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Büro oder Handwerk?

Schüler testen eine Woche verschiedene Berufe aus - 11.02.2014 10:00 Uhr

Potenzielle Holzwürmer bei der Arbeit (v.r.n.l.): Michael, Andreas, Uwe und Manuel versuchen sich im Werkraum des Liebfrauenhauses als Schreiner. © Alexandra Haderlein


will ihnen das Liebfrauenhaus in Herzogenaurach die Berufswahl erleichtern.

HERZOGENAURACH — Gabelschlüssel klirren auf Eisen, Schleifpapier knirscht über Holz, Steine plumpsen dumpf auf den Boden. Die Werkstatt der Mittelschule des Liebfrauenhauses gleicht einem großen Abenteuerspielplatz. Der Bayerische Bauindustrieverband hat sich in dem großen Klassenzimmer breit gemacht und lässt die Achtklässler selbst Hand anlegen und die Berufe ausprobieren.

Dennis (13), Andre (14) und Alexander (13) sind am Fachsimpeln: „Zuerst die Dichtung?“ – „Nein, die Schrauben!“ Unter den wachsamen Blicken von Rohrbau-Azubi Michael Struben (19) werkeln die drei Jungen an einem großen blauen Rohr, das sie aus mehreren Teilstücken zusammensetzen sollen. „In echt sind die Teile noch viiiiel größer“, erzählt Azubi Michael Struben, während die drei Jungen zuhören. Danach zurren sie weiter akribisch Schraube um Schraube fest. Struben ist zufrieden: „Das System haben sie verstanden“, meint er und grinst.

Rund 140 Achtklässler können während der fünftägigen Berufsorientierung vom Bäcker und Konditor über den Gärtner und Raumausstatter bis hin zum Friseur, Zerspanungsmechaniker, Schreiner und Rohrbauer zahlreiche Berufe kennenlernen. Welche Sparten die Schüler konkret ausprobieren wollen, haben sie laut Klassenleiter Matthias Gieck (32) selbst entschieden: „Aus deren Auswahl haben wir individuelle Stundenpläne erstellt.“ Jeder Schüler wird so täglich vier etwa einstündige Mitmachkurse oder Vorträge besuchen.

Die Orientierungswoche im Liebfrauenhaus findet heuer zum sechsten Mal statt. Dabei werden auch die Siebt- und Neuntklässler eingebunden: Die Siebten können mit Blick auf die spätere Berufswahl ihre Stärken und Schwächen austesten. Die Neunten halfen beim Organisieren der Woche, in der nun rund 30 Arbeitgeber ihre Ausbildungsberufe präsentieren.

Kleinen Betrieben fehlt die Zeit

Vor allem Innungen und große Betriebe wie Siemens und die Schaeffler Gruppe sind heuer wieder dabei. Die beiden anderen großen Unternehmen in der Stadt, Adidas und Puma, sucht man jedoch ebenso vergeblich wie mehrere kleinere, regionale Unternehmen.

Lehrer Matthias Gieck (32) erklärt: „Einige sind vertreten. Doch viele kleine Unternehmen haben wenig Zeit und müssen daher genau entscheiden, welche Termine sie wahrnehmen.“ Giecks Kollegin Anna Löhr (28) findet dies schade: „Gerade die kleinen Betriebe sind schließlich potenzielle Ausbildungsbetriebe für unsere Jugendlichen.“ Und dass die Woche den Schülern etwas bringt, beweist Dennis‘ Beispiel: Einen späteren Job im Büro könne er sich ebenso vorstellen, wie eine handwerkliche Tätigkeit, meint er.

Sein Stundenplan für die Berufsorientierungswoche ist daher breit gefächert. Er findet: „Die Woche ist wie ein Schnupperpraktikum in vielen unterschiedlichen Berufen.“ Das Fazit vom Rohre-Schrauben in der Schulwerkstatt: „Rohrbau im Workshop macht Spaß, aber beruflich auf Dauer kann ich es mir nicht vorstellen.“ Die stellvertretende Schulleiterin, Heike Witthus, ist gespannt, welchen Weg Dennis und die anderen Schüler einmal einschlagen werden: „Schon öfter kamen Ehemalige während der Berufsorientierungswoche als Azubis zurück an die Schule und haben nun Werbung für ihren Beruf gemacht.“ 

VON ALEXANDRA HADERLEIN

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