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Mittwoch, 16.10.2019

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Hilpoltsteiner Schauspielführung: Ein Publikumsrenner

Nach der 90-minütigen Aufführung hagelte es einen lang anhaltenden Applaus - 23.09.2019 11:12 Uhr

Das Interesse der Bevölkerung war groß. Insgesamt wurden den Zuschauern vier verschiedene Szenen im Stadtgebiet geboten. Beginn war natürlich auf der Burg. © Foto: Yevheniia Frömter


Eine zittrige Hand hat dem Henker zu allem Überfluss das Alter beschert. Beinahe könnte man mit dem armen Kerl Mitleid bekommen, der sich mit einem Stamperl Schnaps seine Zittrigkeit heilt. "Ein Henker braucht ruhige Hände." Nur so könne er eine saubere Arbeit garantieren, erklärt der berufserfahrene Scharfrichter, während er die biblische Schöpfungsgeschichte studiert. Dabei gönnt er sich für jeden Tag der Schöpfung ein weiteres Gläschen: "Und Gott sah … mei’ is der guad."

Alles wahre Begebenheiten

Eine Geschichte, die sich wirklich einmal in Hilpoltstein zugetragen habe, erklärt Manfred Seitz. Die Rolle des Henkers sei ihm wie auf den Leib geschrieben, lacht er. Sein Publikum hat diese Selbsteinschätzung bei der Premiere der "Hilpoltsteiner Schauspielführung" jedenfalls bestätigt. Nach der 90-minütigen Aufführung hagelte es einen lang anhaltenden Applaus und laute Bravos für Seitz und seine acht Schauspielkollegen. Der ambitionierte Schauspieler sparte ebenfalls nicht mit seinem Lob: "Ich bin eigentlich schon als ein bisschen streng bekannt, doch ich muss zugeben, dass meine Mannschaft wirklich gut gewesen ist. Ich bin stolz auf euch."

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Bei der Schauspielführung durch das alte Hilpoltstein wurde das Publikum mitgenommen in die Zeit der Hilpolte, von denen die Stadt ihren Namen hat. Mit dabei: Ein Henker, der erzählt, warum er ruhige Hände braucht. Auch durften die Anwesenden mit ansehen, wie es wohl anno 1634 bei einer Hilpoltsteiner Stadtratssitzung zuging.


Besonders erfreut war Seitz, dass weit über 200 Zuschauer zu "seiner großen Premiere" ihren Weg zur Hilpoltsteiner Burg fanden. "Damit hat keiner gerechnet." Vor und nach den insgesamt vier Szenen — aufgeführt an unterschiedlichen Plätzen in der Hilpoltsteiner Innenstadt — informierte Seitz mit allerhand Wissenswertem aus der Stadtgeschichte. "Auch wenn die Darbietungen teilweise sehr lustig sind, waren die tatsächlichen Gegebenheiten alles andere, als zum Lachen."

Die erste Szene auf der Burg widmete sich der "Zeit der Hilpolte" – etwa im 13. Jahrhundert. Die Handlung beleuchtete die damalige herrschende Besitzsituation in der Burgstadt. Hilpoltstein gehörte damals dem Bischof von Eichstätt, während sich die Burg selbst auf Reichsboden befand.

Das Schauspiel widmete sich der Problematik, wem Neugeborene in Hilpoltstein nun zuzuschreiben wären. Gabi Freud und Klaus Meier sorgten dabei mit schauspielerischem Können für einen Lacher nach dem anderen: "Machet viele Kinder, dann werdet ihr nicht Hilpoltsteiner sondern bald Freudensteiner sein", so der Befehl des Bischofsekretärs. Diesem Aufruf folgten die Zuschauer allerdings nicht – die große Menschentraube pilgerte weiter in die Stadtkirche zur nächsten Szene. Dort wartete schon Pfarrer Mack (Michael Pfeiffer), der einer Räuberbraut samt Kind Kirchenasyl gewährt. Auch durften die Anwesenden mit ansehen, wie es wohl 1634 bei einer Hilpoltsteiner Stadtratssitzung zuging. Der Dreißigjährige Krieg, die Pest und viele andere Sorgen beschäftigten die Stadtherren. Trotz dieser dunklen Geschichte, gelang es den Schauspielern im Hof des Schwarzen Rosses auf lustige Art und Weise zu unterhalten.

Zum Schluss schlüpfte Manfred Seitz selbst ins Kostüm: Mit dem Stück "Albträume eines Henkers" zeigte er, was er drauf hat. Völlig alleine stellte er die zerrissene Seele des Henkers in absoluter Bestform dar. Die Zuschauer hatten fast das Gefühl, dass auch des "Henkers Weib" und das Opfer mit auf der Bühne standen. Ein Streit mit "seiner Frau" wurde ebenso authentisch aufgeführt, wie die mehr oder weniger einfühlsame Beziehung zu seinem Opfer: "Frau mach dem Gefangenen doch einen Kräutertee, der hat Halsweh." Im nächsten Satz lacht er laut: "Es wird sein letzter sein!"

Die "Hilpoltsteiner Schauspielführung" soll nicht als Eintagsfliege in die Geschichte eingehen. Seitz: "Wir werden das in ähnlicher Form im kommenden Frühjahr oder Sommer wiederholen".

MARCO FRÖMTER E-Mail

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