Dienstag, 19.11.2019

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Die Aurach soll wieder schöner und lebendiger werden

Das Wasserwirtschaftsamt stellte ein erstes Konzept vor — Teilweilse heftige Diskussionen und Proteste in der Carl-Platz-Schule - 25.02.2016 08:57 Uhr

„Mäßig“: Was in der Schule noch ausreicht, ist der Europäischen Union nicht gut genug. Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll die Aurach (hier in Herzogenaurach) ökologisch verbessert werden. © Foto: Athina Tsimplostefanaki


Die zahlreich erschienenen Gäste würde Ulrich Fitzthum am liebsten gleich abfotografieren. „Das Bild würde ich sofort nach Brüssel schicken“, freut sich der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Nürnberg über die große Resonanz. „Genauso hat man es sich damals dort vorgestellt.“

Damals heißt: im Jahr 2000, als die Europäische Union die Wasserrahmenrichtlinie verabschiedete und darin das Wasser unter besonderen Schutz stellte. Seitdem sind alle Mitgliedstaaten dazu verpflichtet, ihre Gewässer in einen ökologisch guten Zustand zu bringen.

Die Aurach aber verfehlt diese Qualitätsstandards. Fischfauna und Gewässerstruktur – ein Gutachten bescheinigt beiden Komponenten Defizite und verpasst ihnen ein „mäßig“. Schulnote zwei, ein guter ökologischer Zustand, muss her. Die Wasserwirtschaftsämter in Nürnberg und Ansbach haben unlängst reagiert und einen ersten Entwurf ausgearbeitet.

Gefüllte Aula

Zurück in der Aula der Carl-Platz- Schule: Über 120 Anwesende haben sich versammelt. Landwirte, Naturschützer, Fischereivereine, Triebwerksbetreiber sowie Landrat und Kommunen. Sie alle lauschen Stefan Bertelmann, der durch den Abend führt und die einzelnen Ideen des Konzepts erläutert.

„Wir müssen das Gewässer gar nicht überall verbessern“, erklärt er. „Es reicht, bestimmte Bereiche zu aktivieren, die ihre positive Wirkung auf den Rest ausstrahlen.“ Dieses „Strahlwirkungskonzept“ sei in der Aurach allerdings noch nicht gut genug umgesetzt. Eine weitere entscheidende Maßnahme betrifft dagegen die Durchgängigkeit an Staustufen und Fluss-Sperren. Die Querbauwerke des Flusses tragen allesamt den Status „nicht durchgängig“. „Die Wiederherstellung dieser Passierbarkeit für Fische hat aus fachlicher Sicht höchste Priorität.“

Was konkret?

Doch im Publikum regt sich schnell Widerstand. „Man hätte uns auch früher mit einbinden können“, lautet etwa ein Vorwurf. Einige sehen ihre Interessen nicht ausreichend gewahrt („eine massive Beeinträchtigung für die Landwirtschaft“). Anderen ist der Ansatz nicht ganzheitlich genug, die Maßnahmen befinden sie als zu unkonkret. „Was soll ich denn jetzt genau in meinem Bereich machen?“, fragt ein älterer Herr.

Und auch die kolportierten Summen, die das Umsetzungskonzept vorsieht, seien ein Unding. „Das sind Kosten von vielleicht 40 000 Euro, die wir dann aus reinem ökologischen Gewissen tragen müssten“, beklagt sich ein Kraftwerksbesitzer.

Ulrich Fitzthum versucht umgehend zu schlichten. „Es geht hier doch nicht darum, irgendjemandem teure Maßnahmen aufzuzwingen“, beschwichtigt er. Vielmehr handle es sich um eine erste fachliche Einschätzung, die als Grundlage für weitere Diskussionen dienen solle. Eine exakte Umsetzung solcher Vorschläge sei sowieso selten.

Sanktionen drohen

„Und was passiert, wenn sich alle weigern, die Maßnahmen durchzuführen?“ Der Einwand einer Zuschauerin markiert den vielleicht kritischsten Moment des Abends. Sogar Bürgermeister German Hacker greift sich das Mikrofon und sichert dem Wasserwirtschaftsamt zu: „Leer geht es trotzdem nicht nach Hause. Auch die Stadt besitzt Flächen. Und wir setzen uns auf jeden Fall für diese Maßnahmen ein.“ Darüber hinaus baue man natürlich auf die vielen Privatpersonen. „Für die ist erstmal gar nichts verbindlich, aber wenn wir das Gewässer nicht bis spätestens 2027 verbessern, gibt es Ärger mit der EU“, warnt Fitzthum. Ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland sei dann etwa denkbar.

Erst gegen Ende der dreistündigen Veranstaltung beruhigen sich die Gemüter langsam wieder. Bis zum 15. März können sich alle Beteiligten mit konkreten Verbesserungsvorschlägen an das Wasserwirtschaftsamt wenden. Im Laufe des kommenden Sommers soll dann ein abgestimmtes Umsetzungskonzept präsentiert werden. „Anschließend dauert es etwas, bis die Maßnahmen ihre Wirkung entfalten“, räumt Ulrich Fitzthum noch ein. „Aber so viel fehlt ohnehin nicht, um der Natur auf die Sprünge zu helfen.“

Und was hält der Fischereiverein, der als einer der ersten auf die Defizite aufmerksam gemacht hatte, von dem vorgestellten Entwurf? „Es ist der richtige Weg, die einzelnen Vorschläge sind gut“, sagt zweiter Vorsitzender Robert Bretting. „Aber es bleibt fraglich, ob die Maßnahmen überhaupt schnell genug umgesetzt werden können.“

OLIVER KOPRIVNJAK

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