Emotionen in Höchstadt: Stadträte diskutieren über Eishalle

21.10.2020, 06:00 Uhr
Damit die Mitgliedes des Eis- und Schwimmsport-Clubs auch in Zukunft ihre Pirouetten drehen können, muss das Stadion am Kieferndorfer Weg saniert werden. Pläne für einen Neubau liegen wegen Corona auf Eis: Das hat im Stadtrat für eine emotionale Diskussion gesorgt.

Damit die Mitgliedes des Eis- und Schwimmsport-Clubs auch in Zukunft ihre Pirouetten drehen können, muss das Stadion am Kieferndorfer Weg saniert werden. Pläne für einen Neubau liegen wegen Corona auf Eis: Das hat im Stadtrat für eine emotionale Diskussion gesorgt. © Archiv: Helmut Hollfelder

Und Alexander Schulz weiß nicht, ob er lachen oder weinen soll. Der Fraktionssprecher der CSU fühlt sich auf den Arm genommen. Als "Totengräber des Eissports" sei er verunglimpft worden als er sich Ende 2019 für einen ergebnisoffenen Prozess ausgesprochen habe statt direkt für einen Neubau zu plädieren.

Inzwischen habe der Bürgermeister "komplett unsere Argumentation übernommen" und spreche sich dafür aus, die alte Halle einer Frischekur zu unterziehen. Pläne für einen Neubau liegen wegen Corona auf Eis und die Debatte beginnt von vorn. Für knapp 5 Millionen Euro soll die Kältetechnik der Halle modernisiert werden, damit ein Betrieb in den nächsten Jahren möglich bleibt. Dazu ist auch ein Anbau nötig. "Es ist ja kein Staatsgeheimnis, dass wir aufgrund der Pandemie und wegbrechender Gewerbesteuer-Einnahmen finanziell gerade nicht in der Lage sind, an einen 15 Millionen Euro teuren Stadion-Neubau zu denken", sagte Brehm. "Deshalb müssen wir andere Möglichkeiten ausloten."

Bekanntgabe im kommenden Jahr

Jetzt setzt der Stadtrat wieder auf das Bundesprogramm "Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur". 400 Millionen Euro aus dem Corona-Konjunkturpaket sind im Topf – bis 30. Oktober kann die Stadt eine Bewerbung einreichen. Das hatte sie in zwei vorherigen Runden auch getan, war aber jeweils leer ausgegangen. "Ich erwarte fast, dass wir als Mittelzentrum diesmal gefördert werden", meint Brehm. Im ersten Quartal des kommenden Jahres ist mit einer Bekanntgabe der ausgewählten Projekte zu rechnen.

Geld aus Berlin gibt es nur für Sanierung, nicht für einen Neubau – denn der Bundesanteil der Förderung soll zwischen 0,5 und 3 Millionen Euro liegen. "Wenn wir zu viel ansetzen, haben wir keine Chance", schätzt Brehm. Deshalb hat das beauftragte Ingenieurbüro die notwendigen Arbeiten auf die Kältetechnik begrenzt. Dach, Photovoltaikanlage und Beleuchtung sind nicht eingerechnet und schlagen zusätzlich mit etwa 2,9 Millionen Euro zu Buche. Sie sollen als Bauabschnitt zwei und drei in andere Förderprogramme eingebracht werden.

"Keine Wohlfühloase"

Die Eishalle am Kieferndorfer Weg stammt aus dem Jahr 1977/78. Aufgrund veralteter Technik war es 2018 zu einem Austritt von Ammoniak gekommen. "Aus einem alten Stall kann man keine klimatisierte Wohlfühloase machen", meinte AfD-Stadtrat Christian Beßler.

Trotzdem bräuchte es aktuell aufgrund der Lage eben einen Plan B. "Es wird eine Kompromiss-Lösung sein", betonte auch Axel Rogner (FW). Der Gründer des Höchstadter Eishockey Clubs hat Jahrzehnte in der Eishalle verbracht. "Wenn wir die Möglichkeit haben, Zuschüsse zu bekommen, müssen wir diese auch mitnehmen." Obwohl er persönlich betroffen ist, plädierte Rogner im Stadtrat dafür, "Polemik und Emotionen aus der Debatte zu nehmen". Und der Bürgermeister wandte sich an Alexander Schulz: "Es liegt mir fern jemanden zu ärgern." Schon im Dezember 2019 sei der Entschluss für einen Neubau unter dem Vorbehalt gefallen, dass sich eine Finanzierung vernünftig realisieren lasse.

Die Entscheidung sich jetzt um Geld aus dem Fördertopf zu bewerben fiel am Ende einstimmig.

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