Sonntag, 05.04.2020

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Trotz Corona: Thalmässinger Blutspender machen weiter

Vieles ist anders als sonst. Aber vom Helfen lässt sich kaum jemand abhalten. - 25.03.2020 15:59 Uhr

Blutspenden in Zeiten von Corona: Das bedeutet vor allem noch mehr Hygiene-Maßnahmen als sonst. Auch bei der Vergabe der "Stärkung" nach dem Spenden. © Jürgen Leykamm


Vieles weitere ist diesmal anders als sonst: Der Ernst der Lage scheint an dem eigentlich prächtigen Vorfrühlingsabend wie ein Schleier über den Wartenden zu liegen. Es herrscht Stille, bis auf zwei junge Frauen, die herzerfrischend aufeinander einreden. Bevor sie an der Eingangstür die Checkliste studieren, die fast schon symbolhaft ein Faschingsplakat überdeckt. Also Schluss mit lustig. Ob man sich gesund und fit fühlt, will die Liste wissen. Es soll Auskunft darüber erteilt werden, ob der Spendenwillige Kontakt mit vom Corona-Virus infizierten Personen hatte oder selbst in einem Risikogebiet war.


Corona-Krise: Blutspendedienste sind auf Unterstützer angewiesen.


Schon steht Mathias Linzert vom Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) vor einem – mit Mundschutz und Infrarot-Fieberthermometer, das er den Eintretenden vor die Stirn hält. Ist dieser Test bestanden, geht es sofort zum Händewaschen und -desinfizieren. Entsprechende Mittel stehen hier noch zur Verfügung. Keine Selbstverständlichkeit in diesen Zeiten. Teilweise „werden sie sogar schon unter Polizeischutz ausgefahren“, gibt BRK-Mitarbeiter Kai Schave zu bedenken, der natürlich auch Mundschutzmaske trägt und nach den Blutspendeausweisen fragt. „Der Höhepunkt der Krise kommt erst noch“, ist er überzeugt. „Aber das überleben wir auch“.

Derweil ist es gar nicht so einfach, im kleinen Eingangsbereich der Turnhalle den Zwei-Meter-Abstand zu wahren. Der ist zudem der Grund, warum sich sehr schnell ein Rückstau bildet. Die Liegen, auf denen sich die Spender zur Blutentnahme legen dürfen, wahren ebenso den erforderlichen Abstand. Viele bekannte Gesichter finden sich im Raum wieder. Zum Beispiel das von Ernst Schuster, der in Thalmässing 18 Jahre lang das Amt des ersten Bürgermeisters innehatte. Zum Blutspenden kommt er das 86. Mal vorbei, „aber das erste Mal im Schatten von Corona“, Ein Schatten, der ja dazu verleiten hätte können, diesmal einfach mal eine Pause einzulegen. Für den Ex-Rathauschef war dies aber keine Option: „Ich habe keinen Augenblick gezögert“.

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Blutspenden trotz Corona: Ohne Mundschutz und Sicherheitsabstand geht nichts

Selbst in Corona-Zeiten folgen die Menschen in großer Zahl dem Ruf, ihren Lebenssaft zu spenden. Vor der Turnhalle von Thalmässing stehen sie Schlange. Penibel und unaufgefordert wahren die willigen Spender dabei den empfohlenen Sicherheitsabstand von rund zwei Metern gegen eine Corona-Ansteckung. Ohne Mundschutz geht drinnen nichts.


Genauso ging es Sebastian Schneider, bekannt als örtlicher Feuerwehrkommandant. In maßgeblicher Funktion bei einer Hilfsorganisation tätig, weiß er natürlich, wie wichtig Blutspenden vor allem in diesen Tagen ist. „Gerade jetzt in der Krise wird noch viel mehr Blut gebraucht also sonst.“ Schneiders Lob gilt neben den vielen Ehrenamtlichen zugleich der Marktgemeinde, die den Termin bewusst nicht abgesagt hatte. „Solange ich gesund bin, gehe ich zum Blutspenden“, sagt Schneider unbeirrt, der sich gerade in Elternzeit befindet und damit weniger soziale Kontakte hat als vorher. Nach dem Aderlass geht es „auf direktem Wege heim zur Familie“, so wie es die Vorgaben wollen.

Was Masken und Schutzanzüge anbelangt, sei auch die Thalmässinger Wehr bestens vorbereitet. Übungen habe man natürlich absagen müssen. Aber die Einsatzbereitschaft sei gewährleistet. Und schon ist der halbe Liter Blut  abgefüllt. Das kann schon ein bisschen am Kreislauf rütteln. Weswegen es gute Sitte ist, dass sich die Spender nach ihrer guten Tat in einem gesonderten Raum zu einer Brotzeit zusammensetzen. Da hockt man üblicherweise gerne bei einem Kaffee nebeneinander „und es wird geratscht“, erinnert sich eine der Frauen an der Essensausgabe. Diesmal aber ist das wegen Corona völlig anders: Statt der heißen gibt es die kalte Koffein-Variante in Form von Cola. Genossen werden kann das Kaltgetränk auf einzeln aufgestellten Stühlen, die in großem Abstand verteilt stehen.


Blutspenden in Zeiten von Corona: Ein Selbstversuch.


Statt der Brotzeit werden von den mundschutz-maskierten BRK-Mitstreiterinnen Stefanie Dietrich-Wägemann und Leni Meermann „Care-Pakete“ eingetütet. In den Tüten finden sich bunt gefärbte Ostereier, Obst nach Wahl, Schokolade und Müsliriegel. Und eine Wurst- oder Käse-Semmel. Beim Eintüten tragen die beiden Helferinnen Handschuhe.„Wir sollten jetzt klug handeln – und ohne Hysterie“, sagt Holztechniker Christoph Wießmeier aus Stauf, als er sein Päckchen entgegennimmt. Er ist eifriger Blutspender und wie die anderen lässt er sich vom Corona-Virus keinen Strich durch die Rechnung machen.

„Bitte nehmen Sie noch etwas Platz“, fordern Dietrich-Wägemann und Meermann die Empfänger der Pakete auf. Jeder soll sich noch etwas regenerieren, bevor er die Heimreise antritt. Zum Dank für den Einsatz für die Allgemeinheit darf sich schließlich noch jeder der Spender ein kleines Geschenk nach eigener Wahl mit nach Hause nehmen. Es gibt sogar die derzeit so heiß begehrten Nudeln.

Eine bange Frage aber bleibt: Besteht die Möglichkeit einer Übertragung des Corona-Virus durch eine Bluttransfusion? Dafür gäbe es keinerlei Hinweise, heißt es dazu seitens des Blutspendedienstes. Und das Paul-Ehrlich-Institut vermeldet, dass diese Gefahr „nach bisherigem Erkenntnisstand als derzeit nicht begründbar eingeschätzt“ werde. Gleichzeitig bestehe aber bei weiterer Ausbreitung des Virus das Risiko einer Verknappung der Blutkomponenten, „sofern nicht weiterhin ausreichend Blut gespendet wird“. Wer dies tut, rettet Leben! 

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Jürgen Leykamm E-Mail

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