Aus Münchaurach

Buch über Corona: Erlös kommt Bedürftigen zugute

7.6.2021, 06:00 Uhr
Die Corona-Pandemie hat das Leben der Menschen verändert. 

Die Corona-Pandemie hat das Leben der Menschen verändert.  © Ma Ping/XinHua/dpa

Herr von Flotow, in Ihrem vergangenen Buch haben Sie das nicht unbedingt populäre Thema Flüchtlinge aufgegriffen, nun ist es Corona. Gibt es dazu nicht schon genug?

Ja, mittlerweile gibt es mehr als genug Bücher über die Krise. Hohe Absatzzahlen hatte ich allerdings weniger als Ziel. Vielmehr hat mich das Thema gereizt, weil es durchaus Ähnlichkeiten mit der Flüchtlingskrise hat: Wie bewältigen wir einschneidende Ereignisse, die die ganze Gesellschaft betreffen.

Der Titel Ihres jetzigen Werkes lautet "Auszeit". Meinen Sie damit eine Auszeit vom sogenannten normalen Leben?
Ja, der Titel meint genau das. Oft ist die Auszeit ja positiv besetzt, denken Sie an Urlaub als Auszeit vom Alltag. Aber die ist freiwillig. Die jetzige Auszeit war und ist erzwungen und sehr, sehr lang. Sie zeigt, wie schnell man vor dem psychischen oder wirtschaftlichen Aus – da ist es wieder – stehen kann.

Der erste Teil stellt eine Chronologie dar, der zweite schildert persönliche Erlebnisse und Eindrücke Ihrer Interviewten. Für "Krieg ist immer dumm" sind Sie in Asylbewerberunterkünfte und in Schulen gegangen. Wo haben Sie Ihre Gesprächspartner diesmal gefunden?
Ich habe eine E-Mail mit Fragen an einen nicht ganz kleinen Verteilerkreis von Bekannten, Freunden und Verwandten geschickt. In ihr habe ich gefragt: „Wer hat Lust mitzumachen?“ Im Buch stammen etwa drei Viertel der Beiträge von Menschen aus der Region.

Warum hat das Buch zwei Teile?
Zunächst hatte ich nur die Chronik auf Basis der Medienberichte geplant, diese Darstellung wegen ihrer Distanz zum Erleben der Menschen dann aber als zu einseitig empfunden. Der zweite Teil mit der persönlichen Sicht von Betroffenen bildet nun ein Gegengewicht zur Chronik.

Wie schwierig waren denn die Gespräche in Zeiten von Corona mit Abstands- und Mundschutzregeln?
Wegen des Lockdowns und der Unsicherheit in den ersten Monaten des vergangenen Jahres kamen für mich Gespräche „face-to-face“ nicht in Frage. So spielte neben Mails das gute alte Telefon eine wichtige Rolle.

Sind die Kontaktsperren und social distancing-Regeln auch der Grund, weshalb es in diesem Buch keine Fotos gibt? In "Krieg ist immer dumm" haben Sie ja auch tolle Bilder Ihrer Interviewten selbst dazu geliefert.

Die Frage nach Fotos hat mich lange beschäftigt. Nicht nur die Einschränkung der Kontakte war ein Grund, dass es keine Fotos im Buch gibt. Es ist auch eine Kostenfrage, wenn die Fotos im Druck gut rauskommen sollen. Ich wollte den Buchpreis möglichst niedrig halten.

Stehen Sie noch in Kontakt mit Ihren Interviewten?

Ich hatte in meiner Rundmail zu Anfang des Projekts darum geworben, das Thema an möglichst viele Menschen weiterzuleiten. So kam es, dass ich Beiträge von Personen erhielt, die ich gar nicht kannte und zu denen ich seitdem auch keinen Kontakt mehr habe. Andere Kontakte haben sich durch die Zusammenarbeit am Buch verstärkt.

