Daumen hoch für die Mitfahrbank

25.9.2018, 14:00 Uhr

© Karl-Heinz Panzer

Die "Mitfahrerbank" wird in anderen Orten schon mit mehr oder weniger Erfolg praktiziert. Es funktioniert denkbar einfach: An günstig gelegenen Orten wird eine Sitzgelegenheit postiert, eben besagte Mitfahrerbank. Auf der nehmen diejenigen Platz, die einen Transfer in Anspruch nehmen wollen. Im Fall Lonnerstadt dürfte zuallererst Höchstadt das Ziel sein, an das die Reise gehen soll. Sei es, um dort etwas zu erledigen oder einen Anschluss zum Bus nach Erlangen zu bekommen.

Insofern ist die Mitfahrerbank eine echte Bereicherung für ihre Gemeinde, glauben die Lonnerstadter Initiatoren. Sie fanden schon viele Unterstützer: Die örtlichen Freien Wähler (FW) stellen sich hinter das Projekt, der Gemeinderat auch, ebenso die Stadt Höchstadt, wo für die Rückfahrt ja auch Haltepunkte gebraucht werden.

Und wer nimmt die Wartenden auf? Autofahrer, die noch etwas Platz in ihrem Gefährt haben, die Lust auf Gesellschaft während ihrer Fahrt haben, die jemandem einen Gefallen tun und gleichzeitig die Schadstoffbilanz ihres Trips optimieren wollen. Ein doppelt besetztes Auto verbraucht pro Person schließlich nur gut die Hälfte wie ein Einzelfahrer.

Gerrit Hoppe, der das Projekt mit vorantreibt, betrachtet das Ganze als "Hilfe zur Selbsthilfe". Geld fließt dabei nicht. "Es ist aus der Not geboren", sagt der Lonnerstadter FW- Gemeinderat. Die öffentlichen Buslinien machen nämlich nur allzu selten Halt in Lonnerstadt und erst recht in den Ortsteilen.

Die Mitfahrerbänke sind leicht zu erkennen: Das Logo mit dem ausgestreckten Daumen auf gelbem Grund ist an einem Metallrohr angebracht, an dem außerdem das gewünschte Ziel auf einem vorgefertigten weißen Schild kundgetan wird.

Der Lonnerstadter Metallbauer Claudio Gallo hat die signifikanten Gestelle zusammengeschweißt, beim Aufstellen ist der gemeindliche Bauhof behilflich. "Mitmenschlichkeit, Kooperation und Kommunikation" wollen Burkheim, Zwingel und Co. erklärtermaßen fördern.

In den dörflich geprägten Gemeinschaften in Lonnerstadt und Ailsbach könnte die Idee gut ankommen, glaubt Gerrit Hoppe. Man kenne sich, und das erhöhe die Bereitschaft zum Anhalten wie auch zum Einsteigen. Fast noch wichtiger als das Hinkommen sei die Rückfahrt, so die Überzeugung der Macher der Mitfahrerbank. Also wurden in Höchstadt Aufnahmepunkte an zwei strategisch günstigen Punkten eingerichtet: Am Bahnhof für die Buspendler von und nach Erlangen sowie am Dänischen Bettenlager an der Rothenburger Straße für die Leute, die in der Stadt unterwegs waren. Über einen weiteren Halt im Gewerbegebiet könnte man nachdenken, so Hoppe. In Lonnerstadt findet man den Anhalterdaumen auf Höhe der Bäckerei in der Hauptstraße und in Ailsbach am Ortsausgang in Richtung Lonnerstadt. Aus Höchstadt wurde signalisiert, dass auch in Sterpersdorf eine Mitfahrerbank aufgestellt werden könnte.

Analog und einfach

In Zeiten von Online-Vermittlungsdiensten wie Uber mit ihren Smartphone-Apps, verblüfft der "analoge" Ansatz der Mitfahrerbänke durch seine Direktheit. Kein Einloggen, kein Tippen, keine Angst vor Datenmissbrauch. Die Basisidee der Mitfahrerbank ist eine Verbindung zum und vom nächstgelegenen größeren Ort zu schaffen. Alles was darüber hinausgeht, würde die Sache nur komplizierter machen, ist Hoppe überzeugt.

In den kommenden Tagen und Wochen werden die noch fehlenden Bänke postiert und die Initiative bekannt gemacht. Mit Flyern, Veröffentlichungen in den Mitteilungsblättern und in sozialen Netzwerken werden die Bürger auf die neuen Möglichkeiten aufmerksam gemacht. Auf gar keinem Fall wolle man dem öffentlichen Nahverkehr Konkurrenz machen, betont Gerrit Hoppe. Ganz im Gegenteil, deren Angebot werde durch die Mitfahrerbank ergänzt und attraktiver gemacht, ist sich der Lonnerstadter Unternehmer sicher.

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