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Verliebt in Hilpoltstein: Ein Ire ist Stammgast am Burgfest

Heuer fehlt Tom Quinn, aber zuvor hat er in elf Jahren kein Burgfest ausfallen lassen - 03.08.2019 06:01 Uhr

Hat in Hilpoltstein so etwas wie eine zweite Heimat gefunden: Der Ire Tom Quinn, der in den 1970er Jahren am Bau der Taubstummeneinrichtung in Zell mitarbeitete. Seitdem lässt ihn die Burgstadt nicht mehr los. © Foto: Marco Frömter


Dieses Burgfest muss ausnahmsweise ohne seinen treuesten Fan auskommen. In den vergangenen elf Jahren hat Tom Quinn aus Irland kein Burgfest ausfallen lassen. Dieses Jahr kommt er nicht: "Ich bin zu einer Hochzeit eingeladen und die wollten den Termin nicht wegen des Burgfestes verschieben", klagt er scherzhaft.

Um nach Hilpoltstein zu kommen, ist für Quinn kein Weg zu weit. Dort fühle er sich zuhause und gut aufgehoben. Viele Freunde habe er in Hilpoltstein gefunden, die er regelmäßig besuchen kommt. Allen voran natürlich seinen "Best Buddy Hänz Krimm" — unter Hilpoltsteinern auch als Hans Grimm bekannt. Die beiden haben sich immer etwas zu erzählen und schwelgen gerne in alten Kamellen, als Tom Quinn in den 1970er Jahren als britischer Gastarbeiter erstmals nach Hilpoltstein kam. Damals wie heute sitzen die beiden dabei gern im Café Grimm und lassen es sich gutgehen. Dieses Bild ist vielen Hilpoltsteinern bereits bestens bekannt — wenn Quinn vor dem Café sitzt und jeden grüßt, als wäre er ein Hilpoltsteiner Urgestein.


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Vor genau 40 Jahren stieß Quinn in einer Londoner Zeitung auf eine Anzeige: Gesucht wurden starke Handwerker, auf die in Deutschland Arbeit wartete. Ohne groß zu überlegen bewarb sich der damals 29-Jährige und er wurde nach Zell geschickt, um beim Neubau der Taubstummenanstalt zu helfen. "Es wurden Fachkräfte gesucht. Als Zimmerer hatte ich keine Probleme dort einen Job zu bekommen." Am Tag wurde hart gearbeitet und abends noch härter gefeiert, erinnert sich Quinn lebhaft.

Von Hilpoltstein habe er aber kaum etwas gesehen. Vielmehr wurden die "German Pubs" zu seinem zweiten Zuhause. Doch dann kam die große Erleuchtung und Quinn "verliebte" sich in Land und Leute, als er zum ersten Mal das Bierzelt auf dem Burgfest betrat. "Ich habe noch nie solch gute Hähnchen gegessen, wie in Hilpoltstein." Auch die großen Käselaibe faszinierten ihn und die Maßkrüge – noch mehr natürlich deren Inhalt, versteht sich. Auch das fränkische Bier hat er lieben gelernt. Selbst in seiner Heimatstadt Monaghan in Irland trinkt er nur noch bayerisches Bier – und das stilgerecht aus Maßkrügen und Weizengläsern aus Hilpoltstein.

Sehnsucht nach Hilpoltstein

Auch für Quinn mussten die schönen Zeiten irgendwann zu einem Ende kommen. Nach fünf Monaten hieß es für ihn "Good Bye" zu sagen. Viele Freunde ließ er damals zurück und gab der Stadt Hilpoltstein ein leises Versprechen: "Ich komme wieder." Bis er dies einlöste vergingen allerdings knapp 30 Jahre. Erst dann plante er seine Rückkehr nach Deutschland – und zwar zum Burgfest 2007. "Eigentlich wollte ich vieles sehen, beispielsweise München. Mich hat es allerdings so stark nach Hilpoltstein gezogen, dass ich mich sofort ins Taxi setzte und mich ins Hotel Krone habe fahren lassen." Erinnerungen an das Bierzelt, wo er einst den Zauberer Hans Moretti traf, blieben Quinn so sehr im Gedächtnis, dass er so schnell wie möglich in seine zweite Heimat zurück wollte: "Ich habe das alles so sehr vermisst."

35 Besuche in zehn Jahren

Seitdem kommt Quinn regelmäßig auch ohne das Burgfest nach Hilpoltstein. Über 35 Mal sei er in den vergangenen zehn Jahren zu Besuch gekommen. "Mich besuchen auch Hilpoltsteiner in Irland", freut er sich. Viel Zeit will er jedenfalls nicht mehr vergehen lassen, bis Quinn wieder sein Weizen im Café Grimm schlürfen kann. "Die Hilpoltsteiner sind alle sehr freundlich zu mir. Das Burgfest bedeutet mir sehr viel. Es wird nie langweilig, da ich immer wieder Leute treffe, die ich lange nicht gesehen habe." Am besten gefällt Quinn an den Hilpoltsteinern: "Ich versuche immer wieder Deutsch zu sprechen, so schwer es mir auch fällt – und dann antworten die Hilpoltsteiner mit perfektem Englisch."

Zum ersten Mal dabei 

Einen noch weiteren Weg nimmt Alexandra Jarriel aus North Carolina (USA) auf sich. Für die 27-jährige wird es heuer der erste Besuch auf dem Burgfest sein. Wenngleich sie schon zig Male in Hilpoltstein war, kennt sie das Burgfest nur von der "Schwärmerei" ihrer Mutter – eine gebürtige Hilpoltsteinerin, die vor rund 30 Jahren in die USA auswanderte. Jarriel freue sich schon auf das Burgfest, das sie mit ihren Großeltern besuchen wird. "Hilpoltstein hat seinen eigenen Charme. Die Leute laufen mehr und fahren nicht überall mit dem Auto hin." Die leckeren deutschen Brezen hätten es ihr besonders angetan. Von ihrer Mutter weiß sie jedenfalls bis ins Detail über das Burgfest Bescheid. "Den Trödelmarkt hat sie nie verpasst", sagt Jarriel. "Mom hat im Bierzelt auf den Tischen getanzt und so laut gesungen, wie es nur möglich war."

Am Sonntag sei es Tradition gewesen, mit der Familie zum Festspiel zu gehen. Alexandra Jarriel sei schon oft in Hilpoltstein zu Besuch gewesen: "I love Hip." Auf die neue Erfahrung, das Burgfest endlich besuchen zu können, freut sie sich besonders: "I can’t wait for Burgfest." 

MARCO FRÖMTER E-Mail

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