Sonntag, 29.11.2020

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In Hilpoltstein hat sich ein geordneter "Chaos-Treff" gebildet

Gruppierung verschafft Einblicke und sucht Lösungen bei technischen Fragen - 13.02.2020 18:06 Uhr

Heinz Tschabrun (links) und Stefan Westphalen (2. v. re.) stehen hinter dem „Chaos Treff“, der sich aus dem Repair-Café heraus gegründet hat. Hier kommen Technikbegeisterte zusammen.

13.02.2020 © Foto: Marco Frömter


Das soll in Zukunft auch so bleiben, wünschen sich Initiator Stefan Westphalen und Heinz Tschabrun aus Hilpoltstein. Ihren "ersten Fall" erledigten die Technikbegeisterten gleich binnen weniger Minuten. Ein Hilpoltsteiner Ehepaar rückte mit einer Außenkamera an. Das Problem: "Wie bekommen wir unsere Aufzeichnungen auf einen Bildschirm?" Für Westphalen eine Leichtigkeit. Mittels Beamer "zauberte" er die Videos auf den Bildschirm und gab zudem nützliche Tipps für die Anwendung der Kamera.

Das Innenleben ergründen

Zudem nutzte er die Gelegenheit und gewährte seinen Gästen einen tieferen Einblick in das Innenleben eines Computers. "Wir wollen bei unseren Treffen aber nichts reparieren", erklärte der Software-Entwickler. Sinn und Zweck der "Chaos-Treffen" sei, zusammen mit anderen Technikbegeisterten – und denen, die es noch werden wollen – beispielsweise das Innenleben eines Mobiltelefons zu ergründen. "Bei uns wird gebastelt und geschraubt."

Die Idee, einen solchen offenen Treff in Hilpoltstein anzubieten, kommt nicht von ungefähr. Der gebürtige Dortmunder informierte, dass sich "Chaos-Treffs" in ganz Deutschland organisieren würden. Nur im Landkreis Roth habe Westphalen eine entsprechende Gruppe vermisst: "Obwohl es hier viele Leute gibt, die sich so etwas wünschen." Der Weg zu bestehenden "Chaos-Treffs" in Nürnberg oder Ingolstadt sei ihm einfach zu weit gewesen – weshalb er das Projekt schließlich selbst in die Hand nahm und "Chaos" in den Landkreis brachte. Der Name hat nichts mit Durcheinander zu tun, sondern stammt vom "Chaos Computer Club": Der Verein ist eine der wichtigen Organisationen für Hacker und Technikbegeisterte in Deutschland und gibt immer wieder wichtige Hinweise zur Datensicherheit. "Wir sind alle Nerds und Computerfreaks. Es macht uns großen Spaß mit Geräten zu tüfteln", so Westphalen zum Chaos-Treff in Hilpoltstein.

Weg vom Wegwerfen

Spaß an der Sache hat auch Heinz Tschabrun: "Ich arbeite im Logistikbereich, also etwas völlig Anderes. Doch Elektronik interessiert mich sehr." Der "Chaos-Treff" soll zu einem richtigen "Hacker-Space" entwickeln. "Hacker haben einen negativen Ruf", weiß Tschabrun zu berichten. Es gelte die Auffassung, dass Hacker Passwörter stehlen und allerhand Unfug treiben würden: "Das stimmt aber nicht", beteuert er. Vielmehr würden man sich beispielsweise mit Mikrotechnik auseinandersetzen: "Wir wollen Geräten auf den Grund gehen und deren Funktion verstehen."

Dieses Wissen führe nicht zuletzt weg von der Wegwerfgesellschaft, ist sich Tschabrun sicher: "Versteht man die Elektronik, kann man Reparaturen leicht selbst in die Hand nehmen." Darüber hinaus sei geplant, über sinnvolle – und vor allem sichere – Nutzung von Social-Media-Plattformen aufzuklären. Noch ist der "Chaos-Treff" im Aufbau. Auf dem Themenplan für die nächste Zeit befinden sich jedenfalls interessante Projekte, wie der Selbstbau einer Messstation – und zwar aus einem Mikroprozessor und Wasserrohren. "Wer zu uns kommt, braucht keine Vorkenntnisse. Jeder ist willkommen", so Tschabrun.

Der nächste "Chaos-Treff" findet am 11. Februar ab 18 Uhr im Haus des Gastes statt.

Marco Frömter E-Mail

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