Donnerstag, 24.10.2019

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Historische Boliden: So war das Krupp-Treffen in Kulmbach

Fans von alten Lkw pilgerten am Wochenende nach Oberfranken - 22.06.2019 19:56 Uhr

Unter der Haube der PS-Boliden macht es „Kropp-kropp-kropp“, wenn der Motor läuft. © Martin Regner


Während des Zweiten Weltkriegs und auch noch für ein paar Jahre nach dem Krieg baute das Unternehmen Krupp seine Lkw allerdings nicht im Ruhrpott, sondern in Franken: Die Produktion wurde aus Angst vor alliierten Bombenangriffen auf das Stammwerk in Essen nach Kulmbach, Bamberg und Nürnberg verlagert. Anlässlich des 100. Gründungsjubiläums der Lastwagenbaus der „Fried. Krupp Motoren- und Kraftwagenfabriken“ organisierte der eingefleischte Alt-Lkw-Fan Oliver Mahlo aus Trittenheim in Rheinland-Pfalz jetzt ein Oldtimertreffen.

Dieses fand allerdings weder in Essen, noch in Mahlos Heimat statt, sondern an dem früheren Werksstandort im oberfränkischen Kulmbach. 1944 zog ein Teil der Lkw-Fabrikation hier in ein ehemaliges Brauerei-Gebäude ein.

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Flotte Schlitten mit PS beim Krupp-Treffen in Kulmbach

Am Samstag schwangen sich rund 20 Teilnehmer hinter ihre elfenbeinfarbigen Lenkräder und machten sich auf zu einer Ausfahrt rund um Kulmbach. Am Ziel waren die historischen Raritäten schnell umringt von Fans und Fotografen, die es sich nicht nehmen ließen, die in der Sonne um die Wette glänzenden Oldtimer zu bestaunen.


Von weit her angereist kamen am Freitag, 21. Juni 2019, historische Schätze wie etwa der wohl einzige Omnibus der Marke Krupp, der der Verschrottung entgangen und bis heute erhalten geblieben ist. Das Fahrzeug stammt aus dem Jahre 1957 und war früher auf allen Rennstrecken zu Hause: Es beherbergt in seinem Inneren eine komplette Werkstatt für die Wartung und Reparatur von Rennwagen. Nicht weit davon entfernt parkte Heinz-Bruno Hecker seinen „Titan“ ein. Der schwere Fernverkehrs-Lastwagen war in den frühen 1950er-Jahren das Flaggschiff im Lastwagen-Angebot von Krupp und gehört heute zu den begehrtesten Nutzfahrzeug-Oldtimern überhaupt: Es gibt in Deutschland nur noch zwei bekannte Exemplare, die in Sammlerhand restauriert wurden. In Belgien soll es zwei weitere Exemplare geben.

Oldtimer glänzten um die Wette

Am Samstag schwangen sich die Fahrer hinter ihre elfenbeinfarbigen Lenkräder und auf ihre mit rotem Kunstleder bezogenen Sitze: Die rund 20 Teilnehmer machten sich auf zu einer Ausfahrt rund um Kulmbach, von der sie am frühen Abend gegen 16 Uhr auf das Gelände einer Kulmbacher Brauerei zurückkehrten. Dort waren die historischen Raritäten schnell dicht umringt von Fans und Fotografen, die es sich nicht nehmen ließen, die in der Sonne um die Wette glänzenden Oldtimer vor historischer Kulisse im Bild festzuhalten.

Das Intermezzo des Herstellers an seinen drei fränkischen Standorten dauerte allerdings nicht lange: Schon bis 1951 holte der Konzern seine Lastwagen-Produktion wieder nach Essen zurück. Bis 1968 auch dort die Lichter ausgingen: In jenem Jahr stellte Krupp seine Lastwagen-Produktion ersatzlos ein. Heute sind die massigen Lkw, die früher einen guten Ruf im Fern- und Baustellenverkehr genossen, schon längst aus dem alltäglichen Straßenbild verschwunden. Und mit ihnen ihr legendäres Motorengeräusch: Die Krupp-Lkw wurden bis Mitte der 1960er-Jahre von Zweitakt-Dieselmotoren angetrieben. Und die können – so scherzte man in Fahrerkreisen schon damals – ihren eigenen Namen sagen. Unter ihrer Haube macht es nämlich vernehmlich „Kropp-kropp-kropp“, wenn der Motor läuft.

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"Die großen Sieben": Laster-Legenden aus Deutschland

Nach dem Zweiten Weltkrieg und in der Zeit des Wirtschaftswunders war der Markt für schwere Lastwagen in Deutschland noch wesentlich vielfältiger als heute. "Die großen Sieben" der Nutzfahrzeugbranche trugen die Namen Büssing, Faun, Henschel, Krupp, Magirus-Deutz, MAN und Mercedes-Benz. Fünf davon sind heute vom Markt verschwunden. Dafür genießen die imposanten Laster der 1950er bis 1980er-Jahre heute Kultstatus, nicht nur bei Oldtimerfreunden.


Martin Regner

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