Kulturorte im Landkreis ERH

Fortuna-Kulturfabrik: Ein Veranstaltungshaus für (fast) alle

Hans von Draminski
Hans von Draminski

Redaktion Erlanger Nachrichten

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Von außen sieht man der Höchstadter Kulturfabrik deutlich an, dass hier einmal das produzierende Gewerbe daheim war.

Von außen sieht man der Höchstadter Kulturfabrik deutlich an, dass hier einmal das produzierende Gewerbe daheim war. © Hans von Draminski, NN

Ein Interview mit Bernd Riehlein, dem Boss der von den Höchstadtern kurz "die Fortuna" genannten Kulturfabrik zu führen, ist nicht ganz einfach. Denn in kurzen Abständen klingelt Riehleins Telefon, das für ihn ein wichtiges Werkzeug für reibungsloses Kultur-Management darstellt. Als Leiter des städtischen Sachgebiets 50 ist Riehlein "der Chef eines Kulturamtes, das Höchstadt eigentlich nicht hat", wie er augenzwinkernd und ein wenig kryptisch erklärt.

Der Saal der Fortuna fasst beinahe 300 Menschen. In der Pandemie sind es des Abstandsgebotes halber allerdings viel weniger.

Der Saal der Fortuna fasst beinahe 300 Menschen. In der Pandemie sind es des Abstandsgebotes halber allerdings viel weniger. © Hans von Draminski, NN

Jugendzentrum, Stadtbücherei und VHS

Unter dem Dach der Fortuna sind Jugendzentrum, Stadtbücherei und Volkshochschule unter einem Dach vereint; der großzügige Veranstaltungssaal, der aufgrund einer persönlichen Kulturspende der Firmenpatriarchin Maria-Elisabeth Schaeffler nach ihr benannt wurde, fasst 290 Menschen und darf unter anderem von den Höchstadter Vereinen für ein eher symbolisches Entgelt von 30 Euro genutzt werden.

Vereine und Parteien

In der Phase kurz vor der Bundestagswahl machen davon beispielsweise Parteien, aber auch die Ortsgruppe des Bund Naturschutz (BN) regen Gebrauch. Auch die örtlichen Eishockeyclubs nutzen gerne den Fortuna-Saal, wenn es beispielsweise darum geht, verdiente Vereinsmitglieder in würdigem Rahmen zu ehren. Dauergast ist die Initiative "Pro Musica" mit ihren Kammerkonzerten.

Das Heizhaus vis-a-vis der Fortuna wird unter anderem für Ausstellungen genutzt, der Innenhof davor funktioniert für kleine Open Airs sehr gut.

Das Heizhaus vis-a-vis der Fortuna wird unter anderem für Ausstellungen genutzt, der Innenhof davor funktioniert für kleine Open Airs sehr gut. © Hans von Draminski, NN

Bürgermeister hatte die Idee

Die Idee hatte Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm. Schon 1999 sollte neben der Höchstadter Eishalle ein Jugendzentrum neu gebaut werden. Im Jahr 2000 bekam Brehm Wind davon, dass die erst 1989 vom Schuh-Großfabrikanten Manz übernommene Fortuna-Schuhfabrik zum Verkauf stand. "Er wartete ab, bis der Preis gesunken war - und schlug dann für die Stadt zu", erinnert sich Bernd Riehlein, der schon in der Frühphase den Aufbau eines soziokulturellen Zentrums in den alten Fabrikräumen im Sinn hatte.

Die Arbeitsplätze in der Herzkammer der Fortuna sind individuell gestaltet - und ein Hinweis, dass hier Kulturschaffende tätig sind.

Die Arbeitsplätze in der Herzkammer der Fortuna sind individuell gestaltet - und ein Hinweis, dass hier Kulturschaffende tätig sind. © Hans von Draminski, NN

Grundlegender Umbau

In den Jahren von 2005 bis 2008 wurde die Schuhfabrik grundlegend umgebaut. Die so täuschend echt "alt" aussehende Sichtbetonwand, die Bernd Riehleins Arbeitszimmer vom Büro seines Teams separiert, ist nachträglich eingezogen worden. "Das war zuvor eine Maschinenhalle, in der Schuhe produziert wurden", weiß Riehlein.

