Klimaschutz

Fridays for Future: Hilpoltsteiner radeln für die Verkehrswende

20.7.2021, 12:05 Uhr
Für umweltbewusste Fortbewegung machten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fridays-for-Future-Demonstration stark und traten selbst kräftig in die Pedale.
 

Für umweltbewusste Fortbewegung machten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fridays-for-Future-Demonstration stark und traten selbst kräftig in die Pedale.   © Christoph Raithel

„Abgase strömen gegen den Himmel. Kommend aus Kraftwerken, Kohle verbrennen – Merkt denn keiner, dass wir gegen Sackgassen rennen?“ mit einem mehrseitigen, selbstgeschriebenen Gedicht war es Johanna Pille vom Hilpoltsteiner Ableger der Fridays-for-Future-Bewegung, die die rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fahrraddemo auf dem Altstadtring zum Abschluss der Veranstaltung noch einmal poetisch aufrütteln wollte. Dem Aufruf zur Demo waren Freitag etliche Familien, Kommunalpolitikerinnen und -politiker, aber auch die Radfreunde Hilpoltstein gefolgt.

Zuvor zeigten die Klimaschützer auch in ihren Reden und auf ihren T-Shirts, worum es ihnen mit ihren Aktionen geht.

Zuvor zeigten die Klimaschützer auch in ihren Reden und auf ihren T-Shirts, worum es ihnen mit ihren Aktionen geht. © Christoph Raithel

Die Radfreunde waren nicht nur personell vertreten, sondern statteten die Jugendlichen auch mit Motto-Shirts aus, auf denen „Du kannst auch Fahrrad fahren“ prangt. Bei den Ansprachen vor der Residenz Hilpoltstein zu Beginn der Demonstration ging es nicht nur um die Mobilitätswende, vielmehr stand der Klimaschutz generell im Fokus. Der Klimaschutz müsse, für die Zukunft der Kinder und Enkel, in den Mittelpunkt rücken, forderte Helmut Beran vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Arten- und Klimaschutz dürfen sich nicht gegeneinander ausspielen lassen.

Beran warb für mehr Bewusstsein bei den Themen Konsum, Ernährung und Verkehr. Die Klimaschutzgesetze seien dabei „ein Zeichen von Mutlosigkeit“, wirft Beran der Bayerischen Staatsregierung vor. Das Erreichen der Pariser Klimaziele sei damit nicht möglich und das, während gleichzeitig Millionenbeträge an die bayerischen Flughäfen gingen. Wenn die Bundeskanzlerin sagt „Politik ist, was möglich ist“, halte er mit Blick auf den Klimawandel entgegen: „ Politik müsse das sein, was notwendig ist“. Und in dieser Hinsicht sei es eher fünf nach zwölf, als fünf vor zwölf, um etwas zu tun. Kinder und Jugendliche, so Beran, hätten Angst vor der Zukunft; er fordert daher eine sofortige Klimagerechtigkeit.

"Erschüttert, sprachlos und wütend"

Rad-Parkplatz vor der Hilpoltsteiner Residenz: Die Fortbewegungsmittel der Klimaaktivisten brauchen weder fossile Brennstoffe, noch allzuviel Platz in der Stadtmitte.

Rad-Parkplatz vor der Hilpoltsteiner Residenz: Die Fortbewegungsmittel der Klimaaktivisten brauchen weder fossile Brennstoffe, noch allzuviel Platz in der Stadtmitte. © Christoph Raithel

„Wie geht es euch denn, wenn ihr die Bilder aus der Eifel seht?“ fragte Helmut Lorenz vom Energiebündel Roth-Schwabach. Erschüttert und sprachlos sei er angesichts des Ausmaßes und zugleich wütend, wenn er bedenke, wie langsam und mit wie vielen bürokratischen Hürden dem Klimawandel begegnet werde. Das Wissen und die Technik sei vorhanden, man müsse nur etwas tun. Im Baubereich müssten, so Lorenz, höhere Standards gesetzt werden, bis hin zum verpflichtenden Passivhausstandard und einer solaren Baupflicht, also der verbindlichen Installation von Photovoltaikanlagen auf Dachflächen. Elektrifizieren statt Verbrennen laute die Devise. Naturwissenschaft sei nicht verhandelbar, das wolle die Politik aber nicht verstehen. Er sei den Jugendlichen daher dankbar, dass sie für ihre Zukunft einstünden – „Verstärkt eure Aktivitäten!“

Mit den drei Schritten Kohleausstieg in der EU, der Verkehrswende und der Dekarbonisierung der Industrie wollen die Europäischen Grünen den Klimaschutz fit für das 1,5-Grad-Ziel machen, wie Ingrid Karg aus Büchenbach erläuterte. Für die Grünen-Gemeinderätin ist klar: Das Klima steckt nicht in der Krise, es sei vielmehr bereits eine Katastrophe. Sie rief daher dazu auf, jetzt Mehrheiten für den Klimaschutz in den Kommunen, bayernweit und in ganz Deutschland zu bilden.

Ein Ziel, dem sich Helmut Neuweg bereits Mitte der 1980er Jahre verschrieben hatte. Seitdem hält er Vorträge zum Klimaschutz und wirbt in weiterführenden Schulen um das Bewusstsein der Jugendlichen. Dem CSU-Kreisrat gehe es dabei nicht darum, jemanden etwas vorschreiben zu wollen, vielmehr setze er darauf, selbst Vorbild zu sein. Seine Ernährung versuche er, soweit es geht, CO2-frei zu halten und auch bei der Mobilität habe er dieses Ziel. Als leidenschaftlicher Fahrradfahrer, aber auch als kommunaler Radverkehrsbeauftragter sei er daher dem Hilpoltsteiner Stadtrat und der Verwaltung dankbar, dass viel für die Radinfrastruktur getan werde. Er freut sich aber auch über die Jugendlichen, die sich bei Fridays for Future engagieren – „endlich sind welche da, die sich jung politisch engagieren“.

Mit Polizeie-Eskorte ging es anschließend zur Fahrraddemo auf den Altstadtring, vorbei an vielen neuralgischen Punkten, wie der Kreuzung mit der Heidecker Straße oder die Einmündung der Industriestraße. Über die Freystädter und die Johann-Friedrich-Straße fand der Korso sein Ende dort, wo er begonnen hatte, zwischen Residenz und Rathaus. Zuletzt gab Johanna Pille den Teilnehmenden mit den letzten Zeilen ihres Gedichts mit auf den Weg: „Wir müssen jetzt etwas tun! Um zu retten, was zu retten ist! Um zu ändern, was zu ändern ist!“

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