Firmen fürchten Brexit

22.6.2016, 08:56 Uhr
Der Countdown läuft: Morgen, am Donnerstag, stimmen die Briten über ihre Zukunft in der Europäischen Union ab.

Der Countdown läuft: Morgen, am Donnerstag, stimmen die Briten über ihre Zukunft in der Europäischen Union ab. © Foto: dpa

Die Freizügigkeit gewährleistet die Annahme eines Jobs in einem EU-Land, ohne eine besondere Arbeitserlaubnis – teilt die Europäische Kommission für Beschäftigung, Integration und Soziales mit. EU-Bürgern steht es demnach zu, in einem anderen EU-Land Arbeit zu suchen, zu diesem Zweck dort zu wohnen sowie selbst nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses dort zu bleiben.

Außerdem sollen die Arbeitnehmer hinsichtlich des Zugangs zu Beschäftigung, Arbeitsbedingungen und aller anderen Sozialleistungen und Steuervorteile genauso behandelt zu werden wie die Staatsangehörigen des Aufnahmelandes.

Umzüge noch lockerer

Die Freizügigkeit gilt für Arbeitssuchende, also EU-Bürger, die zwecks Stellensuche in ein anderes EU-Land ziehen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Sie gilt also für EU-Bürger, die in einem anderen EU-Land arbeiten.

Die Firma Proleit, die Automatisierungen und Prozessleitsysteme von der Rohwarenannahme bis zur Fertigproduktausgabe herstellt, kümmert ein möglicher Brexit zunächst nicht. „Leider haben wir in der AG aktuell keine britischen Staatsbürger in Anstellung, daher betrifft uns der möglicherweise bevorstehende Brexit erstmal nicht direkt“, sagt Unternehmenssprecherin Andrea Kramer.

Wen es härter treffen könnte, ist die Schaeffler Gruppe. Als global agierendes Unternehmen beobachte Schaeffler die Entwicklungen in Großbritannien sehr genau, teilt Firmensprecherin Antje Müller den Nordbayerischen Nachrichten mit. Die Schaeffler Gruppe beschäftigt in Großbritannien rund 1100 Mitarbeiter an fünf Standorten. Aber: „Eine genaue Abschätzung der möglichen Folgen eines Brexits ist zu diesem Zeitpunkt nicht möglich.“

Handel wird beeinflusst

Ein Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Gemeinschaft würde Auswirkungen auf den gesamten europäischen Binnenmarkt haben, erklärt sie weiter. „15 Prozent des britischen Bruttoinlandsprodukts entfallen auf den Export von Waren und Dienstleistungen in Staaten der EU, womit der Staatenbund der größte Handelspartner des Vereinten Königreichs ist“, wendet Müller ein.

Es müsste somit wieder neu über die Fragen des Marktzugangs, regulatorische Standards und über die Weiterführung und Ausgestaltung unterschiedlicher Verträge diskutiert werden. „Weitere Risiken sind die Abwertung des britischen Pfunds gegenüber dem Euro sowie eine höhere Inflation.“

Rund 70 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus Großbritannien arbeiten derzeit am Puma-Standort in Herzogenaurach. „Wir beschäftigen derzeit bereits sehr viele Mitarbeiter aus Nicht-EU-Ländern, deren geringere Freizügigkeit keine Auswirkungen auf ihr Arbeitsverhältnis mit Puma hat“, teilt die Pressesprecherin Kerstin Neuber auf Anfrage mit.

Im Falle eines Brexit sei erst einmal abzuwarten, welche genauen Auswirkungen sich daraus ergeben. „Allerdings erwarten wir keine Konsequenzen für die Personalpolitik von Puma, da das Vereinigte Königreich weiterhin ein wichtiger Rekrutierungsmarkt für uns bleiben wird“, sagt Neuber.

Die Firmen adidas und Vipa haben trotz wiederholter Nachfrage der Redaktion keine Auskunft erteilt.

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