Erlangen-Höchstadt: Wo der Biber in die Falle tappt

16.2.2021, 06:00 Uhr
Der Biber ist ein reiner Pflanzenfresser. 100 bis 120 Tiere gibt es im Landkreis Erlangen-Höchstadt, einige werden gefangen und getötet.

Der Biber ist ein reiner Pflanzenfresser. 100 bis 120 Tiere gibt es im Landkreis Erlangen-Höchstadt, einige werden gefangen und getötet. © Foto: imago/Reiner Bernhardt

"Das ist richtig", bestätigt Johannes Marabini von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt. Wer Dämme oder Biberburgen einfach beseitigt, muss sogar "mit empfindlichen Strafen" rechnen.

An fünf Standorten im Landkreis Erlangen-Höchstadt hat die Behörde allerdings selbst Fallen aufgestellt. "Das passiert immer dann, wenn eine Gefährdung vorliegt oder erhebliche wirtschaftliche Schäden zu erwarten sind", erklärt Marabini. Für diese sollen Landwirte jetzt auch besser entschädigt werden.

In der Biberrutsche

Aber warum am Lappacher Weg? Hier sind doch keine Spuren zu sehen? Da kann Marabini nicht zustimmen. Die Falle sei in einer so genannten "Biberrutsche" platziert – also genau in einem Übergang zwischen zwei Teichen, die das Tier gerne nutzt. Entsprechende Spuren seien zu finden. Und auch wenn sich an den Bäumen noch kein Verbiss zeigt, hieße das nicht, dass der Nager nicht unterirdisch längst schwer aktiv sei.

Neue Reviere gesucht

"Biber bauen nicht nur Burgen, sondern legen ein ganzes System von Röhren an", erklärt Marabini. "Da gibt es Fluchtröhren, Nahrungsröhren, Lagerröhren." Werden die Dämme der Teiche derart unterhöhlt, besteht die Gefahr, dass sie brechen, wenn ein Teichwirt zum Beispiel mit einem Schlepper darüber fährt.

Der Biber ist das zweitgrößte Nagetier der Erde. Die Tiere leben in Einehe zusammen mit zwei Generationen Jungtieren. Ältere Jungtiere werden vertrieben und suchen sich eigene Reviere – wie zum Beispiel das am Lappacher Weg.

Seit 2010 liege die Zahl der Biber im Landkreis relativ stabil bei 100 bis 120 Tieren. Jede Familie besetzt üblicherweise ein Revier von ein bis zwei Kilometern Flusslänge und bevorzugt dabei langsam fließende oder stehende Gewässer. Das Gebiet muss gut strukturiert sein mit Bäumen und Sträuchern, denn das Tier ernährt sich von bis zu 300 Pflanzenarten, bevorzugt Weichhölzern. "Der Biber auf Wanderschaft hat ein gutes Gespür dafür, ob er in einem Areal bleiben will und ob er dort im Winter genug Rinde findet", sagt Marabini.

Bis zu 30 Kilogramm schwer kann der Nager werden. Wenn einer in die Falle geht, wird er weggebracht und erschossen. Vor einigen Jahren noch wurden die Pflanzenfresser umgesiedelt, aber inzwischen wird der Lebensraum knapp. "Es wäre nicht im Sinne des Tierwohls, einen Biber in einem belegten Revier auszusetzen", meint der Fachmann. Konkurrenten würden sich sofort heftig attackieren, so dass es "erhebliche Verletzungen" geben kann.

Schonzeit bis September

Bis Mitte März bleibt die Falle beim Lappacher Weg noch stehen. Dann beginnt die Schonzeit, die bis September geht, und sie muss abgebaut werden. Nur bescheinigte Jagdpächter dürfen das Tier erschießen, wenn es gefangen ist. Verkauft werden darf es anschließend nicht, bei Interesse aber verspeist.

Die ehrenamtlich tätigen Biberberater im Landkreis Lorenz Möhring (Tel. 01 63/4 24 31 20), Heinrich Dietsch (Tel. 01 60/92 57 77 10) und Wilfried Schwarz (Tel. 01 51/20 57 07 87), sind bei Problemen vor Ort gerne behilflich.

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