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Tritt gegen Polizist: Bewährungsstrafe nach Faschingszug

Das Urteil ist nach der Verhandlung noch nicht rechtskräftig - 30.08.2019 10:39 Uhr

Es war ein schöner Abend im März, kurz vorher war der jährliche Faschingszug durch Allersberg gerollt. Matteo B. (alle Namen geändert) wollte gerade zusammen mit Frau und Kind nach Hause fahren. Da begegnete die junge Familie auf der Straße einer fünfköpfigen Gruppe Faschingsfans, die zum Teil heftig gebechert hatten. Einer davon, der Polizeibeamte Andreas G., hatte stolze 1,7 Promille intus, wie sich später erwies.

Gegenseitige Pöbeleien

Über den weiteren Verlauf der Ereignisse gingen die Aussagen vor Gericht zum Teil weit auseinander. Geklärt werden konnte allerdings, dass es eine zunächst verbale Auseinandersetzung zwischen mindestens zwei Männern aus der Gruppe und Matteo B. gegeben haben muss. Die Männer waren der Meinung, dass B.s Frau, die am Steuer des Autos saß, zu flott unterwegs gewesen sei. Es kam dann zu gegenseitigen Pöbeleien, nach denen Matteo B. wieder zu Frau und Kind ins Auto stieg.

Und eigentlich hätte die ganze Angelegenheit damit beendet sein können. Doch als das Auto weiter fuhr, nahm Dirk S. Anlauf und trat plötzlich mit dem Fuß ins Heck des Wagens. Matteo B. stieg wieder aus, und schlug S. hinter dem Auto mit der Faust ins Gesicht.

Tritt war gefährlich

Dirk S. stürzte zu Boden und verlor seine Brille. Wie aus der Aussage einer unbeteiligten Zeugin hervor ging, lief unmittelbar darauf der stark alkoholisierte Polizeibeamte Andreas G. auf Matteo B. zu. Der gab vor Gericht an, sich von den Männern bedroht gefühlt zu haben. Mit einem Tritt gegen G., bei der er den Kopf von G. traf, habe er diesen lediglich auf Abstand halten wollen. "Der kam aggressiv auf mich zu und ich wollte mich verteidigen", erklärte Matteo B. in der Verhandlung.

Andreas G. ging nach dem Tritt bewusstlos zu Boden, der Rettungsdienst musste alarmiert werden. Davon, wie heftig er G. getroffen hatte, war B. nach eigener Aussage selbst erschrocken. Die Zeugin gab an, dass B. dem bewusstlosen G. am Boden Erste Hilfe leisten wollte, aber von einer schreienden Frau aus der Gruppe daran gehindert wurde.

Aus einem medizinischen Gutachten, das in der Verhandlung verlesen wurde, ging hervor, dass der Tritt gegen G.s Kopf durchaus lebensbedrohliche Folgen hätte haben können. Wie ein Blick ins Bundeszentralregister zeigte, hat Matteo B. vier Vorstrafen, davon zwei wegen Gewalttätigkeiten.

Verteiger plädierte auf Notwehr

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten ohne Bewährung. Die Verteidigung sah den Tatbestand der Notwehr erfüllt, schließlich habe sich Matteo B. bedroht gefühlt. Der Strafantrag der Staatsanwaltschaft sei "dramatisch weit überzogen", meinte B.s Anwalt. Er forderte für seinen Mandanten, der den Faustschlag gegen Dirk S. und den Tritt gegen Andreas G. eingeräumt hatte, eine Bewährungstrafe von zehn Monaten.

Das Urteil des Schöffengerichts lautet auf eineinhalb Jahre Haft – ausgesetzt zur Bewährung – und ist noch nicht rechtskräftig. Außerdem muss B. insgesamt 2800 Euro Schmerzensgeld an seine beiden Kontrahenten zahlen und eine Beratungsstelle gegen Gewalt aufsuchen. 

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