Eine Verfassung muss lebendig bleiben

30.11.2016, 08:57 Uhr
Landtagsabgeordnete Alexandra Hiersemann (SPD) appellierte an die Schüler, tagtäglich für die Verfassungswerte einzutreten.

Landtagsabgeordnete Alexandra Hiersemann (SPD) appellierte an die Schüler, tagtäglich für die Verfassungswerte einzutreten. © Foto: Matthias Kronau

Auch wenn es wohl eine Bitte des Kultusministeriums gewesen ist, dass an den Schulen Aktionen zum 70-jährigen Bestehen der Bayerische Verfassung durchgeführt werden, so nannte es die Landtagsabgeordnete Alexandra Hiersemann doch „eine tolle Idee“, die gestern am Gymnasium umgesetzt wurde.

Eineinhalb Stunden wurden die rund 150 Schüler der 11. Jahrgangsstufe in der Aula über die Nachkriegszeit informiert. Eine schwierige Zeit, in der die Bayerische Verfassung in hohem Tempo entstand, so Hiersemann. Nur 15 Sitzungen der Landesversammlung waren nötig, um das Werk in neun Monaten hinzubekommen. „Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, wie lange heutzutage an Verordnungen gearbeitet wird, die die Welt vielleicht nicht braucht.“

Aber es war auch eine andere Zeit, erschüttert vom vergangenen Weltkrieg, von Not und Ungewissheit. Die Bayerische Verfassung bildete ein solides Gerüst, wie die künftige Gesellschaft funktionieren sollte: Demokratie mit sozialen und christlichen Werten, fortschrittlich waren allemal die direkten Mitbestimmungsmöglichkeiten der Bürger via Volksbegehren und Volksentscheid. Der amtierende Ministerpräsident Wilhelm Hoegner gilt noch heute als „Vater der Bayerischen Verfassung“.

Das gesellschaftlich-politische Umfeld, in der die Verfassung entstand, skizzierte Herbert Sirois, Akademischer Oberrat am Lehrstuhl für Neuere Geschichte II der Uni Erlangen. Insbesondere die Besetzung Bayerns durch amerikanische Truppen habe einen wesentlichen Einfluss auf das Leben und Denken in jener Zeit gehabt. Der Weg von gewollter Feindseligkeit und Distanz der US-Soldaten hin zu Kooperation und freundlicher Begegnung sei ein komplizierter Prozess gewesen.

Auch bei einer kurzen szenischen Lesung (linkes Bild, von links: Kilian Hacker, Leonie Umminger, Jan Schmalenberg, Nicole Mikula, Johannes Bellmann) wurde an die letzten Kriegstage und die Nachkriegszeit gedacht. Herbert Sirois (rechts) erläuterte, wie stark die US-Besatzung das Alltagsleben der Bevölkerung prägte.

Auch bei einer kurzen szenischen Lesung (linkes Bild, von links: Kilian Hacker, Leonie Umminger, Jan Schmalenberg, Nicole Mikula, Johannes Bellmann) wurde an die letzten Kriegstage und die Nachkriegszeit gedacht. Herbert Sirois (rechts) erläuterte, wie stark die US-Besatzung das Alltagsleben der Bevölkerung prägte. © Foto: Matthias Kronau

Mit Blick auf amerikanische Demokratietradition bat der Herzogenauracher Herbert Sirois die Schüler um Vertrauen. „Die Amerikaner haben schon andere Präsidenten überstanden.“ Dazu muss die amerikanische Verfassung ihre Kraft beweisen, so wie es die bayerische künftig weiterhin tun soll. „Es ist unsere Aufgabe, die Werte der Bayerischen Verfassung zu verteidigen, mit Argumenten, mit Bildung und unserer Rechtsordnung“, sagte die Landtagsabgeordnete Hiersemann. Sie wünschte sich Schüler, die „ab und zu einen Blick in die Verfassung werfen“.

Das wäre wohl auch im Sinn der Geschichts- und Sozialkundelehrer Karin Both-Kowalski, Christine Henninger, Nicole Steidl, Andrea Kirchner-Seul, Stefan Regenfuß und Rolf Kraus, die den Tag der Verfassung organisiert hatten. Sie freuten sich auch über den Besuch von Bürgermeister German Hacker und Landrat Alexander Tritthart, die ebenfalls dafür plädierten, immer wieder den Wert einer demokratischen Verfassung neu zu entdecken.

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