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Gegen Nazi-Relativierung: So war es bei Sophie Scholl und Anne Frank

Film aus Herzogenaurach erinnert zum Holocaust-Gedenktag an Schicksale - 27.01.2021 14:17 Uhr

Der Film erinnert auch an die Opfer der sogenannten NS-Euthanasieprogramme: Der Historiker Mark Deavin besucht dafür die Gedenktafel in Herzogenaurach.

26.01.2021 © privat


Der an diesem Mittwoch (27. Januar) stattfindende Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus ist Herzogenaurach wichtig – auch in Zeiten von Corona. Heuer hatte die Stadt in Zusammenarbeit mit dem jüdischen Museum in Prag sogar eine Ausstellung mit Kinderbildern aus dem KZ Theresienstadt geplant, sie musste mit Blick auf die Pandemie nun doch ausfallen.

Filmprojekt auf die Beine gestellt

"Am Auschwitz-Gedenktag nichts zu machen, geht gar nicht", sagt Helmut Biehler, der beim Amt für Stadtmarketing und Kultur für Zweiteres zuständig ist. So stellten die Verantwortlichen gemeinsam mit dem Fernsehsender Herzo.TV kurzfristig ein Filmprojekt auf die Beine, das unter dem Titel "Orte des Erinnerns in Herzogenaurach" jener Menschen gedenkt, die Opfer der menschenverachtenden NS-Diktatur wurden.

In dem Film erinnern fünf Herzogenauracher Historiker und Kunsthistoriker etwa an den jüdischen Schuhfabrikanten und Ehrenbürger Louis Berneis, seine industriell betriebene Fabrik wurde von den Nazis – wie es in der damaligen Rassenlehre hieß – "arisiert".

Auch der mutigen Lehrerin Magdalena Metschnabel, die das Kruzifix unter der Nazi-Herrschaft nicht aus ihrem Klassenzimmer entfernen wollte, wird gedacht und der Opfer der sogenannten Euthanasieprogramme. Bürgermeister German Hacker zeigt zudem Straßen in der Herzo Base, die nach Widerstandskämpfern und Schriftstellern benannt sind.

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Die Wissenschaftler, die in dem kleinen Werk zu Wort kommen, befassen sich größtenteils bereits seit vielen Jahren mit der Aufarbeitung der lokalen NS-Vergangenheit.

Unkomplizierte Kooperation 

Daher sei die Kooperation mit Irene Lederer (Leiterin Stadtmuseum/Stadtarchiv), Manfred Welker (Kreisheimatpfleger), Gotthard Lohmaier (Historiker), Mark Deavin (Historiker) und Christian Hoyer (Stellvertretender Leiter Stadtmuseum/Stadtarchiv) einerseits und dem Herzo.TV-Team andererseits sehr unkompliziert gewesen, erzählt Biehler.

Der Film richtet sich an alle, die schon viel über die Schrecken der NS-Diktatur wissen, und auch an jene, die über die örtlichen Schicksale Bescheid wissen wollen.

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Gerade jetzt, da sich Corona-Leugnerinnen mit der Widerstandskämpferin Sophie Scholl oder der jungen von den Nazis ermordeten Jüdin Anne Frank in einer den Holocaust auf Schlimmste relativierenden Weise vergleichen, sei ein Film wie dieser besonders wichtig", betont Biehler. "Hier erfahren die Zuschauer, wie es wirklich in der Nazi-Diktatur war und wie absurd diese Vergleiche somit sind."

Ab 28. Januar bei den "Stadtvisionen"

Der Film steht ab Donnerstag, 28. Januar, bei www.herzo.tv unter der Rubrik "Stadtvisionen". Von hier www.herzogenaurach.de führt ein Direktlink zum Beitrag. Über das Kabelfernsehnetz ist er ab Montag, 1. Februar, bei Herzo.TV zu sehen. Die Sendung wird alle vier Stunden (9 Uhr, 13 Uhr, 17 Uhr, 21 Uhr, 1 Uhr und 5 Uhr) bei den "Stadtvisionen" gezeigt.

SHARON CHAFFIN

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