Mittwoch, 01.04.2020

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Corona versetzt das öffentliche Leben in ERH in Agonie

Auch im Landkreis werden drastische Schutzmaßnahmen ergriffen - 14.03.2020 07:00 Uhr

Die Leiterin des Don-Bosco-Kinderhauses in Herzogenaurach, Birgit Kastner, im leeren Schlafzimmer des Kinderhauses. Hier wie in allen anderen Kitas sind jetzt viele Fragen zu klären und Probleme zu lösen. © Foto: Matthias Kronau


Das Gymnasium Herzogenaurach wurde überrascht. Am Donnerstagabend waren noch Berlin-Fahrt und Skilager geplant, am Freitagmorgen wurde die Absage der Regierung definitiv. Eltern und Schüler dürfen die Schule nicht mehr betreten – Personal, Verwaltung und Lehrer indes schon.

Es gibt offene Fragen ohne Ende: Was passiert mit den letzten Klausuren vor dem Abitur, die noch fällig wären? Wie wird die Mittagsbetreuung organisiert? Fallen die großen Ferien aus, nachdem jetzt schon bis Ostern schulfrei ist? Mebis und Schulcloud sind für die Schüler zunächst ein Mittel, um Schülern Aufgaben zu stellen. Ab Montag rechnet die Schulverwaltung mit einer Flut von Anrufen.

Die Realschule Herzogenaurach hat bereits mit einer Ein-Tages-Schließung am 6. März einen Testlauf durchlaufen, nachdem sich ein Schulkind mit dem Coronavirus infiziert hatte. Schulleiter Ulrich Langer hat mit den nun durch die Bayerische Staatsregierung verfügten Schulschließungen fast schon gerechnet.

Eltern und Kinder seien bereits sehr verunsichert gewesen, manche hätten bereits vor Husten Angst gehabt. Man könne so einen Verlauf mathematisch hochrechnen, es sei vergleichbar einer Lawine. "Das wird nicht leicht für alle", sagt er ferner: "Die Kinder werden erst jubeln, dann werden sie froh sein, dass sie wieder kommen dürfen."

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Schwierig dürfte es werden für Schülereltern, die in einem medizinischen Beruf arbeiten oder für alleinerziehende Eltern. Für sie müsse voraussichtlich ein Notdienst organisiert werden. Ulrich Langer dennoch optimistisch: "Das war auf jeden Fall richtig. Das pack mer schon."

Ein Betretungsverbot gilt ab Montag ebenfalls für die rund 9800 Kindertagesstätten in Bayern. Auch die Stadt Höchstadt betreibt mit der Kindertagesstätte Regenbogen eine Einrichtung mit Krippe, Kindergarten und Hort. Laut Bürgermeister Gerald Brehm werden hier Notgruppen organisiert für Kinder, bei denen beide Elternteile in Gesundheitsberufen, bei der Polizei oder bei Hilfsorganisationen wie dem THW beschäftigt sind. In Berufen also, die in der aktuellen Krise besonders wichtig sind.

 

Weisung aus München

Diese Weisung aus München wird andernorts ähnlich umgesetzt, so auch in Röttenbach. Die Gemeinde ist hier Träger der Mittagsbetreuung für die Grundschüler. Diese wird mit der Schließung der Schule ebenfalls nicht ganz dicht gemacht, sondern im Notbetrieb weitergeführt, zuvörderst natürlich für Kinder, deren Eltern etwa als Ärzte, Pfleger oder in sicherheitsrelevanten Berufen wie etwa Polizeibeamte tätig sind.

Das Personal in Kitas und Schulen, so Gerald Brehm, habe nicht automatisch frei. "Für das Reinigungspersonal und die Hausmeister gibt es genug zu tun, die arbeiten weiter", sagt der Höchstadter Bürgermeister.

Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen seien entweder ohnehin mit der Betreuung der Notgruppe(n) beschäftigt, nehmen Urlaub, bauen Überstunden ab oder könnten sich um Arbeiten kümmern, für die im normalen Kita-Alltag die Zeit fehle.

"Doch wir wollen nicht abrupt alles zum Erliegen bringen, die Kinder müssen ja auch beschäftigt werden", erklärt Brehm weiter. Der Betrieb im Hallenbad wird allerdings nun doch eingestellt – entgegen anderslautender Meldungen am Freitagmorgen.

Die Stadtbücherei hat weiter geöffnet. Von den Besuchern wird jedoch die Einhaltung der einschlägigen hygienischen Vorsichtsmaßnahmen erwartet.

Die Höchstadter Volkshochschule hingegen stellt ihren Betrieb bis 19. April ein, auch deren Geschäftsstelle bleibt solange für den Publikumsverkehr geschlossen. Telefonisch und per E-Mail ist die vhs weiter erreichbar.

Die Kunstschule in Höchstadt schließt ebenfalls bis 19. April, die Höchstadter Musikschule hingegen führt ihren Unterricht bis auf Weiteres fort.

Die Stadt selbst als zweitgrößter Arbeitgeber in Höchstadt werde sich in den kommenden Wochen flexibel zeigen, wenn Beschäftigte wegen eines Kinderbetreuungsengpasses der Arbeit fernbleiben müssen und deshalb kurzfristig Urlaub nehmen oder Überstunden abbauen: "Eventuell müssen wir dann unsere Öffnungszeiten anpassen, aber der Betrieb funktioniert auf jeden Fall weiter".

Ähnlich German Hacker, der Herzogenauracher Bürgermeister. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Stadt, die wegen des Betreuungsengpasses bei den Kindern daheim bleiben müssen, werden zehn Tage lang freigestellt mit der Option, Telearbeit zu leisten, sagt Hacker. Notgruppen bei der Mittagsbetreuung wird es laut Hacker nicht geben.

Atlantis dicht

Von den städtischen Institutionen in Herzogenaurach bleiben die Volkshochschule vorerst geschlossen, die Musikschule bietet keinen Gruppenunterricht an. Städtische Gebäude wie Schulhäuser, vor allem die Sporthallen, stehen laut Hacker weiter offen. Vereine, die den Trainingsbetrieb nicht unterbrechen wollen, haben Zutritt.

Auch die städtische Firma Herzo Werke, deren Bäder und Verkehrs GmbH das Freizeitbad Atlantis betreibt, zollen dem Virus-Schutz Tribut. Geschäftsführer Jürgen Bauer teilte gestern Nachmittag die Schließung von Bad, Sauna und Gastronomie ab Montag, 16. März, bis voraussichtlich 20. April mit.

Wer nicht in erzwungener oder freiwilliger Quarantäne bleibt, kann immerhin weiter Bus fahren.

Laut Landratsamt verkehren alle Busse weiter, doch ist jeweils der vordere Einstieg geschlossen, der Fahrer-Raum abgetrennt. Fahrscheine kann man also nicht mehr im Bus kaufen.

 

EDITH KERN-MIEREISZ, KATRIN BAYER, RAINER GROH

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