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Donnerstag, 22.08.2019

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Stabwechsel in Jahrsdorf und zwei Tage Musik

Walter Landkammer übergibt beim Sommerfest die Blaskapelle an seinen Nachfolger - 15.08.2019 06:15 Uhr

Die Blaskapelle Jahrsdorf in ihrer ganzen Pracht beim 60. Jubiläum im vergangenen Jahr. Vor 30 Jahren übernahm Walter Landkammer (2. Reihe, rechts) den Dirigentenstab und machte die Formation über die Region hinaus bekannt. © Foto: Blaskapelle Jahrsdorf


"Von Haus aus habe ich Akkordeon gelernt", sagt Landkammer. Damit spielte er Tanzmusik in einer kleinen Kombo, den "Blues Brothers". Doch Georg Waltl, der damalige Organist und Dirigent hatte für die 1958 gegründete Blaskapelle eine Jugendgruppe ins Leben gerufen und fragte Landkammers Vater, ob der Walter nicht eintreten wolle. Der hatte nicht unbedingt Lust, Tenorhorn zu lernen, vor allem spielten die anderen ja schon ein Jahr zusammen. Aber er ließ sich breitschlagen und holte den Rückstand auf. 1977, am Neumarkter Volksfest, hatte er seinen ersten Auftritt.

Einer muss

Später übernahm Josef Mederer als Dirigent. Es waren keine leichten Jahre, 1989 setzten sich die verbliebenen 17, 18 Mann zusammen und überlegten, wie es weitergehen könnte mit der Kapelle. "Du musst es machen", habe es damals geheißen, erinnert sich Landkammer. Erneut war er nicht sofort Feuer und Flamme, fühlte sich als Gleicher unter Gleichen. Doch bei seinen Auftritten mit dem Akkordeon hatte er gelernt, auf der Bühne nicht nur Musik zu machen, sondern auch mit den Leuten umzugehen, für Stimmung zu sorgen.

Also übernahm Landkammer den Stab und ließ sich zum Dirigenten ausbilden. Das Fundament musste da sein, denn Landkammer war klar: "Wenn ich das mache, muss ich einen Ticken besser sein als die anderen." Unter seiner Leitung entwickelte sich die Blaskapelle rasant: Heute zählt sie gut 60 Musiker, 80 Prozent so Landkammer, seien junge Leute. Viele hat er selbst ausgebildet: 1996 übernahm er vom damaligen Musiklehrer, nachdem er sowieso schon oft ausgeholfen hatte. "Das waren bestimmt hundert Kinder", sagt Landkammer. Die Kapelle selbst öffnete er für die Jugend, alle zwei Jahre ging er durchs Dorf, durch Patersholz und Mindorf und suchte nach Kandidaten. Er fand viele, auch weil er eine klare Devise vertrat: Manch einer mag länger brauchen, bis das Instrumentenspiel sitzt, aber das macht nichts: "Die wer’n scho."

Walter Landkammer © Stefan Bergauer


Offenbar hat er Recht: Landauf, landab wird der Jahrsdorfer Blaskapelle, die vergangenes Jahr ihr 60. Jubiläum feierte, eine sehr gute qualitative Entwicklung bescheinigt. Sie ist zu einem Aushängeschild der böhmisch-mährischen Blasmusik geworden und trägt den Namen Jahrsdorf hinaus in die Welt: Zum Oktoberfest in Calella (Spanien), ins Burgenland, nach Bielefeld, nach Koblenz, nach München zum echten Oktoberfest und in den Landtag, in das Frankenstadion, zu den Festen in der Region.

Auch danach sah es 1989 nicht aus. "Wir waren wirklich ganz unten", sagt Landkammer. Heute gelte es, dass Erreichte zu halten – ein anderes Problem, andere Schwierigkeiten. "Da muss man auch manchmal auf den Tisch klopfen." Doch die Musiker stünden hinter der Vorstandschaft. Und der hat ihren Nerv getroffen, mit der böhmischen und mährischen Blasmusik. Die hat es Landkammer angetan, mit ihrem speziellen Rhythmus, den man "im Blut, im Gefühl haben muss".

