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Sonntag, 25.08.2019

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Dem Burgfest treu: Ohne Personal läuft beim Frühschoppen gar nichts

Viele sind seit über zehn Jahren dort im Dienst - 06.08.2019 06:02 Uhr

Drei, zwei, eins: Ansturm! Pünktlich um 7 Uhr beginnt das Rennen um den besten Platz im Festzelt. In diesem Jahr war der Andrang allerdings „überschaubar“. © Foto: Marco Frömter


Es ist einfach ein "schönes Fest", ein echtes Highlight im Kalender. In der Region unvergleichbar, und etwas "ganz Besonderes". So sprechen nicht etwa schunkelnde Jugendliche, die auf einer Bierbank zusammen stehen, jeder mit Krug in der einen und Smartphone in der anderen Hand. Sondern die beiden Polizeibeamten, die am Burgfestmontag im Dienst sind: Wenn sie von ihrer Arbeit erzählen, könnte man meinen, sie wären nirgendwo lieber als hier.

Und so ist es auch. Tatsächlich hat sich Stefan Tischler extra für diesen Einsatz einteilen lassen. Und Nina Knoll, seine Kollegin, ist zwar im ersten Jahr dabei – aber kommt seit 16 Jahren privat auf das Fest. Jetzt beugt sie sich zu ihren Freundinnen hinab, um sie zu umarmen, ein Kumpel im blau-weißen Karo-Hemd fragt neckend: "Heute in Uniform?"

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Mit Liebe bei der Arbeit: Das Personal beim legendären Frühschoppen

Sie zapfen, ermahnen und zeigen Präsenz: Viele der Mitarbeiter auf dem Burgfest sind seit Jahren dabei. Auch für sie ist der Burgfest-Montag "legendär" - Gerade deshalb kommen sie seit Jahren wieder, sind zum Teil über 15 Jahre dabei. Das ist das Personal beim Burgfest.


Beide Polizisten sind begeistert von der Atmosphäre am Burgfest. Denn auch wenn viel getrunken wird, sind alle "tiefen-entspannt". Schlägereien und Diebstähle, bei denen die beiden aktiv werden müssten, kommen so gut wie gar nicht vor.


Zeltsturm am Burgfest-Montag 219: Das Video


"Im Gegenteil", erklärt Knoll, "die Leute bringen uns viele Sachen – Geldbeutel, Führerscheine, EC–Karten, die im Geldautomaten vergessen wurden – weil sie das irgendwo gefunden haben." Sie sind einfach ehrlich.

In diesem Jahr "überschaubar"

Der diesjährige Ansturm aufs Festzelt um Punkt 7 Uhr war "überschaubar", sagen sie. Das ist die "Ruhe vor dem Sturm", meinen die Kellner nur. Sie sitzen in ihren zünftigen Kleidern auf zwei Bierbänken im hintersten Eck des Zeltes – und vertilgen gemütlich ein Weißwurstfrühstück. Stress bei der Arbeit? Fehlanzeige.

Zunächst stürmten die Massen herein, dann schleppten sie erst einmal 14 Bierkrüge auf einmal zu jedem Tisch. Aber kaum sind alle versorgt, ist Zeit für eine Verschnaufpause. In bester Gesellschaft, denn die Kellner kennen sich alle seit Jahren. Man muss irgendwie der Typ dafür sein, geben sie zu. Zwar ist mal jemand ein Jahr dabei, aber viele kommen nicht wieder. Die Mannschaft, die hier zusammensitzt, ist "der harte Kern".

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Auf die Plätze, fertig, los! Ansturm auf's Festzelt am Burgfest-Montag 2019

Ist es nicht der beste Morgen des Jahres? Aber sicher! Am Burgfest-Montag pilgern traditionell die Massen zum Festzelt. Ab 5 Uhr morgens bildet sich eine Schlange vor dem Zelt, um 7 Uhr wird es geöffnet. Dann heißt es: Jagd auf den besten Tisch!


Vielleicht liegt es aber auch in der Familie. Franz und Thomas Eckert stammen aus Greding und sind Brüder. Seit 14 beziehungsweise 16 Jahren stehen sie Jahr für Jahr in bequemen Schuhen im Festzelt und lassen den Wahnsinn mit Freude über sich ergehen. Das ganze Wochenende verbringen sie mit Bierkrügen in der Hand und einem Lächeln auf den Lippen, das gar nicht so müde wirkt. Zuhause führen sie eine Wirtschaft, "da passt des irgendwie zam", sagt Franz. "Und des is mei Bua", sagt Tom, er winkt seinem Sohn Christopher, der seit kurzem auch bei der Veranstaltung mitarbeitet. Die übrigen Kellner sind alle seit vielen, teilweise über zehn Jahren dabei. Der Grund? Spaß und Trinkgeld.

Man spürt die Euphorie

Im Vergleich zu den anderen Kirchweihen und Volksfesten, in Schnepfenreuth oder Allersberg etwa, sei das Burgfest "einfach einmalig". Denn: Die Stimmung ist friedlich, die Menschen freundlich und die Euphorie der Hilpoltsteiner springt auch auf das Personal über.

Das ist auch bei den Sicherheitskräften der Fall, etwa bei Martin Hettel. Er ist extra aus Fulda hergekommen, sie haben alle schon am Vorabend direkt vor dem Festgelände im Auto geschlafen. Klingt eigentlich nicht so spaßig, könnte man meinen, aber das ist es, sagt er.

Extra Urlaub genommen

"Ich habe mir sogar extra Urlaub hierfür genommen", erklärt Hettel lachend. Im Festzelt für Ordnung zu sorgen, macht Spaß, denn die allgemeine Stimmung ist toll, die Leute sind gut gelaunt und nicht aggressiv.

Natürlich gibt es hin und wieder eine Rangelei oder jemanden, der sich daneben benimmt, aber die meisten ließen mit sich reden.

Morgen, sagt Hettel, "wartet wieder die Normalität, der langweilige Bürojob." Seinen Unmut können wohl viele Hilpoltsteiner nachvollziehen, die am Montagvormittag ein letztes Mal Richtung Festzelt pilgern. Denn: Burgfest ist nur einmal im Jahr. Und jeder will "hier einfach Spaß haben", selbst das Personal.

 

LIDIA PIECHULEK E-Mail

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