Gerber- und Färbergasse 

Flutopfer in Höchstadt: "Ich weiß nicht, wie es weitergeht"

17.7.2021, 12:25 Uhr
Braune Brühe im Haus - ein Anblick, den Silvia Eckstein ertragen musste.

Braune Brühe im Haus - ein Anblick, den Silvia Eckstein ertragen musste. © privat, NN

"Ich weiß gar nicht wie es weitergeht", sagt Silvia Eckstein und seufzt. Sie muss laut sprechen, um die Trocknungsgeräte zu übertönen. Zum Schlafen ist sie jetzt unters Dach gezogen - möglichst weit weg vom Erdgeschoss, in das am Samstag die Wassermassen eingedrungen sind. "Die Flut kam gleich durch drei Türen rein", erzählt die 65-Jährige.

Sie hatte Glück, dass sie morgens schon früh auf war, um ihre Zeitung zu lesen. So konnte sie ihr Auto noch wegfahren, bevor die eigentliche Flutwelle kam. "Die wussten doch, dass etwas kommt", sagt sie, "Warum hat uns denn keiner gewarnt?" Eine halbe Stunde lang habe sie nach ihrem Notruf auf die Feuerwehr gewartet.

Mit extra hohen Gummistiefeln verlässt sie schließlich ihr Haus durch den Garten. Die Vordertür geht da schon lange nicht mehr auf. "Sie können sich das nicht vorstellen", sagt sie, "das Wasser kam richtig hereingeschossen - in Wellen, die man sonst nur aus dem Urlaub kennt."

Das Wasser hat im Abstellraum alles durcheinandergebracht.

Das Wasser hat im Abstellraum alles durcheinandergebracht. © privat, NN

40 bis 50 Zentimeter hoch steigt das Wasser im Erdgeschoss. Zwei Bäder, ein Abstell- und ein Geräteraum werden geflutet. Das Wohnzimmer liegt glücklicherweise ein Stockwerk höher. Silvia Eckstein hat schon erfahren, dass ihre Hausratsversicherung wohl nicht zahlen wird. Elementarschäden hatte sie nicht mitversichert.

Wie hoch der Schaden ist, wird ein Gutachter schätzen.

Wie hoch der Schaden ist, wird ein Gutachter schätzen. © privat, NN

In ein paar Tagen kommt ein Gutachter, der die Schäden dokumentiert. "Das haben die Nachbarn mit organisiert", sagt die 65-Jährige. Denn in der Gerber- und Färbergasse sind viele Anwohner betroffen. Wie der Straßenname noch erzählt, lebten hier früher die Arbeiter, die zur Verarbeitung von Tierhäuten die Nähe zum Wasser suchten.

In diesem Haus in der Färbergasse stand das Wasser im Flur.

In diesem Haus in der Färbergasse stand das Wasser im Flur. © privat, NN

Silvia Eckstein ist 1973 hergezogen. Sie hat immer mal wieder erlebt, dass die Pegel steigen. "Aber so etwas konnte sich wirklich niemand vorstellen." Auch ihre Nachbarin Silvia Kratz bekommt immer noch weiche Knie, wenn sie an das viele Wasser denkt. "Durch die Hauswand hat es reingedrückt", erzählt sie. Flur, Esszimmer und Küche blieben nicht verschont. Sie und ihr Mann konnten sich ins Freie retten. "Da musst du schauen, dass du selber rauskommst", sagst sie. "Du hast keine Chance mehr, bist fix und fertig und kannst an nichts mehr denken."

Auch die Stadt Höchstadt unterstützt. Nähere Informationen stehen auf der Internetseite der Stadt.

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