Die Treppenhäuser atmen immer noch Fabrikcharme. Das soll auch so sein.

Die Treppenhäuser atmen immer noch Fabrikcharme. Das soll auch so sein. © Hans von Draminski, NN

Subvention dank Mehrfachnutzung

Ursprünglich sollten in den oberen Stockwerken sogar Kunst-Ateliers entstehen. "Aber Zuschüsse für solche Städtebau-Projekte gibt es nur, wenn in die Sanierungsobjekte städtische Einrichtungen einziehen", führt Riehlein aus. Diese Subventions-Vorgabe ist mit der Mehrfachnutzung der "Fortuna" erfüllt.

Der Parkplatz vor dem Fortuna-Gebäude kann auch zum Konzert- und Theaterort umfunktioniert werden.

Der Parkplatz vor dem Fortuna-Gebäude kann auch zum Konzert- und Theaterort umfunktioniert werden. © Hans von Draminski, NN

Minutiös geführte Veranstaltungsliste

Ab Mai 2009 nahm das neue Kulturzentrum den Betrieb auf. Die minutiös über die Jahre geführte Veranstaltungsliste nennt für den Eröffnungsmonat eine Ausstellungseröffnung, ein klassisches Kammerkonzert und einen Aufritt des bekannten Kabarettisten Bernd Regenauer. Dass aus solchen Anfängen eines Tages Kultur-Fixpunkte wie die Höchstadter "Lachnacht" werden sollten, dass das Kulturfabrik-Team heute auch andere Spielorte wie den Schlosshof betreut, war damals noch in weiter Ferne.

Enge Vernetzung

Wichtig ist Bernd Riehlein die enge Vernetzung der Initiativen, das Denken in größeren Zusammenhängen. Großer Vorteil bei der Kulturarbeit: Die Fortuna ist ein Subventionsbetrieb mit städtischer Kostenstelle, das Risiko bei eigenen Veranstaltungen trägt die Stadt.

Stiftkästchen à la AC/DC

Im Musikbetrieb ist Bernd Riehlein ein Stück weit daheim. Auf seinem Schreibtisch steht ein kleines Stift-Kästchen, auf dem in der typischen AC/DC-Frakturschrift "PA PI" steht, ergänzt um den Satz "Never too old to rock" (Niemals zu alt zum Rocken). "Das hat mir meine Tochter geschenkt, die selber Musik macht", erzählt Bernd Riehlein, der Schlagzeug spielt.

Bernd Riehlein an seinem Schreibtisch. Eines der wichtigsten

Bernd Riehlein an seinem Schreibtisch. Eines der wichtigsten "Werkzeuge" des Kulturmanagers ist das Telefon. © Hans von Draminski, NN

Festival am Parkplatz

Schlosshof-Veranstalter Thomas Ackermann hat eigens einen Kulturverein gegründet, um die Fortuna zu Vereinskonditionen nutzen zu können. So wurde es für ihn im Sommer 2021 möglich, den Kulturfabrik-Parkplatz als Interims-Veranstaltungsgelände zu nutzen und das beliebte Schlosshof-Festival auf den Aischwiesen trotz Corona-Einschränkungen durchzuziehen.

Wiederstart im Mai

Die Pandemie, sie hat den Spielplan der Kulturfabrik empfindlich schrumpfen lassen. "Wir konnten erst im Mai wieder anfangen, geplante Veranstaltungen mussten wir absagen", rekapituliert Bernd Riehlein. Immerhin sorgte Corona dafür, dass die Fortuna sich Ausweich-Spielorte wie das Höchstadter Freibad "eroberte", in dem die "Sundowner"-Konzertreihe viele Menschen anzog. Aus der Not geborene Alternativen, welche die Krise überleben könnten.

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