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Oldtimerschau mit gräflichem Flair und Eisenschwein

Bei der Feuerwehr Hagenbuch waren Fahrzeuge vergangener Zeiten zu bestaunen. - 12.08.2019 18:15 Uhr

Alfred Waldmüller brachte mit seinem Lanz hoheitlichen Glanz nach Hagenbuch und brachte die Hilpoltsteiner Pfalzgräfin Evelyn Pfeiffer mit zum Oldtimertreffen der Feuerwehr. © Foto: Jürgen Leykamm


Auch die amtierende Hilpoltsteiner Pfalzgräfin Evelyn Pfeiffer ist Jahrsdorferin und fühlt sich auf dem schon historischen Traktor recht wohl. Doch nicht nur an diesem findet die Hochwohlgeborene Gefallen. "Das Auto hier steht für pures Lebensgefühl!" ruft sie begeistert aus, als sie einen Alfa Romeo erblickt. Der "Spider 115" ist mit seinem Entstehungsjahr 1982 noch richtig jugendlich. Zuhause ist der italienische Sportschlitten in Marquardsholz. Im Kofferraum hat ein echter Oldtimer Platz: Eine Motorsäge, die 1963 produziert wurde und die immer noch ihren Dienst tut.

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Neben dem Alfa präsentiert sich ein Goggomobil in der Coupé-Version, das sogar noch fünf Jahre älter ist als das Schneidwerkzeug des Nachbarn. "Das war schon mit Vorwahlschaltung!", schwärmt ein Besucher vom Goggo. Warum das so wichtig ist, erklärt er auch: Das Dingolfinger Fabrikat sei auf den Strecken "immer noch weiter gefahren, auf denen der VW Käfer längst hängen geblieben ist".

Vielleicht liegt das auch daran, dass der Vorbesitzer des Wagens des Öfteren zur Fahrzeugweihe unterwegs war, wovon noch eine Christophorus-Figur kündigt. Am Kofferraum hingegen klebt ein bayerischer Kraftausdruck, der neben dem Himmel auch aufs Hinterteil und Nähfaden Bezug nimmt. "Das Goggomobil hab ich seit meiner Führerscheinprüfung", sagt der heutige Besitzer Peter Andrack aus Hilpoltstein stolz.

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Weniger das Alter des Traktors als das seines Besitzers lässt bei einem 1972er Fendt 106 S aufhorchen. Er gehört dem Lokalmatadoren Willibald Hofbeck, der bald seinen 93. Geburtstag feiern darf. "Mit ihm fährt er immer noch zu Holzarbeiten in den Wald", betont der gastgebende Feuerwehrvorsitzende Richard Gerner.

Zahlreichen Besucher zollen dem rüstigen Fahrer bei der Ausfahrt lauten Beifall. Auch immer noch im Einsatz ist der Eicher 100 M, der schon 58 Jahre auf dem Buckel hat. 35 davon ist er im Besitz von Margarethe Heinloth aus Häusern. Den Eicher-Fahrzeugtyp gibt es bei der Schau mit mehr als 70 Teilnehmern mehrfach zu sehen. Aber nicht immer so blitzblank poliert, sondern gerne auch im Originalzustand belassen und daher mit reichlich Patina verziert.

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Und dann tummelt sich auf dem Ausstellungsgelände noch so manches "Eisenschwein", wie Gerner es nennt. Zum Beispiel ein Nordtrak-Stier aus dem Jahre 1955, von seinem Besitzer Karl Kummerer aus Spalt herangefahren. "Und das hier ist eine echte Rarität!" sagt Gerner, als er auf einen Geräteträger deutet, den mehrere Fähnchen zieren. Das gleiche behauptet er auch bezüglich eines alten Feuerwehrautos, heute im Besitz von Franz Albrecht (Seiboldsmühle). Selten und gut gepflegt wie es sei, bringe es wohl 35 000 Euro, so der Hagenbucher Feuerwehrchef.

Beim Fest lässt sich auch ein Blick in die eigene Geschichte werfen: Bei der ersten Oldtimerschau fand sich als erstes Auto nämlich ein Opel Admiral ein (Baujahr 1975). Seither ist der Gredinger Michael Pohl jedes Mal mit dem guten Stück dabei. Bei einer Ausnahme – die aber einen guten Grund hatte: "Da war zur gleichen Zeit ein Opeltreffen", sagt Pohl, während sein Gefährt bestaunt wird. Kurz darauf stiehlt ihm aber die Schau ein ganz besonderer Wagen: Ein Warszawa M 20 fährt vor. Dabei handelt es sich um einen polnischen 1956er-Lizenzbau des russischen Pobeda.

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Bei der Ausfahrt sind es oftmals die Enkel, die die Fahrt mit dem Opa auf einem alten Traktor genießen. So zum Beispiel im Falle von Willi Schmidtmeier aus Obermässing. Auf dem Fahrersitz seines Cormick (1961) passen auch noch Leni, Kolja und Emely zwei Generationen weiter. Gerner ist um lockere Sprüche bei der Präsentation nicht verlegen: "Mit dem lässt sich noch eine Weltreise machen", bescheinigt er so manchem alten Kraftfahrzeug. Und wenn es richtig röhrt, kommentiert er: "Damals hatten wir noch keine Probleme mit dem Abgas."

Als Hingucker erweisen sich auch alte Mopeds sowie Damenfahrräder – mit einem Netz über die hinteren Radspeichen, damit sich der Rock dort nicht verfängt.

Jürgen Leykamm E-Mail

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