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Flurdenkmäler und Steinkreuze ins rechte Licht gerückt

Höchstadter Heimatverein präsentiert Fotografien der steinernen Zeitzeugen im Stadtturm - 29.11.2016 14:00 Uhr

Landrat Tritthart (v. l.), Dekan Kemmer, Reinhard Grasse und Bürgermeister Brehm freuen sich über das Kreuz, das Georg Schockel (r.) restaurieren ließ.

28.11.2016 © Foto: Christian Enz


Man nennt sie Martern, Stein- oder Schwedenkreuze. Zu finden sind sie in Wald und Flur, bunt verteilt im gesamten Aischgrund – die Flurdenkmäler. Viele von ihnen sind eng verknüpft mit sagenumwobenen Begebenheiten. Deshalb, so erinnert sich Reinhard Grasse, war man sich in der Fotogruppe des Heimatvereins sicher, wieder ein ergiebiges Jahresthema gefunden zu haben.

Gemeinsam mit Marterl-Fachmann Georg Schockel wollte man den Charme der steinernen Zeitzeugen einfangen. „Eine gute Idee zur rechten Zeit“, wie Bürgermeister Gerald Brehm zur Eröffnung der Fotoausstellung „Steinernes Erbe“ unterstrich. „Man spürt, dass Flurdenkmäler wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen kommen.“

Voller Elan machten sich Reinhard Grasse (Höchstadt), Wolfgang Kinder (Sambach), Anita Kopp (Höchstadt) und Berthold Raum (Biengarten) im Frühsommer ans Werk. „Doch merkten wir schnell, so einfach ist es nicht. Letztlich geht es immer um einen Haufen alter Steine“, erläuterte Grasse. Doch Schockel gelang es, die seit drei Jahren zusammen arbeitenden Fotografen für die Geschichten und letztlich das Leben einer vergangenen Epoche zu begeistern. „Am Ende zeichnete er uns auf einer Karte 80 Marterln ein und schickte uns los“, erinnert sich Anita Kopp.

„Auf dem ersten Blick sah das relativ bequem aus. Denn die Flurdenkmäler laufen ja nicht weg. Bei der Jagd nach dem perfekten Bild muss man sich also nur nach der Sonne richten“, berichtet Kopp. Doch schnell stellte die passionierte Hobbyfotografin fest, dass echte Pionierarbeit zu leisten war. „Man musste die Flurdenkmäler erst einmal finden. Oft waren sie verborgen in irgendwelchen Gräben oder vollständig überwuchert.“

Nicht alle der von Georg Schockel benannten Steinkreuze haben es in die facettenreiche Ausstellung im Höchstadter Stadtturm geschafft. Gezeigt wird allerdings ein breiter Querschnitt, von der 1999 neu aufgesetzten Dreifaltigkeit in Ailersbach bis zum 2013 mutwillig beschädigten und zwischenzeitlich wieder in Stand gesetzten Höchstadter Galgenberg.

„Jeder von uns hat jedes Objekt abgelichtet. Dann haben wir die Besten ausgesucht“, erläutert Wolfgang Kinder das Prozedere. „Das war spannend, denn jeder von uns hat seine ganz eigene Art einen Moment, eine Stimmung einzufangen.“ Eine ehrenamtliche Fleißarbeit, für die Landrat Alexander Tritthart lobende Worte fand. Schließlich ließe sich nur so das reiche kulturelle Erbe der Region erhalten. Ähnlich sah es Kilian Kemmer, der sich über Heimatpflege freute, die gleichzeitig den Glauben wach hält. „In einer Zeit, in der aus politischen Gründen Kreuze abgelegt werden, ist es besonders wichtig, dass es Menschen gibt, die Kreuze wieder aufrichten“, bemerkte der Dekan.

Georg Schockel ist einer von ihnen. Über 20 Jahre hinweg hatte er das alte Sterpersdorfer Friedhofskreuz in seinem Wohnzimmer. „Mit höchster Wahrscheinlichkeit war dies das erste Kreuz, das im 1879 von der Kirchengemeinde erworbenen Friedhof aufgerichtet wurde“, erläutert Schockel. Bei der Umgestaltung des Friedhofes, so der Experte, war es dann entfernt worden. „Man warf es achtlos in die Hecke, dort lag es dann 30 Jahre – bevor ich es schließlich an mich genommen hatte.“

Auf eigene Rechnung ließ er es restaurieren, bis es schließlich in neuem Glanz erstrahlte. „Doch schließlich wurde mir bewusst, dass es ja gar nicht mir gehört“, bekannte Schockel. Deshalb sollte es der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. Nach zahlreichen Gesprächen fand es nun – ohne in Konkurrenz zum neuen Friedhofskreuz zu treten – seinen Platz vor der Sterpersdorfer Aussegnungshalle. Für die Dauer der Fotoausstellung wird es allerdings im Stadtturm gezeigt.

Besichtigt werden kann die Ausstellung „Steinernes Erbe“ bis 11. Dezember, jeweils samstags von 10 bis 12 Uhr und sonntags von 14 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei – und die Fotogruppe hofft auf zahlreiche Besucher. Auch, weil dabei potenzielle Mitglieder Lust zur Mitarbeit bekommen könnten. „Wir freuen uns über jeden, der mit guten Ideen zu uns stößt. Bis auf eine ordentliche Kamera braucht es dazu keine spezielle Vorbereitung“, betont Kinder.

CHRISTIAN ENZ

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