"Der Ritter und seine Affen"

30.10.2018, 06:57 Uhr
Eine der Guachen von Barbara Ruppel. Sie zeigt detailgetreu das Präparat, das Johann Baptist Spix aus Brasilien mitbrachte, und nennt auch den kuriosen Namen, den der Forscher der Affenart gab: „Der geile Wickelschwanz“.

Eine der Guachen von Barbara Ruppel. Sie zeigt detailgetreu das Präparat, das Johann Baptist Spix aus Brasilien mitbrachte, und nennt auch den kuriosen Namen, den der Forscher der Affenart gab: „Der geile Wickelschwanz“. © Foto: Rainer Groh

Mit dem Ritter ist Spix gemeint, den Bayernkönig Maximilian nach der Rückkehr von der Brasilienreise 1820 in den Adelsstand erhob. Und die Affen, das waren des Zoologen Forschungsobjekte und Gegenstand einer seiner großen wissenschaftlichen Leistungen: Spix kategorisierte sämtliche zu seiner Zeit bekannten Affenarten. Mit dem Spix-Nachtaffen und dem Spix-Schwarzkopfmakari sind auch zwei Affenarten nach ihm benannt.

Etwa 40 Körper von Neuweltaffen brachten Spix und der Erlanger Botaniker Carl Martius von ihrer abenteuerlichen, entbehrungsreichen, aber wissenschaftlich opulenten Expedition durch Brasilien (1817 bis 1820) mit. Sie wurden in München präpariert und sind größtenteils bis heute Typus-Exemplare ihrer jeweiligen Art. Also sozusagen Primär-Exemplare, nach deren Merkmalen die ganze Art beschrieben wurde.

Verständlich, dass die zoologischen Staatssammlungen solche wichtigen Präparate nicht aus ihrer Münchner Zentrale herauslassen. So sind nicht sie der Kern der sehenswerten Schau, sondern Reproduktionen von ihnen — aber ganz besondere.

Edle Guachen

Gezeigt werden Bilder in Guache-Technik von diesen Präparaten, die nicht nur naturwissenschaftlich exakt, sondern auch künstlerisch edel sind. Gezeichnet wurden sie von acht Künstlerinnen und Künstlern um Barbara Ruppel — als Geschenk an die Sammlungen zum 200. Jahrestag der Spix-Martius-Expedition 2017.

Und weil das Bamberger Naturkunde-Museum als eins der vier den Staatssammlungen angegliederten Museen auch eine ganze Reihe historischer Tierpräparate besitzt, haben Museumschef Matthias Mäuser und seine Mit-Kuratorin Beate Bugla Affen-Präparate aus dem eigenen Haus dazugestellt, die ähnlich alt sind wie die Spixschen Originale und den Stil gut wiedergeben, in dem man damals die unbekannten Tierarten konservierte und darstellte.

Nicht gerade als Kuscheltiere hat man die Äffchen präsentiert: Fast immer mit gebleckten Zähnen und reichlich böse wirkendem Blick. Dies wirkt auf uns Heutige bisweilen schräg bis gruselig, gibt aber dem Besucher eine zusätzliche, reizvolle Lektion in Wissenschaftsgeschichte.

Dazu die Herausforderung an die Präparatoren, Tiere darzustellen, deren Lebensweise sie nicht kannten. Das ging manchmal richtig schief, wie bei einem Faultier, von dem der Präparator nicht wusste, dass es die längste Zeit seines Lebens an Ästen hängend verbringt. Ausgestopft bedroht das harmlose Wesen aufrecht stehend den Betrachter mit präsentierten Klauen.

Nicht nur solche Erkenntnisse kann man aus der Schau gewinnen. Vor allem geht es um die Brasilien-Expedition. So führen die Info-Tafeln, die überwiegend vom Botanischen Garten aus Erlangen stammen, deutlich vor, was für ein Wagnis die beiden Forscher damals eingingen und mit welcher Energie sie allen Entbehrungen trotzten. Der Kauf eines "Negersklaven", die beiden indianischen Kinder, die man mitnahm und die ihre Verfrachtung nach Erlangen nur um Monate überlebten und Martius‘ umstrittene, weil rassistische Abhandlungen über die indigene Bevölkerung werden nicht ausgespart.

Die Erlanger Tafeln gehen mehr auf den Erlanger Martius ein als auf den Höchstadter Spix. Deshalb haben die Ausstellungsmacher Spix’ Leben und seinen wissenschaftlichen Rang ergänzt. Dabei, so Matthias Mäuser, stand man in Kontakt mit dem Höchstadter Spix-Verein und seinem Vorsitzenden Herbert Fiederling.

Auch die Bamberger Bezüge von Spix sind nachzuvollziehen. Er war Schüler in Bamberg, studierte hier und wurde zum Dr. phil promoviert. Nach zweitem Studium in Würzburg praktizierte er als Arzt eine Zeit lang bei Adalbert Friedrich Marcus in Bamberg.

ZDie sehenswert Schau ist bis 30. Dezember im Naturkunde-Museum, Fleischstraße 2, in Bamberg zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstags bis Sonntags, 10 bis 16 Uhr; Allerheiligen und Weihnachten ist geschlossen.

Als angehender Zoologe hat Johann Baptist Spix auch das Bamberger Naturalienkabinett besucht, aus dem das Naturkunde-Museum hervorgegangen ist. Gegründet hatte es 1791 Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal als eine Lehranstalt. Der Bamberger Hofarchitekt Lorenz Fink hat 1792 bis 1794 den zweigeschossigen zentralen Ausstellungsraum im frühklassizistischen Stil entworfen, der heute als einer der schönsten derartigen Säle die Attraktion des Museum ist. Die Ausstattung wurde nach der Säkularisation 1803 vollendet, als die naturhistorische Sammlung des Klosters Banz nach Bamberg verlegt wurde. Die Leitung übernahm der Banzer Mönch Dionysius Linder. Sein Nachfolger Andreas Haupt stellte hier die Vogelsammlung aus. Das Denkmal "Vogelsaal" wurde 2009 umfassend renoviert.

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