Aus für «Young & Free“

18.10.2006, 00:00 Uhr

Die Geschichte des Festivals, das 2003 eine so fröhliche und unbeschwerte Premiere und 2004 eine beachtenswerte Fortsetzung feiern konnte, geht damit jäh zu Ende. Denn die vergangenen beiden Jahre machte die Schülerfete auswärts Station. Zuerst in Nürnberg, dann in München. Auf dem Weg blieb im wahrsten Sinne des Wortes die hoch gelobte Intention eines «pädagogischen Woodstock“. Das ursprüngliche Konzept, die Mischung von Musik und verschiedenen Themenparks, wurde von Werbung und Publicity überlagert (die NN berichteten mehrfach).

Um der zunehmenden Kommerzialisierung entgegenzuwirken, sollte bei der fünften Auflage des Festivals laut Bürgermeister Gerald Brehm zu den pädagogischen Wurzeln zurückgekehrt werden. Das Kultusministerium habe hierfür bereits seine Unterstützung signalisiert, die Sponsoren ebenfalls und auch die Ehrenamtlichen stünden bereit. Daher hielt Brehm es für notwendig und sinnvoll, «Young & Free“ zumindest noch einmal in Höchstadt abzuhalten.

Keineswegs kostenneutral

Die Mehrheit der Stadträte aber war anderer Meinung. Für CSU-Fraktionssprecher Michael Schwägerl gaben die Kosten den Ausschlag für die Ablehnung. Mit einem Minus von 77 000 Euro im Jahr 2004 könne das Festival keineswegs als kostenneutral bezeichnet werden, auch wenn es sich dabei um Personalkosten von Bauhof und Stadtverwaltung handle, so Schwägerl. Fakt sei, dass die Mitarbeiter über einen langen Zeitraum mit Planung, Vorbereitung und Durchführung des Festivals beschäftig seien und somit keine Zeit für andere Aufgaben hätten.

Man müsse sich daher fragen, ob eine Aktion für die Jugend mit pädagogischem Hintergrund nicht auch auf anderem Wege erreicht werden könne. Zumal er, Schwägerl, die Werbewirksamkeit des Festivals für Höchstadt ohnehin anzweifle.

Dies sah Brehm naturgemäß anders. Die genannten 77 000 Euro könne man nicht als volle Kosten ansehen, eben weil sie die Löhne und Gehälter von Verwaltung und Bauhof beinhalteten, erklärte er. Und auch den Werbeeffekt wollte er nicht in Abrede gestellt sehen. Für ihn sei «Young & Free“ eine «tolle Sache für eine kleine Stadt“. Dem stimmte Andreas Stark, Fraktionssprecher der Jungen Liste, zu. Höchstadt habe mit dem Festival bewiesen, «dass man mit vielen ehrenamtlichen Helfern etwas erreichen kann“. Daher sei es der richtige Weg, die Veranstaltung 2007 durchzuführen. Zumal es viele Bürger, allen voran die freiwilligen Helfer, wieder wünschten.

Auch Johann Cach (ÜBB) war der Ansicht, dass das Schülerfest «zu Höchstadt passt“. Bevor er aber über eine Fortsetzung entscheide, wolle er Zahlen sehen. «Mir fehlt in den Unterlagen das Budget. Ich kann doch nicht ins Blaue hinein beschließen“, mahnte er an.

«Die Budgetierung kann erst erfolgen, wenn der Stadtrat zugestimmt hat“, entgegnete Brehm. Erst dann könne er auf Sponsoren zugehen und das Programm zusammenstellen. Heute gehe es zunächst darum, grundsätzlich «Ja“ zu dem Projekt zu sagen. Mit dieser Antwort gaben sich weder Cach noch SPD-Sprecher Andreas Hänjes und sein Fraktionskollege Günter Schulz zufrieden. Letzterer bemängelte nicht nur die späte Zustellung der Sitzungsunterlagen, sondern auch deren zu allgemein gehaltene Ausarbeitung.

«Kaum kultureller Gewinn“

Hänjes ging in seiner Kritik noch weiter: «Wir hatten mit dem Festival keinen finanziellen und nur einen geringen kulturellen Gewinn. Publikum haben auch nur die großen Musikgruppen gezogen.“ Die SPD lehne eine Fortführung des Festivals daher mehrheitlich ab.

Hart trafen diese Aussagen Michael Ulbrich, JL-Rat und einer der Hauptinitiatoren des Festivals. Als sich die Mehrheit gegen «Young & Free“ formierte, versuchte er daher, seine Ratskollegen umzustimmen. Sicherlich sei das Fest nicht zum Nulltarif zu haben, so Ulbrich. Der Wert aber, den das Festival für die Stadt habe, sei immens. So sei langfristig eine Jugendarbeit aufgebaut worden, die nun einfach weggeworfen werden solle.

Und auch die Außenwirkung des Festes sei nicht zu unterschätzen. Zudem könne man «kein Jugendhaus zum Leben erwecken, wenn wir jetzt die Veranstaltung begraben“. Diese Aspekte bat Ulbrich seine Ratskollegen bei ihrer Entscheidung zu berücksichtigen.

Doch der Aufruf verhallte. Und nachdem ein Antrag von Johann Cach auf Vertagung der Entscheidung abgelehnt worden war, war das Ende von «Young & Free“ beschlossene Sache.