Nachfolge früh geregelt

Den Musikern gefällt der Schwerpunkt, die Probenbeteiligung ist sehr hoch. Landkammer ist deswegen nicht weiter bange vor der Zukunft. Nicht nur wegen des Hypes von Dirndl und Lederhose, sondern weil die Blasmusik in Jahrsdorf fest verwurzelt ist, auch bei den Jungen. "Wenn da Party ist, legen die nachts um 2 Uhr nicht ACDC, sondern Blasmusik auf", sagt Landkammer. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir den Stand halten können."

Um seine Nachfolge hat sich Landkammer ebenfalls schon frühzeitig gekümmert. "Es ist wie bei einer Fußballmannschaft, die ab und an mal wieder einen neuen Trainer braucht. Die Motivation ist natürlich noch da, aber nicht mehr so wie am Anfang." Angesichts des Altersschnittes suchte er junge Nachfolger, 2015 legten Michael Meyer und Sebastian Gaukler die Dirigenten-Prüfung ab. Fortan wechselte sich das Trio bei den Proben ab, 2018 fiel dann die Entscheidung: Meyer (Mitte 20), nun stellvertretender Dirigent, würde nach seinem Master übernehmen. Auftritte am Burgfest oder in Freystadt hat er schon gemeistert und "sehr gut gemacht", auch Meyer könne mit den Leuten auf der Bühne reden. Landkammer glaubt und hofft nicht, dass sich der Schwerpunkt der Kapelle groß ändern wird – das liege aber in den Händen seines Nachfolgers.

Und er selbst? "Selbstverständlich bleibe ich." Landkammer wird mit dem Flügelhorn in die zweite Reihe treten, die nächsten drei Jahre Stellvertreter Meyers sein.

"Ich falle in kein Loch"

Im Berufsleben ist Landkammer (57) im Hochbauamt des Landratsamts beschäftigt. Einen Abend in der Woche hat er frei, die anderen sind mit Ausbildung, Proben und Auftritten gefüllt. Viel weniger wird es nicht werden: "Ich falle nicht in ein Loch", sagt Landkammer. Schließlich dirigiert er seit 23 Jahren auch die Musikkapelle in Neuhaus an der Pegnitz, eine kleinere Formation, die er, wie die Jugendausbildung, einst vom Musiklehrer übernommen hat.

Er hätte auch das Rother Stadtorchester übernehmen können, so habe es der damalige Bürgermeister Richard Erdmann geplant. Landkammer hätte dann alle Freiheiten gehabt, doch er lehnte ab: Das war ihm zu nahe an seinen geliebten Jahrsdorfern. Dort wurde Landkammer für sein Engagement 2002 mit dem Jugendkulturpreis des Landkreises ausgezeichnet, 2005 mit dem Kulturförderpreis der Stadt Hilpoltstein. 2008 hatte die Kapelle eine besondere Überraschung vorbereitet: Stellvertretend für die bayerischen Blasmusikkapellen wurde Landkammer zum "Held des Alltages" des Radiosenders Bayern 1 ernannt. Eine Riesen-Überraschung: "Das war der Hammer."

In die Planungen seines Abschieds ist Landkammer nicht eingebunden, ein spezielles Stück hat sich der Dirigent nicht gewünscht. Vielleicht ist zum Ende der Ära ja wieder eine Überraschung geplant.

Das Sommerfest der Blaskapelle Jahrsdorf beginnt am Samstag, 17. August, um 19.30 Uhr vor dem Feuerwehrhaus in Jahrsdorf. Am Sonntag, 18. August, werden die Gäste ab 10 Uhr zum Frühschoppen erwartet. Gegen 11 Uhr übergibt Walter Landkammer seinen Stab an Michael Meyer. Von 14 bis 14.30 Ihr spielen die Jungmusiker, ab 15 Uhr bis zirka 23 Uhr ertönt die böhmisch-mährische Blasmusik aus Jahrsdorf. 

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