Archäologen sichern Herzogenaurachs Erbe

24.7.2019, 06:57 Uhr
Archäologe Marco Goldhausen kniet bei einem Stück der alten Ringmauer aus dem 15. Jahrhundert und erläutert, was es mit den Buckelquadern auf sich hat.

Archäologe Marco Goldhausen kniet bei einem Stück der alten Ringmauer aus dem 15. Jahrhundert und erläutert, was es mit den Buckelquadern auf sich hat. © Foto: Roland Huber

Freigelegt sind derzeit Reste der Ringmauer der mittelalterlichen Burganlage sowie ein Laufhorizont unter dem Schlosshof – und dort fanden sich bereits zahlreiche Tierknochen und Keramikscherben.

Einst war das Herzogenauracher Schloss eine Wehrburganlage mit mächtigem Bergfried und hoher Ringmauer. Über die ursprünglich in der Stauferzeit errichtete Burg aus dem 12. Jahrhundert gebe es allerdings keine Infos, erklärt Marco Goldhausen bei der Grabungsbesichtigung, zu der auch sein Chef Robert Frank vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege gekommen ist. "Der Vorgängerbau aus dem 12. Jahrhundert ist vollständig verschwunden." Nicht aber die Überreste, zum Beispiel hochmittelalterliche Scherben mit Dekor. Diese haben Goldhausen und sein Team, die seit Anfang Juli auf dem Baustellengelände zugange sind, auf dem Laufhorizont im Schlosshof in 60 Zentimeter Tiefe gefunden – und dieser Laufhorizont datiert auf das 12. Jahrhundert.

Im 15. Jahrhundert wurde die Burganlage ausgebaut, im Südflügel wurde ein Schloss für den bischöflichen Vogt errichtet. "Auch die Ringmauer wurde zu dieser Zeit als Zwei-Schalen-Mauerwerk komplett neu errichtet, wobei auch ältere Steine der Mauer und des Bergfrieds, insbesondere Buckelquader, wiederverwendet wurden", so Goldhausen. Und auch die Verwendung von rötlichen und weißen Sandsteinen sei damals geschehen. "Der wehrhafte Charakter der Buckelquader war im 15. Jahrhundert nicht mehr nötig, jetzt war die Farbmischung wichtig." Eine Besonderheit für den Archäologen: Der zum Verfüllen verwendete "moderne" Kalkmörtel sei für diese frühe Zeit um 1420 "erstaunlich".

Das alles zeigt er beim Rundgang zweiter Bürgermeisterin Renate Schroff, die das alles höchst spannend findet. "Im nächsten Leben werde ich Archäologin", sagt sie augenzwinkernd, aber durchaus ernst gemeint.

Im frühen 18. Jahrhundert wurde der Amtssitz in barocker Form erneuert – so wie das Schloss heute in seiner ganzen Pracht in der Innenstadt thront. Übrigens sei es immer eine quadratische, geschlossene Anlage gewesen, betont Goldhausen.

Zwölf Wochen sind für die archäologischen Untersuchungen angesetzt. Die Arbeiten basieren auf den Auswertungen der im vergangenen Jahr durchgeführten Sondierungen. In den nächsten Wochen wird nun der Bergfried freigelegt. Das alles wird dokumentiert, vermessen, gezeichnet und teilweise fototechnisch rekonstruiert, um das historische Erbe zu sichern. Goldhausen ist zuversichtlich, den Zeitrahmen mit seinem Team einhalten zu können.

Parallel dazu beginnen auch schon die ersten Renovierungsmaßnahmen im Schlossgebäude.

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