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Erfindung aus Röttenbach macht Autobahn schnell wieder frei

Weber Metallbau sorgt dafür, dass beim Abbau von Schilderbrücken nur kurz gesperrt werden muss - 03.09.2020 15:34 Uhr

Noch läuft der Verkehr, aber der Spezialkran wird schon zum Abheben der Schilderbrücke vorbereitet. Kurz darauf sperrt die Polizei die Autobahn für wenige Minuten, und die Brücke ist weggehoben. Das geht so schnell, weil zuvor der „Weber-Heber“ die Stahlmasten vom Betonfundament gelöst hatte. Das Bild stammt von einer Rückbaumaßnahme an der A 3 im August.

© Foto: Weber Metallbau


Der Röttenbacher Metallbaumeister ist schon seit elf Jahren für die Autobahndirektion Nordbayern tätig und baut unter anderem immer wieder Schilderbrücken ab. 150 Stück hat er bereits abmontiert. Bei Sanierungen oder Ausbaumaßnahmen ist das nötig, wie etwa aktuell bei der A 3, oder bei Beschädigungen.

Das Problem: Hierfür benötigte man für eine Schilderbrücke bisher mindestens zwei nächtliche Sperrungen der Autobahn.

Vor eineinhalb Jahren trat die Autobahndirektion an den Stahlspezialisten heran und fragte, ob er nicht an einer Möglichkeit arbeiten könnte, dass dieses Abbau-Prozedere schneller vonstattengehe. Weitere Aufgabenstellung: Bei der traditionellen Methode gingen Fundamente und Brückenstützen meist kaputt. Ob es nicht vielleicht einen Weg gebe, den Abbau schonender für das Material hinzukriegen?

Der "Weber-Heber"

Weber machte sich daran und tüftelte gut eineinhalb Jahre lang an einem Prototyp. Das Ergebnis: eine "Hubvorrichtung und Verfahren zum Herausziehen eines in einem Fundament verankerten Masts oder einer Stütze". Oder ganz kurz: der "Weber-Heber", wie er scherzhaft genannt wird. Mit diesem Hebewerkzeug aus Spezialstahl verkürzt sich die Arbeitszeit auf rund 40 Minuten. Mitunter könne er die zwischen acht bis zehn Tonnen schweren Schilderbrücken sogar alleine abbauen, versicherte er. Und nicht nur Schilderbrücken können weggehoben werden, sondern allerlei andere Masten, die auf einem Betonfundament stehen.

Bei einer Vorführung im Mai demonstrierte die Firma Metallbau Weber, wie der „Weber-Heber“ funktioniert.

© Foto: Niko Spörlein


Der "Weber-Heber" wurde bereits im Mai der Autobahndirektion präsentiert, und im Auftrag der privaten Unternehmensgruppe, die die A 3 ausbaut, wurden im August gleich drei Schilderbrücken zwischen der Autobahnauffahrt Frauenaurach und Erlangen-West abgebaut. Und zwar in rekordverdächtiger Zeit von 35 Minuten.

Den "Weber-Heber" darf man sich als mächtigen Wagenheber vorstellen. Gleichwohl steckt in jedem seiner Hebevorrichtungen eine hydraulische Kraftentwicklung von bis zu 100 Tonnen. Die Heber werden am unteren Fundament der Schilderbrücke angesetzt, ein Spezialbolzen greift unter das Bauwerk und reißt quasi den Stahlbetonträger aus seiner Verankerung. Durch Handhydraulik schaffen das die Arbeiter mit eigener Muskelkraft.

Bilderstrecke zum Thema

Abriss bei Mondschein: Brücke an der A3 muss weichen

Die alte Betonbrücke über die Autobahn A 3, die zwischen den Ausfahrten Erlangen West und Höchstadt Ost von Niederlindach nach Röttenbach führt, musste für den sechsspurigen Ausbau den Abrissbaggern weichen.


Damit die Schilderbrücke bei diesem Vorgang nicht umfällt, wird unterhalb ein Bolzenwerk angeflanscht. Steht die Schilderbrücke dann frei, komme ein Spezialkran zum Einsatz. Nur für diese letzten Arbeiten müsse die Autobahn kurz gesperrt werden, erzählte Manfred Weber, der diese neuartige Abbaumethode schon gut zehn Mal durchgeführt hat.

So ein Gerät gebe es in dieser Form weltweit nicht, deshalb meldete Manfred Weber über den Erlanger Patentanwalt Dr. Ing. Wolfgang Gassner seine gewerblichen Rechte an; das Verfahren am Europäischen Patentamt ist derzeit noch im Laufen.

Der Erfinder Manfred Weber in seiner Werkstatt, hier entstand der Prototyp des „Weber-Hebers“.

© Foto: Niko Spörlein


"An einem solchen Werkzeug wird man zukünftig weltweit nicht herumkommen", ist sich Manfred Weber sicher; im Herbst soll noch eine Abbruchvorführung mit dem Präsidenten der Autobahndirektion stattfinden.

Die Firma Weber Metallbau GmbH beschäftigt aktuell bis zu zehn Mitarbeiter und will im Hinblick auf die seiner Meinung nach ganz rasant steigende Nachfrage seinen Betrieb vergrößern.

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