Montag, 16.12.2019

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Manfred Weber fordert in Heideck: Die Macht der EU nutzen

Er war Spitzenkandidat bei der Europawahl, den ersehnten Posten bekam er nicht - 11.11.2019 06:04 Uhr

Scheiterte an einer „Blutgrätsche“ aus Frankreich: Manfred Weber, verhinderter Präsident der EU-Kommission. © Foto: Tobias Tschapka


Erklärungsversuche, wie es dazu kommen konnte, zogen sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. Als Weber in der Heidecker Stadthalle ankam, brandete wohldosierter Applaus auf – nicht zu viel und nicht zu wenig. Seit der Europawahl hat sich der ehemalige Spitzenkandidat deutlich verändert. Durch die runde Brille und den Vollbart sieht er nun etwas kantiger aus. Bevor Weber ans Mikrofon trat und über das Thema "Europa – Auf was es jetzt ankommt" referierte, meinte der Heidecker Ortsvorsitzende der CSU, Ulrich Winterhalter, dass es noch vor einem Jahr kaum jemanden interessiert habe, was in Brüssel geschieht. Dies habe sich inzwischen gewandelt.

Dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der bei der Ablehnung Webers die wohl wichtigste Rolle gespielt hatte, machte der Unterlegene schwere Vorwürfe. Wer dazu in der Lage sei, Präsident Europas zu werden, das "entscheidet kein Präsident alleine, sondern nur die Bürger Europas", echauffierte sich Weber. Der ankündigte, am Konzept der Spitzenkandidaten bei Europawahlen festhalten zu wollen.

Welt zu besserem Platz machen

In Zukunft kämen große Aufgaben auf die EU zu: Läuft die Wirtschaft weiter wie bisher? Wird Europa in der Lage sein, trotz großer Widerstände weitere Handelsabkommen abzuschließen? Für Weber stellt das eine zentrale Aufgabe dar, "denn wo Trump Mauern aufbauen will, müssen wir Brücken bauen, sonst hat Europa, Deutschland und auch Bayern keine wirtschaftliche Zukunft".

Eigentlich müsse Europa seine Wirtschaftsmacht dazu nutzen, die Welt zu einem besseren Platz zu machen: "Warum können zukünftige Handelsverträge nicht den Passus beinhalten, dass an Europa gelieferten Waren nicht mit Kinderarbeit erzeugt werden dürfen?" Auch müsse in Europa der Fokus weiter auf Innovation, Technologie und Fortschritt liegen, und nicht auf Verboten, um die ehrgeizigen Klimaziele der EU zu erreichen. Schon jetzt sei Europa der ambitionierteste Kontinent in Sachen Klimaschutz und mit dem richtigen Knowhow könnte die EU mit klimaneutralen Produkten und Dienstleistungen Weltmarktführer werden.

Optimismus zum Schluss

Des Weiteren brach Weber eine Lanze für die Bauern: Die hohen Subventionen aus Brüssel seien gerechtfertigt, weil die Landwirte die Kulturlandschaft pflegen und einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten. Bei der anschließenden Fragerunde wurden Themen wie die angebliche Perspektivlosigkeit der Landwirtschaft oder die Gefahren des Klimawandels angesprochen, außerdem das Verhältnis der EU zu Russland und zu den USA, der viel kritisierte "Wanderzirkus" der EU-Parlamentarier zwischen den beiden Parlamentssitzen Brüssel und Straßburg – und das leidige Thema Brexit.

Webers Schlusswort fiel optimistisch aus: "Die Zeiten sind zwar turbulent, aber wer soll all diese Aufgaben schaffen wenn nicht wir Europäer? Wenn wir mit gesunden Menschenverstand an die Sachen rangehen, dann finden wir auch Lösungen."

TOBIAS TSCHAPKA E-Mail

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