Das Abtauchen in den Faulturm wird überflüssig

11.8.2016, 17:14 Uhr
Schon beim Blick auf die Oberfläche des Faulschlamms erkennt Oliver Kulhanek die Probleme.

© Fotos: Matthias Kronau Schon beim Blick auf die Oberfläche des Faulschlamms erkennt Oliver Kulhanek die Probleme.

HERZOGENAURACH – „Wenn Sie hier reinschauen, sehen Sie die Oberfläche des Faulschlamms,“ erklärt Oliver Kulhanek oben auf dem hohen grünen Faulturm. Der Laie sieht nur eine schwarze Oberfläche und blubbernde Blasen. Der Leiter des Klärwerks erkennt aber sofort, dass Gefahr im Verzug ist.

Immer wieder bilden sich in dem Faulturm sogenannte Zöpfe. Sie entstehen durch Haare oder andere Feststoffe, die sich miteinander verknäulen und immer größer werden. Diese Zöpfe können die Funktion eines Faulturms erheblich beeinträchtigen.

Denn worum geht es in einem solchen Faulturm? Hier wird Schlamm, also der vom Abwasser schon in verschiedenen Stufen abgetrennte Dreck, noch einmal weiter „bearbeitet“. Durch Abbauprozesse ohne Sauerstoff entstehen Faulgase (etwa Methan). Sie werden aufgefangen und zur Energieversorgung der Kläranlage verwendet.

Zudem wird dem Schlamm noch Wasser entzogen. Das Endprodukt schaut dann fast wie Granulat aus und wird im Falle der Kläranlage Herzogenaurach nach Sachsen zur Verbrennung gebracht.

Und jetzt kommt das Rührwerk ins Spiel. Nur wenn der Faulschlamm immer gut in Bewegung ist, können die Prozesse kontrolliert ablaufen. Die Zöpfe aber, die meterlang werden können, verringern die Funktionalität erheblich. Sie hängen sich an die Rührschnecke, aber auch an die Verstrebungen, die das Rohr in der Mitte stabil halten, durch das der Schlamm von unten nach oben gerührt wird.

Weniger Gas, mehr Gewicht

Folge: Die Gas-Ausbeute ist geringer, also muss die Kläranlage für den Eigenbedarf mehr Strom zukaufen. Außerdem: Das Klärschlammgranulat bleibt feuchter als erwünscht, ist also auch schwerer, so dass die Entsorgung in Sachsen mehr Geld kostet.

Also müssen etwa alle sieben Jahren Taucher engagiert werden, die in den Faulturm abgelassen werden, um die Zöpfe zu beseitigen. „Sehen können die Taucher nichts“, sagt Oliver Kulhanek, „Sie müssen genau wissen, wo sie hinlangen müssen.“

Jetzt sind wieder sieben Jahre vergangen, die Werte des Faulturms wenig erfreulich. Kläranlagen-Chef Kulhanek hätte wieder bei der Tauchfirma anrufen müssen.

Doch lieber suchten er und das Bauamt nach Alternativen. „Wir haben eine Wirtschaftlichkeitsberechnung angestellt“, erklärt Amtsleiter Gerhard Merkel. Die erbrachte Erstaunliches: Über einen Zeitraum von sieben Jahren (Abstand zwischen den Tauchgängen) kostet der Unterhalt rund 79 000 Euro (Taucher plus regelmäßige Maßnahmen). Der Verlust bei der Gasausbeute beträgt rund 119 000 Euro, die Klärschlammabfuhr erhöht sich um 33 000 Euro. Das ergibt rund 231 000 Euro innerhalb von sieben Jahren an Mehrkosten für ein Rührwerk von 1998 „mit einem immer währenden Unterhalt“ (Kulhanek).

Ab da war die Argumentation leicht. Die Firma Hilpert Klärwerkstechnik aus Nürnberg bot ein Rührwerk der neuesten Generation an, das die Gefahr von Zopfbildungen minimiert, auch deswegen, weil ein spezieller Zerkleinerer mit im Angebot ist.

105 500 Euro kostet dieses Rührwerk inklusive Zerkleinerer und Montage. Da brauchte es keine großen Rechenkünste mehr, um zu erkennen, dass sich die Investition lohnen wird. Auch deshalb wohl verließ sich der Herzogenauracher Haupt- und Finanzausschuss auf die Verwaltung. Gemäß einem Motto, das gerade beim Thema Kläranlage gilt: Wichtig ist, was hinten rauskommt.

Das neue Rührwerk, so hofft die Stadt, wird schon in wenigen Monaten geliefert.

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