Dienstag, 22.10.2019

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Landkreis Roth: Schlechte Mülltrennung und ein fehlerhaftes System

Bei einer Besichtigung in Pyras werden Grenzen der Mülltrennung augenfällig - 08.10.2019 13:14 Uhr

Die Kompostieranlage Pyras: Unsaubere Trennung in Privathaushalten und vermeintlich abbaubare Bioabfalltüten machen den Biomüll teilweise unrecyclebar. © Foto: Birgit Fuchs


Plastikflut und Müllvermeidung ist in aller Munde – aber wie sieht das eigentlich im Landkreis Roth aus? Der Ortsverband der Grünen Hilpoltstein besichtigte die Umladestation und Kompostieranlage Pyras. Dort können Grün- und Gartenabfälle abgegeben werden, innerhalb von vier Wochen entsteht Kompost daraus, der wiederum erworben werden kann. Aber: Die wachsende Menge Plastik, die durch unsaubere Trennung darin landet, macht Sorgen.

Problematisch ist schon der Inhalt der Biotonnen, der so wenig sauber getrennt ankommt, dass er nicht kompostierbar ist. "Vor allem die vermeintlich biologisch abbaubaren Bioabfalltüten aus den Supermärkten bereiten uns große Probleme," sagt Ruth Röttinger, seit über 15 Jahren am Landratsamt für den Müll zuständig. "Sie sind unter den Bedingungen unserer Anlage nicht recycelbar."

Quiz: Welcher Müll gehört in welche Tonne?

Frage 1/10:

In welchen Müll gehört ein gebrauchter Pizzakarton?

Die Erklärung: Benutzten Pizzakartons haften in der Regel noch Essensreste und damit auch Fett an. Damit kann der Karton nicht mehr über das Altpapier recycelt werden und muss in den Restmüll.

Frage 2/10:

In welchen Müll gehören Spraydosen mit dem grünen Punkt?

Der Grüne Punkt ist ein geschütztes Zeichen, das für die Teilnahme des Verpackungsherstellers an dualen Sammel- und Verwertungssystemen steht. Hat eine Spraydose das Symbol nicht, dann wäre sie ein Fall für den Sondermüll.

© Manuela Meyer

© Manuela Meyer

Frage 3/10:

In welchen Müll gehört ein benutztes Papiertaschentuch?

Benutzte Papiertaschentücher können nicht mehr recycelt werden, darum scheidet das Altpapier aus. Im Biomüll sollten sie nicht landen, da Krankheitserreger daran haften könnten. Damit bleibt noch der Restmüll.

Frage 4/10:

In welchen Container gehört blaues Glas?

Blaue und übrigens auch rote Flaschen gehören in den Container mit Grünglas, denn Grünglas kann den größten Anteil an Fremdfarben aufnehmen. Generell ist die Farbtrennung beim Glas sehr wichtig, denn nur so lässt sich Glas einer bestimmten Farbe wiederherstellen.

Frage 5/10:

In welchen Müll gehört Tierkot?

Asche, Tierkot, Staubsaugerbeutel oder behandelte Hölzer gehören grundsätzlich in den Restmüll.

Frage 6/10:

Wohin mit CDs?

CDs bestehen wie DVDs zu großen Teilen aus Polycarbonat, das gut recycelbar ist. Einige Wertstoffhöfe, aber auch Elektromärkte sammeln alte CDs und DVDs. Zur Not kann die CD auch über den Restmüll entsorgt werden.

Frage 7/10:

Wohin mit Konservendosen?

Metallverpackungen wie auch Alufolie gehören in den gelben Sack oder in die gelbe Tonne.

Frage 8/10:

In welchen Müll gehört Backpapier?

Es heißt zwar Papier, muss aber in den Restmüll. Denn es ist mit einem Material beschichtet, das wasserabweisend ist - und somit nicht recyclebar.

© S. Schmid

© S. Schmid

Frage 9/10:

Wo sollte ein Kassenbon landen?

Kassenbons bestehen aus sogenanntem Thermopapier, das mit der Chemikalie Bisphenol A beschichtet ist. Sie sollten nie ins Altpapier gelangen, sondern über den Restmüll entsorgt werden.

Frage 10/10:

Wo gehören Kaffeefilter hin?

Kaffeefilter gehören in den Biomüll. Sie sind klassischer Bioabfall.

Lust auf ein weiteres Quiz?

Dann hier entlang!

Kritisch ist demnach auch der Gelbe Sack, der Verpackungsmüll. Seit zwei Jahrzehnten soll dessen Anteil am Hausmüll reduziert werden. Doch: "Die Menge der Gelben Säcke ist seit ihrer Einführung kontinuierlich gestiegen. Erst die Aktivitäten von ‚Fridays for future‘ in den vergangenen Monaten haben zu einer Stagnation geführt", so Michael Handl, Ansprechpartner für den Gelben Sackbei Hofmann.

Nach Aus für Gelben Sack: In Nürnberg droht Tonnen-Ärger

Mit der Einführung des Dualen Systems sollten Produzenten von Verpackungsmüll gezwungen werden, diesen nach dem Verursacherprinzip wieder zurückzunehmen und ordentlich zu recyceln. Dies übernehmen Entsorger, unter denen ein harter Wettbewerb um Anteile an Müllberg herrscht. So fahren in Pyras täglich verschiedene Lastwägen vor, um ihren jeweiligen Anteil an Verpackungsmüll abzuholen und zu eigenen Sortieranlagen in Hessen oder Baden-Württemberg zu fahren – womit das Landratsamt oder die Firma Hofmann keinen Einfluss mehr hat. Der Ort, an dem Recycling stattfindet, ist gesetzlich nicht festgelegt. So ist es möglich, dass Teile unseres Hausmülls etwa in Malaysia oder auf den Malediven landen.

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Plastik, nein danke! Zehn Alternativen für ein Leben ohne Kunststoff

Knapp 25 Kilo Plastikmüll hinterlässt jeder Deutsche im Jahr. Lediglich aus der Hälfte dessen, was im gelben Sack landet, entstehen neue Produkte. Der Rest wird verbrannt und belastet unsere Umwelt. Allerdings kann jeder dazu beitragen, dass weniger Plastikmüll anfällt. Welche plastiksparenden Alternativen es gibt, verraten wir hier!


Das System des Elektroschrotts ist ebenfalls problematisch: Statt eines Zwanges, die eigenen Geräte zurückzunehmen, und so einen Anreiz zu haben, diese recycelbar zu konstruieren, hat jeder Produzent bloß für die Entsorgung seines prozentualen Marktanteils aufzukommen – durch eine pauschale Abgabe an ein Entsorgungsunternehmen. "Aufgrund dieses Dualen Systems haben die Erzeuger praktisch keinen Anreiz, Müll einzusparen – außer dem Image beim Kunden," kritisierte Handl. Dieses Kundeninteresse habe immerhin dazu geführt, dass es in einigen Supermärkten nun loses Obst und Gemüse oder Wurst und Käse in mitgebrachte Dosen gäbe.

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