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Sonntag, 23.02.2020

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Eine Nummer zu groß für Limbach?

Kritik an Ansiedlung eines Logistikunternehmens - 30.11.2019 06:57 Uhr

Mehr als 60 Bürger waren ins Pommersfeldener Rathaus gekommen, um zu hören, was im Gewerbegebiet Limbach geplant ist. Der Name des Unternehmens, das sich dort ansiedeln will, wurde allerdings nicht genannt. © Foto: Andrea Rudolph


Der Bürgermeister ging eingangs auf die 20-jährige Geschichte des Gewerbegebietes – das einzige in der Gemeinde – und die "allgemein sehr positive Entwicklung der Gewerbesteuereinnahmen" ein. Er lehnte zunächst kritische Zwischenfragen ab, appellierte an einen respektvollen Dialog und bat um Vertrauen: "Der Gemeinderat hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, bisher wurden alle Beschlüsse einstimmig gefasst."

Die Angst sei bereits vor 20 Jahren groß gewesen, doch keine der Befürchtungen habe sich bewahrheitet. Nun müsse der Bebauungsplan geändert werden, da die ursprünglich vorgesehene Ringstraße aufgrund der Größe des geplanten Logistikbetriebes nicht mehr benötigt werde, und die Ver- und Entsorgungsleitungen sowie ein Regenrückhaltebecken verlegt werden sollen. Das geplante Gebäude sei nicht höher eingeplant als die bestehende Bebauung nebenan, so der Bürgermeister mit Verweis auf die Höhenlinien in einer Planskizze, und auch an den Festsetzungen zu Abstandsgrenzen oder dem Lärmschutz habe sich nichts geändert.

"Keinesfalls auf Kosten der Bürger"

"Die Anbindung des Gebietes wird wie bisher über den Zubringer zur B 505 erfolgen", versprach Beck. Sollte es so nicht funktionieren, müsse eben nachgebessert werden, beispielsweise durch einen Kreisverkehr oder eine Ampel – aber keinesfalls auf Kosten der Bürger, betonte der Rathauschef.

Am Ende seines Vortrags übte er Kritik an einigen Kritikern, die nicht namentlich zum Protest aufgerufen hatten, sondern nur allgemein als "die Limbacher". Auf die erste Frage, ob eine Erweiterung des Gewerbegebietes geplant sei, antwortete er: "Nein, derzeit nicht. Der Investor hat keine weitere Option."

Ob sich das Ortsbild verändere? Dies hält Hans Beck für keine Gefahr und sprach von vielen möglichen Gegenmaßnahmen wie einem Erdwall als Sichtschutz.

Weitere Fragen zielten auf die Anfahrt während der Bauarbeiten für die Leitungsverlegung und das Regenrückhaltebecken sowie auf das dauerhafte Verkehrsaufkommen: Es war von täglich bis zu 30 anliefernden Lkw zwischen 23 und 12 Uhr zu dem im Dreischicht-Betrieb arbeitenden Unternehmen mit voraussichtlich 130 Mitarbeitern die Rede; hinzu kommen zig kleinere Fahrzeuge, die die Waren direkt an den Verbraucher ausliefern sollen.

Angesprochen wurden auch die notwendigen Parkflächen und das vereinfachte Verfahren der Bebauungsplanänderung. "Die Grundzüge der Planung sind nicht beeinträchtigt", so der Geschäftsführer der Gemeinde, Fedor Glinka, und verwies auf entsprechende Rücksprachen mit dem Landratsamt zu allen möglichen Details. Dennoch habe jeder die Möglichkeit, bis 9. Dezember seine Meinung abzugeben.

Ein Bürger hielt die Pläne und den Investor selbst für eine Nummer zu groß, dieser spiele in einer anderen Liga und habe wohl der Gemeinde die neuen Festsetzungen im Bebauungsplan diktiert. Der Bürgermeister wehrte sich gegen die Aufforderung, den Namen des Unternehmens – es fiel mehrfach der Name Amazon – und die Gründe für Gespräche mit Grundstücksbesitzern über den möglichen Ankauf von Flächen, die an das Gewerbegebiet angrenzen, zu nennen.

Weitere Anfragen von Betrieben

Diese Verhandlungen haben nach Angaben mehrerer Zuhörer im Ort für viel Unmut gesorgt: "Verkauft uns doch nicht für dumm!", hieß es und auf hartnäckiges Nachfragen antwortete Beck: "Wir müssen als Gemeinde auch weiterdenken und wir hatten weitere Anfragen von Betrieben, die aber mittlerweile abgelehnt wurden."

"Wir brauchen diese wertvolle Fläche für unsere eigenen Betriebe und sollten sie nicht an einen internationalen Konzern verschleudern", meinte ein Zuhörer. "Was ist für uns der Nutzen?", fragte ein anderer, was der Bürgermeister mit "ortsnahen Arbeitsplätzen" beantwortete.

Man habe ja jahrelang versucht, heimische Betriebe dort oben anzusiedeln, aber leider ohne Erfolg, erinnerte Gemeinderätin Angela Nusser. Und ihr Kollege Robert Fritsch fügte hinzu, dass immer ein Restrisiko bleibe und man niemals eine Garantie für den langfristigen Erfolg der angesiedelten Unternehmen habe.

ANDREA RUDOLPH

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