Und mit den jungen Flüchtlingen, was ist aus den Kindern und Jugendlichen geworden?

Einige der Flüchtlingskinder habe ich vor der Coronakrise immer wieder einmal in den Schulen oder in der Stadt getroffen. Mit „Krieg ist immer dumm“ ergaben sich sofort Anknüpfungspunkte für ein Gespräch. Leider musste ich manchmal von Lehrkräften erfahren, dass einige wenige der damals zu Wort gekommenen Jungen nun große Probleme mit der Integration haben.

Sie schreiben Dokumentationen, Kurzgeschichten, auch Gedichte, nach den Schwierigkeiten und dem Leben von Flüchtlingen haben Sie nun die Corona-Krise beschrieben, was kommt als nächstes?
Das nächste Projekt wird vielleicht ein Buch, in dem vor allem wieder Kinder und Jugendliche zu Wort kommen. Ich möchte von ihnen und ihrem Umfeld erfahren, wie sich die Krise langfristig auf ihr Leben auswirkt. Darüber hinaus zeichnen sich zwei kleine Dokumentationen von Schulprojekten ab.

Mit "Krieg ist immer dumm" haben Sie die Ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuung in Erlangen, kurz Efie, unterstützt, geht auch von "Auszeit" der Erlös oder Teile davon an soziale oder karitative Einrichtungen?

Der Münchauracher Oliver von Flotow hat mit

Der Münchauracher Oliver von Flotow hat mit "Auszeit" erneut ein Buch geschrieben; das Bild zeigt ihn mit seinem Werk "Krieg ist dumm", das in zweifacher Ausführung erschienen ist,  © Foto: Berny Meyer

Ja, auf jeden Fall. Diesmal spende ich den Verkaufserlös an die Corona-Nothilfe der Bürgerstiftung. Gerade sozial schwache Familien haben in der Corona-Krise besonders gelitten und tun das immer noch. Es ist für mich daher besonders wichtig, dass ich gerade mit meinem Buch zu Corona jene unterstützen kann, die durch die Pandemie besonders belastet wurden. So schließt sich der Kreis und ich kann einen kleinen Beitrag dazu leisten, Corona-bedingte Notlagen zu mildern.

Die Corona-Zahlen werden besser, die Pandemie schwächt etwas ab. Wie wird man Ihr Buch jetzt lesen?

Ich hoffe sehr, dass die Situation sich jetzt wirklich langfristig bessert und dann auch so bleibt. Die wahren Folgen dieser Pandemie, ob sozial, wirtschaftlich oder auch psychologisch werden wir wohl erst in einiger Zeit richtig sehen. Und dann, glaube ich, kann man auch mein Buch noch immer lesen - und vielleicht auch erst richtig verstehen.

Oliver von Flotows Buch "Auszeit - Impressionen der Coronakrise" ist bei Books on demand erschienen und kann für 10,80 Euro im stationären und im Internet-Handel bestellt werden.

Zum Autor: Der frühere Siemens-Manager Oliver von Flotow, 70, ist seit Jahren ehrenamtlich tätig, so ist er unter anderem im Vorstand der Bürgerstiftung Erlangen. Besonders liegen dem gebürtigen Heidelberger, der in Münchaurach lebt, die Kinder am Herzen. Daher engagiert er sich bei verschiedenen Projekten der Bürgerstiftung für Heranwachsende, etwa beim Sommercamp für Kinder aus sozial schwachen Familien oder auch ehrenamtlicher Pate bei der "Zauberhaften Physik"-Reihe in Grundschulen. Für sein Buchprojekt "Krieg ist dumm" hat er Jungen und Mädchen aus Flüchtlingsfamilien in Erlangen und im Landkreis Erlangen-Höchstadt interviewt und ihnen somit eine Stimme gegeben. Von Flotow ist alleinstehend, seine Interessen sind Fotografieren, Kinderpsychologie, Pädagogik, Politik und Didaktik.

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