Böller zum Jahreswechsel?

Feuerwerk-Händler: "Bei einem Verbot hätten wir völlig umsonst gearbeitet"

Claudia Freilinger
Claudia Freilinger

Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach/Höchstadt

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23.11.2021, 14:25 Uhr
War die Arbeit eines ganzen Jahres umsonst? Heiko Röder steht in seinem Lager für Feuerwerkskörper in Schlüsselfeld.

War die Arbeit eines ganzen Jahres umsonst? Heiko Röder steht in seinem Lager für Feuerwerkskörper in Schlüsselfeld. © Röder Feuerwerk, NN

Herr Röder, derzeit werden die Rufe nach einem generellen Feuerwerksverbot an Silvester wieder lauter. Wie beurteilen Sie dies mit Hinblick auf die Corona-Pandemie?

Überflüssig im letzten Jahr, überflüssig in diesem Jahr. Zwei Umfragen unter Feuerwerk-Konsumenten haben in diesem Jahr ergeben, dass sich äußerst wenige Menschen an legalem Feuerwerk verletzen und wenn dann werden diese Verletzungen in den seltensten Fällen im Krankenhaus behandelt und so gut wie nie intensivmedizinisch. Schwere Verletzungen entstehen meist durch illegales Feuerwerk aus dem Ausland oder durch Selbstlaborate. Genaue Zahlen gibt es hierzu nicht. Zwar wäre Deutschland bereits verpflichtet, jährliche Unfallzahlen durch Feuerwerkskörper an die EU-Kommission zu melden, aber da diese Zahlen in Deutschland niemand erhebt, verletzt Deutschland hier seine Pflichten seit Jahren. Das heißt, die Politik hatte im letzten Jahr keine Grundlage für ein Verbot und hat es auch in diesem Jahr nicht.

Was würde ein Verbot für Ihre Firma bedeuten?

Ein Verbot würde bedeuten, dass wir ein zweites Jahr völlig umsonst gearbeitet haben. Ob sich weitere Konsequenzen daraus ergeben hängt davon ab, ob die Politik bei einem weiteren Verbot, ihren Verpflichtungen nachkommt und eine angemessene Entschädigung zahlt. Wir können nicht für das Verschleppen von Entscheidungen der Politik die Büßer sein.

Im vergangenen Jahr kamen die verschärften Vorschriften sehr kurzfristig – welche Konsequenzen haben Sie daraus für 2021 gezogen?

Anders als häufig in der Öffentlichkeit wahrgenommen, arbeiten wir ein ganzes Jahr auf diesen einen Tag Silvester hin. Das heißt die Vorbereitungen erfolgen schon lange. Bei uns als Onlinehandel ist die Lage noch dramatischer, weil bereits seit Ende Oktober Sendungen verpacken und für den Transport zum Kunden vorbereiten.

Als im letzten Jahr die Entscheidung fiel, waren wir bereits zu 90 Prozent mit den Vorbereitungsarbeiten durch. Das heißt, selbst wenn wir vom schlechtesten Fall ausgehen, können wir nicht anders vorgehen als im letzten Jahr. Wir müssen jetzt bereits aufgrund des festen Silvestertermins und der begrenzten Zeit bis dahin die Sendungen vorbereiten. Auch für unseren Laden-Verkauf müssen wir jetzt bereits die Druckaufträge für die Prospekte vergeben. Im letzten Jahr mussten wir palettenweise Prospekte vernichten. D. h. wir können keine Vorkehrungen treffen.

Neben der Corona-Pandemie führen die Befürworter eines Verbot immer wieder auch Argumente wie eine hohe Feinstaubbelastung, Verletzungs- und Brandgefahr an. Hat das Feuerwerk vor diesem Hintergrund eine Zukunft?

Der Feinstaub durch Feuerwerk ist nicht der gleiche wie durch Verkehr und Industrie, das wissen die wenigsten. Feinstaub durch Feuerwerk ist hygroskopisch und tritt daher nur für einen sehr kurzen Zeitraum auf. Schwere Verletzungen gibt es selten und dann sind meist illegale Feuerwerkskörper im Spiel. Ein Verbot von legalem Silvesterfeuerwerk führt also nicht zum gewünschten Erfolg, was die Rettungseinsätze im letzten Jahr beweisen, die nur um ein Drittel zurückgingen, obwohl doch Silvesterfeuerwerk verboten wurde. Meist ist Alkoholmissbrauch die Ursache. Laut einer Forsa-Umfrage in diesem Jahr, sind 80 Prozent der Bürger in Deutschland gegen ein Verbot von privatem Silvesterfeuerwerk. Die vielzitierten alternativen Vorschläge wie Feuerwerk an zentralen Orten sind nicht umsetzbar und sowohl ökologisch als auch pandemisch nicht sinnvoll. Lasershows sind langweilig. Die Menschen wollen selbst etwas anzünden, die Beherrschung des Feuers ist ein Urtrieb des Menschen. Silvesterfeuerwerk ist nicht einfach nur "Böllerei", da lediglich schlappe fünf Prozent des Umsatzes in der Branche durch Böller generiert werden, der überwiegende Teil ist faszinierendes, farbenprächtiges Feuerwerk zum genießen. Die Menschen brauchen diese Freude an Silvester, warum lassen wir es ihnen nicht? Leben und leben lassen!