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Erlangen-Höchstadt: Stehen Friseure vor dem Aus?

Vele Betriebe könnten die Pandemie nicht überstehen - 23.01.2021 13:57 Uhr

Mahnwache mit Grablichtern vor dem geschlossenen Laden: Das Team des Münchauracher Friseurgeschäfts „Haareck“ protestiert gegen den fortgesetzten Lockdown, der die Friseurbranche vor existenzbedrohende Probleme stellt.

22.01.2021 © Foto: Richard Sänger


Der Ärger darüber und die Sorge vor dem finanziellen Aus der Friseurbetriebe wachsen mindestens genauso schnell wie die Haarpracht. Bereits zum zweiten Mal seit Beginn der Pandemie dürfen die Friseure bundesweit nicht öffnen – eine Katastrophe für die Branche.

Keine Perspektive

Bis mindestens 14. Februar müssen auch Friseursalons geschlossen bleiben, ebenso Kosmetik-, Nagel- und Sonnenstudios, Theater oder Baumärkte. Aktuell gibt es zur Wiedereröffnung keine konkrete Perspektive. Ginge es nach Michaela Prücklmeier vom "Haareck" in Münchaurach, hätten sie und ihre Kollegen längst wieder losgelegt. Sie hält große Stücke auf die Hygienekonzepte ihrer Branche – und glaubt nicht, dass sich Friseursalons zu Corona-Brennpunkten entwickeln könnten.

Kein Ansteckungsfall bekannt

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Sie wisse trotz bester Vernetzung über ihren Verband von keinem Friseurbetrieb "wo eine Kundin sich angesteckt hat oder der Friseursalon geschlossen werden musste, weil wir uns bei den Kunden angesteckt haben". Dass sie jetzt wieder schließen mussten, ärgert sie deshalb besonders. Sie verweist darauf, dass die Friseure strikte Hygieneauflagen befolgen, zu denen auch die Auflistung der Kundenadressen gehört.

Rückschläge und Zuversicht

Es ist ein Hin und Her zwischen Rückschlägen und Zuversicht, wie das Beispiel aus dem "Haareck" zeigt. Denn die Haare wachsen auch im Lockdown. Sabine Götz und Michaela Prücklmeier vom "Haareck" hoffen, dass ihre Zunft baldmöglichst wieder arbeiten darf. In ihren Augen haben die Friseure vor dem Lockdown alles dafür getan, die Hygieneregeln umzusetzen: "Es gab keine Probleme. Wir haben sogar Sachen angeschafft, um Bürsten zu desinfizieren." Beide befürchten, dass es nach der Pandemie weniger Handwerksbetriebe geben wird.

Der Frust ist riesig

Der Frust unter den Friseuren ist gerade riesig: "Jens Spahn hat im September noch gesagt, dass man mit dem Wissen von heute keinen Friseur und Einzelhandel mehr schließen würde, und doch sind wir seit Wochen wieder zu", sagt Sabine Götz ratlos. "Das ist eine Schweinerei", meint Michaela Prücklmeier. Überall lese sie, wie man sich seine Haare selbst schneiden und frisieren könne, während die Profis seit dem 16. Dezember die Hände stillhalten müssen. Sie wundert sich, dass Fußballprofis, Politiker und der Gesundheitsminister immer gestylt unterwegs sind. Sabine Götz fürchtet aktuell um ihre Existenz.

Hilfen fließen nicht

Die versprochenen Corona-Hilfen fließen nicht. Wenn das so weitergehe, könnte es in vielen Salons dauerhaft zappenduster bleiben. "Viele Friseure werden es nicht bis März schaffen", ist sich Michaela Prücklmeier sicher. Sie schätzt, dass mindestens 30 Prozent die Pandemie nicht überleben werden. Selbst ihr Steuerbüro habe gerade Probleme, die Überbrückungshilfe zu beantragen, weil sich die Kriterien ständig verändern würden, erklärt Sabine Götz.

Schwarzarbeit auf Ebay

Friseur-Schwarzarbeit werde derzeit dreist auf Ebay angeboten. Doch für sie sei das keine Option. Der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks vertritt 14 000 selbstständige Friseure. Der Verband befürchtet, dass die Schwarzarbeit boomt. Aber: Bei heimlichen Hausbesuchen gebe es keine Regeln und schon gar kein Hygienekonzept.

Ohnehin war das Jahr fürs Friseurhandwerk mehr als schlecht: Erstkommunion, Ostern, Bälle, Hochzeiten – alles Gründe für einen ordentlichen Haarschnitt, die weitgehend entfielen. Immerhin: Haare wachsen nach, und irgendwann müssen sie ab.

RICHARD SÄNGER

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