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Freunde der Nacht: Capella funkelt und Orion leuchtet

Reinhard Grimmer hat in Weisendorf den „Astrotreff“ ins Leben gerufen - 03.02.2016 08:57 Uhr

Dort ist Capella am Nachthimmel zu sehen, zeigt Reinhard Grimmer den Sterneninteressierten beim „Astrotreff“.

02.02.2016 © Foto: Edgar Pfrogner


Reinhard Grimmers Teleskop ist ein mächtiges Teil. Es besteht aus drei Komponenten: dem Stativ, der Elektronik und dem eigentlichen Teleskop. Auch mit einiger Übung braucht Reinhard Grimmer noch eine Viertelstunde, bis alles in den Garten gewuchtet und aufgebaut ist. „Astronomie ist wahrlich ein schweres Hobby“, sagt der pensionierte Lehrer schmunzelnd. Denn alles zusammen wiegt rund 50 Kilogramm.

Geboren ist er in Bennstedt bei Halle/Saale, schon der Vater war Lehrer. Reinhard Grimmer trat in dessen Fußstapfen und arbeitete zuletzt als Rektor der Grund- und Mittelschule in Uehlfeld. Für Astronomie hat er sich schon in seiner Kindheit interessiert. „Ich habe immer gerne in die Sterne geschaut.“ Sogar ein Teleskop habe er sich selbst gebaut. Seiner Meinung nach ist Astronomie eines der faszinierendsten Hobbys, die es gibt.

Nach seiner Pensionierung intensivierte er sein Hobby und kaufte sich für 6000 Euro das Elf-Zoll-Teleskop, das jetzt beim „Astrotreff“ auch anderen Interessierten einen Blick in die Sterne ermöglicht.

Wissen weitergeben

Mit seinem Teleskop und einer Kamera fotografiert der Weisendorfer auch,...

02.02.2016 © Foto: privat


Als Reinhard Grimmer beim letztjährigen Kultur-Natur-Wandertag des AK Geschichte und Brauchtumspflege in Weisendorf mit seinem Teleskop beteiligt war, reifte die Idee, einen „Astrotreff“ ins Leben zu rufen. Im Weisendorfer Amtsblatt lud der 66-Jährige in seinen Garten ein. Und tatsächlich: 20 Leute kamen zum ersten Termin und ließen sich von Reinhard Grimmer in die Geheimnisse des Universums einweihen. „Einmal Lehrer, immer Lehrer“, sagt er und lacht. Er habe nach wie vor ein „Sendungsbewusstsein“ und gebe sein Wissen gerne weiter. Kostenfrei natürlich, einfach, weil es ihm Freude macht.

Diesmal sind zehn „Sterngucker“ erschienen. Gespannt blicken sie in den dämmrigen Himmel und hoffen, dass die Wolken ihnen keinen Strich durch die Rechnung machen. „Man ist immer vom Wetter abhängig“, so Reinhard Grimmer. Denn natürlich sieht man nur bei sternklarem Himmel etwas. „Da muss man mitunter auch spontan sein.“ So wie an diesem Abend. Erst kurz vorher hat Reinhard Grimmer den dritten „Astrotreff“ einberufen. Genauso könne es aber auch passieren, dass ein Termin festgelegt sei und kurzfristig abgesagt werden müsse.

Mit dem 32-jährigen Daniel Zimmer, der noch zwei kleinere Teleskope mitgebracht hat, ist Grimmer inzwischen schon gut befreundet. Der erste Kontakt ist beim „Astrotreff“ entstanden. Auch Zimmer hat bereits in jungen Jahren seine Leidenschaft für die Sterne entdeckt, „da war ich vielleicht elf oder zwölf Jahre alt“.

Hermann Lösch (75) ist zum zweiten Mal da. „Ich habe schon als Kind gerne Sternschnuppen angeschaut, die haben mich zum Denken angeregt“, sagt er. „Astronomie ist einfach etwas, das mich begeistert.“

Die 15-jährige Jasmin Nagel interessiert sich generell für Naturwissenschaften, wie sie sagt. Klar, dass sie auch mal beim „Astrotreff“ vorbeischauen muss. Matthias Rudolph (64) hat das Schild am Gartenzaun gesehen und war neugierig. Ebenso wie Ricardo Engel (37) aus der Nachbarschaft.

...zum Beispiel den Orionnebel.

02.02.2016 © Foto: privat


Sie alle sind ganz begeistert, als der erste Stern am Abendhimmel auftaucht: Capella im Sternbild Fuhrmann. Mit bloßem Auge nur schwach zu erkennen, funkelt der Stern beim Blick durchs Teleskop plötzlich wie ein Diamant. 42 Lichtjahre ist Capella entfernt, das heißt, das Licht, das jetzt auf der Erde zu sehen ist, ging vor 42 Jahren auf die Reise.

Kurze Zeit später tauchen auch die Gürtelsterne des Orion auf, Riegel und Beteigeuze. Reinhard Grimmer kennt sie alle ganz genau. Der Orionnebel (Entfernung: 13 500 Lichtjahre) ist sein „Liebling im Winter“. Denn es handle sich um ein Gebilde aus Wasserstoff, bei dem die Farben richtig leuchten. „Hier sieht man, wie Sterne entstehen.“ Sein großes Ziel: einmal den sogenannten Pferdekopfnebel im Orion zu fotografieren.

Denn Reinhard Grimmer fotografiert die Sterne, Sternbilder, Nebel und den Mond natürlich auch. Dafür muss er mit seinem Teleskop aber raus in die Natur. In bewohnten Gebieten herrscht zu viel Lichtverschmutzung.

Und ohne Computer mit einer Menge Software gehe heutzutage auch nichts mehr, weiß der Experte. Der Laptop zeigt auch in seinem Garten an, wo welche Sternbilder stehen, und bietet umfassende Informationen zu allen Sternen.

Außerdem hat Reinhard Grimmer sein Wissen aus zahlreichen Büchern, er liest entsprechende Zeitschriften und hält sich immer über die aktuellen astronomischen Entwicklungen auf dem Laufenden. „Da passiert gerade unheimlich viel! Was allein in den letzten zehn Jahren entdeckt wurde, ist unglaublich.“ Beim Blick in die Sterne fühle er sich klein und unbedeutend. Aber auch Sorgen würden dadurch winzig klein.

Zimperlich darf man freilich nicht sein, vor allem im Winter. Denn Astronomie findet natürlich draußen statt. „Es ist eine Freizeitbeschäftigung, für die man eine gewisse Widerstandsfähigkeit braucht“, so Grimmer. Und auch ganz wichtig: Geduld. Nach drei Stunden wird es den Teilnehmern des „Astrotreffs“ tatsächlich zu kalt. Außerdem zieht der Himmel zu. Doch der nächste „Astrotreff“ — die Treffen sollen nun regelmäßig stattfinden — steht schon vor der Tür. Im April werden nach den Wintersternbildern die Frühjahrssternbilder beobachtet.

Wer sich für den „Astrotreff“ interessiert und auch einmal teilnehmen möchte, kann sich per E-Mail an Reinhard Grimmer wenden: rgdive@t-online.de

JEANETTE SEITZ

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