer Hilpoltstein. Sie bewahrt das Kleid der Pfalzgräfin auf und stellt sicher, dass die edle Robe auch der bereits 78. Pfalzgräfin passt.

Heimliche Einkäufe

"Das Geheimnis zu hüten stellt einen in einer Kleinstadt wie Hilpoltstein vor ungeahnte Herausforderungen", gesteht Evelyn Pfeiffer. Als Pfalzgräfin muss sie die 15 Vereine des Ortes und die Blaskapelle mit Speis und Trank verpflegen. "Seit Wochen kaufe ich dafür immer wieder kleinere Menge Getränke, die wir hier im Haus bunkern", berichtet sie. "Manchmal fahre ich sogar in den Nachbarort zum Einkaufen, damit niemand etwas mitbekommt. So große Mengen würden die Nachbarn misstrauisch machen. Aufrecht erhalten konnte sie die Scharade nur mit Hilfe ihres Mannes, der die Geschichte mit dem Report zum Pfarrers-Jubiläum schauspielerte, wann immer jemand in ihrem Umkreis Verdacht schöpfte. Somit lenkte der Feuerwehrler die Aufmerksamkeit weg von seiner Frau.

Nun ist ihr großes Geheimnis gelüftet, die Pfalzgräfin präsentierte sich gestern beim Burgfestkränzchen ihrem Volke, ließ sich bejubeln und feiern. "Am meisten freue ich mich schon auf das Festspiel", verkündet sie. "Aber auch als leidenschaftliche Tischtennisspielerin kann ich es kaum erwarten, meine Tour durch die Vereine zu machen." Als Pfalzgräfin gehe man schließlich mit ganz anderen Augen durch Hilpoltstein – selbst, wenn man zunächst inkognito unterwegs ist. "Früher habe ich oft aus Spaß einen Knicks vor den ehemaligen Pfalzgräfinnen gemacht, wenn ich sie in der Stadt traf. Aus Ehrfurcht und aus Spaß", meint Evelyn. Jetzt ist sie es, vor der man sich verneigt.

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Die Pfalzgräfin Dorothea Maria hatte sich nach dem Tod ihres Gatten die Burg in Hilpoltstein als Witwensitz auserkoren. Bei ihrem Einzug in die Stadt wurde sie damals unter Beifall empfangen - und sie wird es heuer, dargestellt von Bianka Luft, auf dem Festspiel beim alljährlichen Burgfest immer noch.


MARINA HOCHHOLZNER E-Mail

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