Dienstag, 22.10.2019

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Erlangen-Höchstadt: Kinderschutzbund sucht Telefonhelfer

Was müssen die Ehrenamtlichen mitbringen? - 20.09.2019 13:00 Uhr

Manchmal kann es helfen, wenn jemand einfach nur zuhört. Auch der hiesige Kinderschutzbund beteiligt sich deshalb mit Ehrenamtlichen an Beratungstelefonen. © Archivfoto: Ralf Rödel


Ihren richtigen Namen soll man nicht in der Zeitung lesen, ist es doch eines der Grundprinzipien des Eltern- und auch des Kinder- und Jugendtelefons, das der Kinderschutzbund ebenfalls betreut, dass auf beiden Seiten Anonymität gewahrt ist.

Ein- bis zwei Mal pro Monat haben die Berater Telefondienst, zu festen Zeiten sind sie dann mit Ehrenamtlichen aus weiteren rund 40 Kontaktstellen für Anrufer aus ganz Deutschland da. Die Telekom vermittelt zentral an gerade freie Berater.

"Wer hier am Telefon sitzt, muss gut zuhören können", sagt Müller. Und ein gewisses Maß an Empathie mitbringen. Nicht erwartet wird hingegen, für jedes Problem der Anrufenden sofort die 100-prozentige Lösung parat zu haben. "Zu denken, dass man bei Problemen wie etwa Mobbing den perfekten Rat geben kann, wie man den ganzen Schlamassel auf einen Schlag los wird, wäre auch vermessen", so Müller.

Es gehe eher darum, im Gespräch herauszufinden, was das Hauptproblem der Person sei. "Oft bringen die Menschen ja eine ganze Menge Baustellen mit", weiß die Ehrenamtliche aus Erfahrung. Gut sei es dann, wenn man sich gut in andere Menschen "reindenken" könne.

Einige "Klassiker" begegnen den Beratern bei ihrer Arbeit immer wieder. Die Elf- bis Zwölf- und 16- bis 17-Jährigen zum Beispiel, die sich aus dem Familienleben komplett ausklinken und ihre Zeit nur noch vor dem PC verbringen. Fragen zu Schwierigkeiten mit Kleinkindern hingegen kämen seltener als früher zur Sprache: "Junge Eltern versorgen sich vermehrt im Internet mit Informationen", beobachtet Müller.

Ist dann Klarheit und Struktur in den Problemkomplex gebracht, ist es möglich, die Ratsuchenden per Online-Beratungsführer an die passenden Ansprechpartner weiterzuvermitteln: "Das können Beratungsstellen sein oder auch Selbsthilfegruppen."

Den Frust von der Seele reden

Vielen, das hat Müller im Lauf der Jahre erfahren, geht es aber gar nicht um eine Lösung ihres Problems, sondern darum, sich einfach mal den Frust von der Seele reden zu können. "Danach geht es ihnen besser", weiß die ehrenamtlich Engagierte.

Schön sei, dass man bei diesem Angebot Zeit habe. Jeweils zwei Stunden ist das Telefon freigeschaltet und solange kann das Gespräch theoretisch auch dauern. "Das ist anders als bei getakteten Terminen zum Beispiel in einer Beratungsstelle." Eine Therapie freilich könne das Telefonat nicht ersetzen. "Und soll es vor allem auch nicht", sagt Müller.

Vorbereitet werden die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem 72-stündigen Lehrgang. Darin geht es um die Werte des Kinderschutzbundes, zu denen sich die Berater bekennen müssen, grundlegende Erziehungsfragen und Gesprächstechniken. "Und das sind Dinge, von denen man dann durchaus auch im Privatleben profitiert", wie Annemarie Müller sagt.

Nach der Ausbildung werden die Berater ebenfalls nicht alleingelassen: Einmal pro Monat ist eine verpflichtende Supervision angesetzt, bei der es um belastende Gespräche aus den vergangenen Wochen geht oder auch um Telefonate, bei denen man im Nachhinein nicht sicher ist, ob man richtig reagiert hat.

InfoDer nächste Lehrgang für alle, die sich beim Elterntelefon oder auch dem Kinder- und Jugendtelefon engagieren wollen, startet am 25. Oktober. Infos und Anmeldung unter www.kinderschutzbund-erlangen.de oder = (0 91 31) 20 91 00. Wie und wann die Beratungstelefone zu erreichen sind, steht auf der Internetseite www.nummergegenkummer.de

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