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Corona zwingt reisende Händlerin zur Seßhaftigkeit

Fair Trade noch tiefer in der Nische: Petra Soba-Bayer baut ihren Marktstand im eigenen Garten in Großenseebach auf. - 26.05.2020 17:00 Uhr

Petra Soba-Bayer, Inhaberin eines Reisegewerbescheins, kann mit ihren Hüten und anderen Erzeugnissen aus Madagaskar zurzeit nicht gewerblich reisen. So hat sie ihren Marktstand kurzerhand im Garten in Großenseebach aufgebaut. © Foto: Rainer Groh


Ein Beispiel ist die Großenseebacherin Petra Soba-Bayer. Sie ist normalerweise auf Märkten vertreten, war im vergangenen Jahr auch beim Herzogenauracher Ökofest dabei. Ihr Sortiment: Kunsthandwerk aus Madagaskar, samt und sonders von kleinen Werkstätten auf der Insel im Indischen Ozean hergestellt.

Die Veranstaltungen, bei denen die 42-Jährige ihre Kunden gefunden hat, finden bis auf weiteres nicht statt. So hat sie ihren Stand kurzerhand mittwochs (16 bis 19 Uhr) und samstags (10 bis 13) im eigenen Garten aufgebaut. Sie hofft, dass Kunden zu ihr kommen, wenn sie schon nicht zu den Kunden kommen kann.

So ist die Party-Hütte im Garten am Föhrenweg, eigentlich für den Sohn der Familie errichtet, nun Kleinladen. Auf dem Tisch und in Regalen Spielzeug-Autos aus alten Blechdosen, typgenau vom VW-Bulli bis zur 2 CV-Ente gefertigt, Handtaschen, große Einkaufstaschen aus Seegras, vor allem aber Schmuck und Küchenwerkzeug aus dem Horn des Zebu-Rinds, eine Spezialität der Handwerker von der viertgrößten Insel der Welt. Zu Eierlöffeln oder Salatbesteck wird das Rinderhorn gepresst, nachdem es durch Erhitzen in Paraffinöl weich gemacht wurde. Nach umfangreichen Polituren entstehen Esswerkzeuge, geschmacksneutraler als Metall, haltbarer und individueller als jeder Kunststoff.

Auch Hüte sind ein typisches Erzeugnis aus Madagaskar, sagt Petra Soba-Bayer. Sie werden aus den Blättern der auf der Insel heimischen Raphia-Palme geflochten.

An ihre Waren kommt die Großenseebacherin über ihre Schwägerin, die aus Madagaskar stammt und direkt mit den Herstellern in Kontakt steht. Sie selbst hat die Insel auch schon besucht und weiß von da her, dass der Handel mit ihren Erzeugnissen in Deutschland, hier eine Nische, für sie eine wichtige Einnahme ist.

So macht Petra Soba-Bayer Flyer-Werbung in Amtsblättern für ihr Geschäft, von dem sie selbst eigentlich nicht leben muss: Sie ist auch als Sozialarbeiterin tätig.

RAINER GROH

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