Dienstag, 19.11.2019

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Als "Herzo" noch amerikanisch war

Der Deutsch-Amerikanische Freundschaftsclub wurde 1969 gegründet. Erster Teil: die Annäherung - 23.10.2019 07:00 Uhr

Major C. Leibenguth, Kommandeur der Herzo Base 1969/70, gilt als einer der Gründerväter des DAFC. Hier 2002 (im Jeep stehend) als Gast der 1000-Jahrfeier Herzogenaurachs zusammen mit anderen ehemaligen GIs. © Foto: Stadtarchiv


Nach einer kurzen demütigenden Besatzungsphase ab April 1945 boten sich aufgrund des Militärstandortes Herzo Base gerade der Stadt Herzogenaurach bald schon gewisse Chancen: zum Beispiel ein erweiterter Arbeitsmarkt, die Kaufkraft der hier stationierten GIs und deren soziale Unterstützung von Bedürftigen, besonders von Kindern. Nicht hoch genug einzuschätzen ist der US-Beitrag beim Aufbau unserer Demokratie, forciert durch die bedrohliche Zuspitzung der Lage im Kalten Krieg.

Der „Women’s Club“, Vorläufer des DAFC, Anfang der 1960er Jahre beim Kegeln. © Archiv: Gotthard Lohmaier


Man wundert sich eigentlich, dass im Aurachstädtchen erst 1969 ein "Deutsch-Amerikanischer Freundschaftsclub" gegründet wurde, der freilich – so ein Beitrag von Hans Gräß im "Weisendorfer Boten 1993" – schon während der 1950er Jahre zu wurzeln begann.

Der Hobby-Historiker verweist dabei auf die besondere Rolle einer Frauengruppe, die sich im provisorischen "Women’s Club" zusammengefunden hatte, um über den familiären Alltag zu plaudern, aber auch unterschiedliche kulturelle Aspekte auszutauschen. Meist im Café Kern oder im Café Mauser, bisweilen bei Kegelnachmittagen oder bei Ausflügen in die nähere und weitere Umgebung. Betty Huke, Traudl Stecker, Berta Gradert, Martha Bollmann auf deutscher, Mrs. Watson und Mrs. Miller auf amerikanischer Seite seien hier besonders erwähnt, ohne den Beitrag der übrigen Frauen schmälern zu wollen.

Über die Annäherungen zwischen deutscher Zivilbevölkerung und US-Soldaten im familiären Bereich hinaus führte die Initiative Major C. Leibenguths, der als Lieutenant bereits 1958 in Herzogenaurach stationiert gewesen war und ab Mai 1969 als Kommandeur der Elitetruppe ASA zurückkehrte. Oberstes Ziel des deutschstämmigen Offiziers war es, die Freundschaftsbande zu vertiefen bzw. zu erweitern, um das gegenseitige Verständnis zu fördern. Sein wichtigster Helfer wurde Lieutenant Robert von Haden, ebenfalls durch deutsche Vorfahren geprägt, der sich bei schon existierenden Deutsch-Amerikanischen Clubs informierte und dann eine modifizierte Herzo-Satzung formulierte.

Laut Hans Gräß gehörten die Eheleute Horst und Betty Huke zu den treibenden einheimischen Kräften, deren Kontakte zum US-Militär bis in die ersten Monate der Besatzungszeit zurückreichten. Denn Horst Huke arbeitete von Dezember 1945 bis April 1948 auf der Herzo Base, blieb danach als Lehrer im Aurachstädtchen hängen und wurde aufgrund seiner guten Englischkenntnisse immer wieder zu offiziellen Kontakten herangezogen.

Beliebte Ansprechpartner

Weil die Hukes an der Flughafenstraße wohnten, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Communitiy, der neu errichteten US-Siedlung, dienten sie oft auch in Privatangelegenheiten als Ansprechpartner, beispielsweise bei Fragen zu hiesigen Bräuchen oder zum Schulsystem.

Nach den Vorgesprächen am 8. Oktober 1969 im Gasthaus Steigerwald an der Engelgasse erfolgte am 21. des Monats die eigentliche Gründungsversammlung des "Deutsch-Amerikanischen Freundschafts-clubs" (DAFC) mit mehr als 300 Gästen in den Räumen des NCO-Clubs der Herzo Base.

US-Schirmherr Major Leibenguth betonte in seiner zweisprachigen Eröffnungsrede, dass "es gut ist, in Freundschaft zu leben, doch noch besser, sich gegenseitig zu verstehen". Sein Gegenstück auf einheimischer Seite, zweiter Bürgermeister Konrad Welker, hob hervor, man wolle "keinen Club für die High Society gründen, sondern einen für jedermann, für beide Geschlechter und für alle Altersklassen".

Über 100 Personen traten noch an diesem Abend dem Club bei, dessen Führungsmannschaft dann im November gewählt wurde: Ronald Brelsford und Horst Huke wurden die gleichberechtigten Präsidenten, ihre Vizes Annie Kypta und Konrad Wormser, Schatzmeister Larry Turner und Franziska Bär, Schriftführer Robert von Haden und Ursula Popien. Daneben bildeten sich Ausschüsse und Interessensgruppen, um ein inhaltliches Programm auszuarbei-ten. (Zweiter Teil folgt)

GOTTHARD LOHMAIER

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