Samstag, 14.12.2019

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Geheimnisse des Hofsees trockengelegt

Fischer haben größten Weiher auf der Gemarkung Adelsdorf seit 1997 erstmals abgelassen - 11.11.2019 07:00 Uhr

Der große Baggerarm hilft beim Abfischen des Hofsees in Adelsdorf: Insgesamt umfasst der Weiher eine Fläche von 9,5 Hektar – das entspricht etwa 13 Fußballfeldern. Seit 1997 war er nicht mehr abgelassen. Deshalb erforderte die Aktion am vergangenen Samstag eine gute Planung.


Die Hofseegemeinschaft, bestehend aus den Fischereivereinen Adelsdorf und Aisch, hat den Riesenweiher von der Gemeinde gepachtet hat. Er dient ausschließlich als Angelweiher und wurde deswegen auch so lange nicht abgelassen – leer, meinte Rainer Haagen, Chef der Adelsdorfer Fischer, bringt der Weiher nämlich wirtschaftlich nichts ein.

Jetzt aber war es soweit. Das Wasser musste raus – denn es war klar, dass eine Sanierung ansteht. Fast zwei Jahre lang wurde dieses Abfischen geplant, berichtet Bürgermeister Karsten Fischkal. Karpfenexperte Martin Oberle wurde hinzugezogen, beteiligte Behörden eingeschaltet, sämtliche "Unterlieger" der Weiherkette informiert, von Schlauchbooten aus wurde die durchschnittliche Tiefe gemessen. Die beiden Vorsitzenden der Fischereivereine, Rainer Haagen und Helmut Schleicher, schätzten das Wasservolumen auf zwischen 100 000 und 120 000 Kubikmeter.

Es zappelt und spritzt im großen Bottich, in dem die Fischer ihren Fang noch einmal genau begutachten.


Wohin damit? Das war die große Frage. Und wohin mit den vermuteten Schlammmassen am Grund? Der erste "Unterlieger-Weiher" – er gehört dem Fischereiverein Herzogenaurach – wurde erst vor zwei Jahren mit viel Aufwand saniert. Er war voll und sowieso wolle niemand das verschlammte Wasser in seinem Teich haben. Also, so Haagen und Schleicher, habe man zunächst das oberflächliche Wasser, das nicht verschlammt war, über den Herzogenauracher Weiher in die weitere Weiherkette geleitet.

Das Wasser in Schlammnähe musste mit drei Hochleistungspumpen des Technischen Hilfswerkes Baiersdorf in einen an den Weiher vorbeilaufenden Graben geleitet werden, dessen Fassungsvermögen vorab auch berechnet werden musste, so Bürgermeister Karsten Fischkal. Das Ziehen der Schlegel und den Pumpeneinsatz hat er deshalb nicht groß an die Öffentlichkeit getragen. Schließlich war auch unklar, was sich seit 1997 alles so im Hofsee "angesammelt" habe.

Im Vorfeld des Abfischens am vergangenen Samstag, bei dem alle Mitglieder im Einsatz waren, haben beide Fischereivereine zahlreiche Gespräche mit der Gemeinde geführt. Bei diesen Verhandlungen habe man sich vertraglich geeinigt, dass der Hofsee zukünftig alle fünf Jahre abgelassen werden müsse; ferner sei, so Fischkal, auch ein Treuhandkonto eingerichtet worden, in dem die beiden Fischereivereine (zu 50 Prozent) und die Gemeinde (zu 50 Prozent) Gelder für die anstehende Dammsanierung einzahlen.

Dann die positive Überraschung am Samstag: Nach Einschätzungen der beiden Vorsitzenden, des Bürgermeisters und des Fischexperten Walter Jakob ist der wegen seiner Größe kaum überblickbare Hofsee gar nicht so sehr verschlammt, wie angenommen. Und es fand sich auch kein Unrat am Teichboden. Trotzdem, so Fischkal, habe man sich zudem darauf geeinigt, dass ein weiterer Ablaufschacht in den Dammweg gebaut werde.

Der abgelassene Hofsee gab einen groben Überblick über die im Aischgrund gängigen Fischsorten. Der Karpfen dominierte. Grob geschätzt, meinten Haagen und Schleicher, habe man mit einem Bagger 40 Zentner in die bereitstehenden Abfuhrcontainer geladen – dazu Waller in jeder Größe, bis zu zwei Meter. Hinzu kamen Zander, Hechte, Brachsen (Karpfenart) und Weißfische. Einige werden für die Wiedereinsetzung überwintern. Für die anderen gab es genug Abnehmer: Händler warteten am Weiherrand, auch viele Vereinsmitglieder hatten sich zur Abnahme gemeldet.

 

NIKO SPÖRLEIN

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