Samstag, 07.12.2019

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Duschen mit dem Bambusrohr und Berge aus Plastik

Miriam Schlerf aus Heideck reiste nach Papua-Neuguinea. Dort sind die Kirchen voll. - 04.12.2019 16:04 Uhr

Gruppenbild mit den Gastgebern aus Papua Neuguinea. Die Heideckerin Miriam Schlerf zeigte sich vor allem von der tiefen Gläubigkeit der Insulaner begeistert. Und: Auf ihrer Reise habe sie „keinen einzigen tieftraurigen Nugini getroffen.“ © Foto: Dekanat Weißenburg


Die 20-jährige Abiturientin will beruflich in einer Position arbeiten, in der Austausch mit anderen Kulturen zum täglichen Brot gehört – beispielsweise als Konsulatssekretärin im gehobenen Dienst. Von ihren Erfahrungen aus PNG, wie die Halbinsel am anderen Ende der Welt gerne abgekürzt wird, lässt sich da profitieren. Erfahrungen, die zu machen man erst einmal bereit sein muss: Selten Strom, kein heißes Wasser und eine Dusche, die aus einem Bambusrohr besteht, das einen Fluss anzapft und die auch für den Abwasch herhalten muss. Oder ein WC, das aus einem Loch im Boden und einer kleinen Hütte drum herum besteht – alles Alltag in dem fernen Land.

Verwurzelung im Glauben

Ebenso wie patriarchalische Strukturen, die im täglichen Leben ins Auge stechen. Da gibt es zum Beispiel sehr schmucke und häufig selbstgefertigte Taschen: "Die kleinen für die Männer, die großen für die Frauen", erinnert sich Schlerf. Die Lastenverteilung wird hier ganz offensichtlich deutlich. Allerdings gibt es parallel dazu vereinzelt auch matriarchalisch geführte Dörfer; einem davon stattete die Delegation einen Besuch ab. Bewundert hat Schlerf die tiefe Verwurzelung der Nuginis in einem christlichen Glauben, den einst Missionare aus unserer Region auf dem Inselstaat verbreiteten. "Dort kennt man jedes der Kirchenlieder auswendig", zu denen sich im Laufe der Zeit immer mehr eigene dazu gesellt haben.

Es sei wohl der Wohlstand in Deutschland, der hier einem tieferen Glaubensleben oft im Wege stehe: "Uns geht es einfach zu gut!", meint Schlerf. Während hierzulande die Kühlschränke voll sind, sind es in Papua Neuguinea die Kirchen. Die Kehrseite: Materielle Nöte dort, seelische Nöte hier. Dass Depressionen in Deutschland auf dem Vormarsch sind, kommt laut der Heideckerin nicht von ungefähr, hingegen habe sie auf ihrer Reise "keinen einzigen tieftraurigen Nugini getroffen."

Berge aus Plastik

Auch in unseren Breitengraden könne der Glaube eine große Hilfe sein. Wenn er denn den Menschen wieder lebensnah erscheint: "Aber da gibt es gute Ansätze – wie etwa das Konfi Camp." Zentrale Inhalte sollten wieder verstärkt vermittelt und die Scheuklappen vor anderen Instrumenten außer der Orgel abgelegt werden, regt sie an.

PNG konnte aus Schlerfs Sicht sehr mit seinen Reizen punkten: Wenn eine christliche Jugendkonferenz, eine der großen Höhepunkte der Reise, am Strand abgehalten wird und mit einer Sonnenaufgangsandacht beginnt, sehne man sich nach der Südseewelt. Doch die hat im Gegenzug ganz handfeste Probleme: zum Beispiel menschlichen Müll. "Vor allem an den Stadträndern türmen sich Berge aus Plastik", bedauert Schlerf. Bei ihrem Besuch lernte sie aber auch die andere Seite kennen: "Die Dörfer sind absolut sauber". Was zum einen an der ausgeprägten Nutzgartenkultur liege. Klimaneutral werde hier alles direkt vor Ort verarbeitet und so falle erst gar kein Müll an. Und wenn doch, "wird er vielleicht vergraben", mutmaßt die 20-Jährige.

Generell aber gelte: "Was dem Deutschen seine Arbeit bedeutet, bedeutet dem Nugini sein Garten". Natürlich arbeiten auch sie, etwa im Vanille- und Kaffeeanbau. Sie selbst begnügen sich mit löslichem Kaffeepulver. Denn viel Geld bekommen die Nuginis für ihre harte Arbeit nicht. 

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