Dienstag, 22.10.2019

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Hitzewelle: Das macht zu wenig Wasser mit Ihrem Körper

Rummelsberger Chefarzt warnt vor Gefahren - 23.07.2019 17:49 Uhr

Bei hohen Temperaturen ist eine ausreichende Wasserzufuhr besonders wichtig für den Körper. © Dirk Waem, NN


Was bedeutet "Durst haben" eigentlich?

Dr. Eisele: Das Durstgefühl wird durch den Salzgehalt im Blut in Verbindung mit einem hochkomplexen, zentralnervösen Rückkopplungssystem reguliert. Trocknet der Patient aus, führt dies zu Durst. Bei entsprechender Flüssigkeitsaufnahme verschwindet dieses Durstgefühl wieder. Dieser Rückkopplungsmechanismus ist in Ausnahmesituationen – etwa bei tagelang sehr hohen Temperaturen, bei hohem Fieber, Durchfall und Erbrechen – überfordert. Für das Versagen dieses Mechanismus gibt es vielerlei Erklärungen. Einige sind sicherlich unserem modernen Lebensstil geschuldet.

Dr. Hans-Joachim Eisele (44) ist seit Anfang 2018 Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Pneumologie und Akutgeriatrie am Krankenhaus Rummelsberg. Zuvor war der Lungen-Fachmann Sektionsleiter Pneumologie an den Kreiskliniken Dillingen-Wertingen und leitete davor am Klinikum Fulda die Abteilung für pneumologische Onkologie. © Foto: Krankenhaus Rummelsberg


Warum das denn?

Dr. Eisele: Wir haben einfach nicht genug Zeit, um literweise Wasser pro Tag zu trinken und werden in unserem beruflichen Alltag auch abgelenkt und gefordert, so dass das Durstgefühl gar nicht mehr als quälend empfunden wird. Das Trinken wird schlicht und einfach vergessen. Hinzu kommt, dass bei manchen Sportarten oder Aktivitäten nicht genug Wasser verfügbar ist – beispielsweise bei einer stundenlangen Wanderung und 40 Grad Hitze. Durch den steigenden beruflichen und sozialen Stress werden auch vermehrt körpereigene Stresshormone ausgeschüttet, welche das Durstgefühl evolutionsbedingt zusätzlich hemmen.

Warum trinken vor allem ältere Menschen oft zu wenig?

Dr. Eisele: Ältere Patienten haben meist von Haus aus ein geringeres Durstempfinden. Warum das so ist, ist nicht abschließend geklärt. Bei zunehmendem Alter steigt aber auch das Risiko, dass mehr Entzündungen im Mund und Rachenraum entstehen, dass entzündliche oder tumorbedingte Veränderungen der Speiseröhre vorherrschen oder schlicht und einfach die Schluckreflexe nicht mehr so gut ausgebildet sind. Dann kann Flüssigkeit in die Lunge geraten. Dies kann wiederum zu gefährlichen Lungenentzündungen führen.

Welche Symptome treten auf, wenn jemand auszutrocknen droht?

Dr. Eisele: Das können vielseitige, unspezifische Symptome sein: Kopfschmerzen, Schwindel, Unwohlsein, Zittern bis hin zur Bewusstseinstrübung oder maximal gesehen bis zum Koma oder Tod.

Zittern, das erinnert an die jüngsten Probleme von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Dr. Eisele: Ich muss über die vielseitigen Spekulationen bezüglich der Zitteranfälle der Kanzlerin schmunzeln. Mich wundert es, wie Kollegen ohne körperliche Untersuchung, ohne Kenntnis der Vorgeschichte oder ohne akutes Labor so eine präzise Diagnose stellen können. Ich würde mich das so nicht trauen. Zumal bekannt ist, dass Zitteranfälle sowohl aus dem internistischen, neurologischen, psychiatrischen oder verhaltenstherapeutischen Formenkreis stammen können.

Wasser marsch! Auch die Spieler des 1. FC Nürnberg müssen bei diesen Temperaturen besonders darauf achten, genügend zu trinken. © Sportfoto Zink / DaMa


Außerdem hätte die Kanzlerin nach dem ersten Zitteranfall dann ja wohl wissen müssen, dass sie nur mehr trinken sollte.

Dr. Eisele: Bei dem Termin-Stress der Bundeskanzlerin ist es schon durchaus vorstellbar, dass das Trinken bei ihr öfter zu kurz kommt.

Ist es egal, welche Flüssigkeit – alkoholische Getränke mal ausgenommen – man bei Hitze zu sich nimmt?

Dr. Eisele: Am besten geeignet ist Mineralwasser mit seinen wichtigen Mineralien. Zur Geschmacksverbesserung kann man es mit Fruchtsäften mischen. Allerdings würde ich es mit den Fruchtsäfte auch nicht übertreiben, da sie auch sehr viel Fruchtzucker besitzen. Kalorisch gesehen könnte der übermäßige Verzehr nämlich zu anderen Problemen wie beispielsweise Übergewicht führen. Entwässernde Getränke wie Kaffee oder Tee sind mit Vorsicht zu genießen, da sie insgesamt zu einer Flüssigkeits-Minusbilanz führen können und der Patient dann im Gegenzug noch mehr Wasser zu sich nehmen muss.

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