Donnerstag, 09.04.2020

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Der Hilpoltsteiner Brauchtumsumzug steht in den Startlöchern

Schaurig-schöner Brauchtumszug schlängelt sich am 26. Januar durch Hilpoltstein. - 11.01.2020 14:03 Uhr

Auch der "Löll" wird in Hilpoltstein wieder sein Unwesen treiben. Der Strohbär symbolisiert den Winter und wird von den Flecklasmännern peitschenknallend ausgetrieben. © Marco Schade


Der 3. Februar 2019 wird Katrin und Marc Schade, die treibenden Kräfte des Vereins "Hilpoltsteiner Flecklasmänner", noch lange in Erinnerung bleiben. In doppelter Hinsicht: Erstens konnte sich das Paar damit rühmen, den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder als Ehrengast für den 5. Hilpoltsteiner Brauchtumsumzug gewonnen zu haben. Und zweitens war just dieser 3. Februar "der schlechteste Tag des ganzen Jahres!", ärgert sich Marc Schade noch immer, wenn er an den Brauchtumsumzug vor knapp einem Jahr denkt.

Söder in der Lederjacke

"Vor und nach dem Umzug hat die Sonne geschienen", meint Flecklasmo Schade. Aber ausgerechnet, als der Ministerpräsident sich vom Volk huldigen lassen wollte, setzte heftiges Schneetreiben ein, das so manchem den Spaß am Umzug der Narren genommen habe.

Trotz des Auftritts von Markus Söder, der in legerer Lederjacke und mit Hut erschien, wies der Hilpoltsteiner Marktplatz als bester Beobachtungsort des Zuges noch erkennbare Lücken auf. Was die Hilpoltsteiner Zeitung am Montag, 4. Februar, zu dem Schluss führte, dass bei der fünften Auflage des Brauchtumsumzuges "vermutlich deutlich weniger Schaulustige als sonst das bunte Treiben der 30 Gruppen aus nah und fern verfolgten". Schade! Im wahrsten Sinne des Wortes.

"Wir hoffen jetzt für den 26. Januar", so Marc Schade, "auf gutes Wetter." Denn am letzten Sonntag im Januar schlängelt sich der Zug von unwirklich wirkenden Fratzen und Larven wieder durch die Hilpoltsteiner Altstadt. Eigentlich sehr zur Freude von Jung und Alt – wenn es nicht wieder so "saut" wie im vergangenen Jahr.

29 Gruppen werden sich heuer am Zug beteiligen, erklärt Vereinsvorsitzende Katrin Schade, davon sind zwei aus Österreich: die "Freistädter Stoateifin" sowie die "Kapfenberger Burgteufel". Beide Gruppen bestehen aus gruseligen Gestalten.

Teufel und Füchse

Aber auch die anderen Teilnehmer können sich sehen und hören lassen. Schwerpunktmäßig aus dem Süden und Südwesten der Republik stammen sie und tragen Namen wie "Grainauer Maschkara", "Anima Veritatis" oder "Mönchswaldfüchse".

Aber auch wohlklingende Namen aus der Region sind vertreten: die "Brombachseer Seenteufel", die "Gredinger Pumpernickel" oder die "Spalter Fleckli". Und ganz neu aus Schwabach die "Schwabanesendamenhexenweiber". Wer sich beim Lesen Zeit lässt, enträtselt bald, wer sich hinter den Masken verbirgt. Übrigens wird auch der "Löll" in Hilpoltstein sein Unwesen treiben. Der Strohbär symbolisiert den Winter und wird von den Flecklasmännern peitschenknallend ausgetrieben, ist in der Programmbroschüre für den Zug 2020 zu lesen.

222 Jahre nach dem Verbot dieser Figur durch das Bistum Eichstätt ist er seit 2015 wieder fester Bestandteil des Hilpoltsteiner Faschingstreibens. Seit 2015 seien der "Löll" und die Flecklasmänner also wieder vereint, geht der Text im Programmheft weiter.

Etwas Wehmut ist dabei

Mit den Anzeigen in diesem Heft finanziert der Verein "Hilpoltsteiner Flecklasmänner", der stets auf Nachwuchssuche ist, übrigens seinen aufwendigen Brauchtumsumzug, der heuer neben all der Narretei auch etwas Wehmut verbreitet. Denn wenn am Sonntag, 26. Januar, 14 Uhr, der Startschuss für den Faschingswurm ertönt, wird einer der ganz großen Hilpoltsteiner Faschingsfiguren fehlen: Das Hilpoltsteiner Faschingsoriginal schlechthin, Karl Brunner, jahrzehntelang die Personifizierung des Flecklasmos, starb Anfang September vergangenen Jahres im Alter von 91 Jahren.

Endet damit auch das lustige Treiben am "Unsinnigen Donnerstag" an der Hilpoltsteiner Grundschule, wo Karl Brunner zusammen mit seinen Söhnen Karl-Heinz und Josef, "Zuckerbrot und Peitsche" einsetzte? "Keinesfalls", betont Marc Schade.

Auch wenn mit Karl-Heinz Brunner der zweite Flecklasmo aus dem einstigen Trio aus gesundheitlichen Gründen passen muss, steht Josef nicht im Regen. "Er hat uns um Unterstützung gebeten und die werden wir ihm auch geben", so Marc Schade. Und zwar sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag des Unsinnigen Donnerstages, wenn die Kinder den Flecklasmo bei ihm zu Hause in der Sternsingerstraße abholen. Flecklasmänner sind halt solidarisch.

HARRY RÖDEL E-Mail

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